Coburg
Güterbahnhof

Gewerbe- oder Kulturpark?

Nächste Woche will der Stadtrat den neuen Rahmenplan für das Areal Güterbahnhof/Schlachthof verabschieden. Zur Auswahl stehen zwei Entwürfe.
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Soll das Globe näher an Pakethalle (links zu erkennen) herangerückt werden oder weiter südlich entstehen, wo der Weg zum geplanten Parkhaus kürzer ist? Unter anderem das soll im Rahmenplan Güterbahnhof festgeschrieben werden. Foto: Hagen Lehmann
Soll das Globe näher an Pakethalle (links zu erkennen) herangerückt werden oder weiter südlich entstehen, wo der Weg zum geplanten Parkhaus kürzer ist? Unter anderem das soll im Rahmenplan Güterbahnhof festgeschrieben werden. Foto: Hagen Lehmann
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Verdichtet-urban oder aufgelockert-grün, auf Freizeit ausgerichtet? Das sind, grob gesagt, die beiden Konzepte, die für die Rahmenplanung Güterbahnhof vorliegen. Für die urbane Verdichtung steht Professor Martin Schirmer (Würzburg) , der 2015 den Rahmenplan für das Güterbahnhofs-/Schlachthofgelände erarbeitet und nun fortgeschrieben hat. Den von Grün geprägten Plan entwarf Stefanie Jühling (München) im Auftrag der Globe Coburg GmbH.

Der (geplante) Bau des Globe am Güterbahnhof ist der Anlass dafür, dass der Rahmenplan aus dem Jahr 2015 fortgeschrieben werden muss. Denn ein Theater war damals im "Band der Wissenschaft, Technik und Design" noch nicht vorgesehen. Aber das Globe ist nicht der einzige Faktor: Die Stadt hat weitere 6000 Quadratmeter Grund zwischen Pakethalle und Gleisen erworben, die mitgenutzt werden können. Außerdem hat sich die Nutzung der Stückguthalle ("Alte Pakethalle") für Veranstaltungen und Events "verfestigt", erläuterte Joachim Träger vom Stadtplanungsamt. All dem gelte es nun Rechnung zu tragen.

"Nicht flexibel genug"

Der Rahmenplan war Grundbedingung dafür, dass die Stadt für die Sanierung und Neuentwicklung des Areals Städtebaufördermittel erhält. Denn es befinden sich Altlasten im Boden, allein für die Bodensanierung "müssen Millionen ausgegeben werden", wie Träger sagte. Hinzu komme, dass das fast einen Kilometer lange und schmale Gebiet im Westen durch Gleise und die B4, im Osten durch die Itz scharf von der Stadt abgegrenzt ist. Die einzige Straße führte von Norden, vom Schlachthof her, aufs Güterbahnhofsgelände. Ein Ziel des Rahmenplans war es unter anderem, das Gebiet besser an die Innenstadt anzubinden. Die Brücke in Verlängerung der Ernst-Faber-Straße ist bereits gebaut; darüber führt die Zufahrt zur Firma Ros und zu den - noch provisorischen - Parkplätzen im Süden des Geländes.

Der Rahmenplan "sollte ein flexibles Grundgerüst" schaffen für die künftige Nutzung des Areals, erläuterte Träger. "Aber dieses Grundgerüst war der Regierung von Oberfranken nicht flexibel genug für das Globe."

Stadtbauamtsleiter Karl Baier stellte die beiden Entwürfe vor. Gemeinsam ist ihnen, dass sie im Norden, im Bereich Schlachthof, ein Areal für die Hochschule vorsehen ("Prinz Albert Campus", PAC), danach einen Bereich für Start-Ups mit der Möglichkeit, dort kurzzeitig zu wohnen (Jugendherberge, Boarding House). An ihrem Standort bleiben und ausbauen will die Glaserei Späth, das haben beide Planer berücksichtigt.

Unklar ist, was mit dem Zoll geschieht: Wird die Dienststelle verlagert oder wird die vorhandene am Güterbahnhof ausgebaut? "Wir hoffen, dass wir im Lauf des Jahres Gewissheit haben, was der Zoll plant", sagte Baier. Denn das Zollgebäude selbst ist in Jühlings Plan schon als Jugendherberge vereinnahmt.

Straße durch oder vorbei

Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Entwürfen ist die Verkehrsführung: Jühling würde die Durchfahrt übers Areal möglich machen, aber für Veranstaltungen die Nordzufahrt an einem Wendehammer enden lassen und auch die Einfahrt von Süden sperren. Schirmer würde zu diesem Zweck eine neue Straße westlich der Pakethalle vorbeiführen. Die hätte den Vorteil, dass man in diesem Bereich zusätzliche Parkplätze anlegen könnte.

Ein weiterer Unterschied ist die Platzierung des Globe: Bei Jühling ist das Rundtheater das südlichste Gebäude eines Komplexes mit zwei Nebengebäuden. Diese Nebengebäude braucht das Landestheater, das der erste Globe-Nutzer wird, so lange das Haus am Schlossplatz generalsaniert wird. Schirmer schlägt eine umgekehrte Anordnung der Gebäude vor mit dem Globe im Norden, näher an der Pakethalle und direkt an dem zentralen Platz davor.

Die Diskussion machte deutlich, dass die Zuhörer das Globe am südlichen Ende des Komplexes bevorzugen würden, wegen der Nähe zum geplanten Parkhaus.

Skeptisch zeigten sich mehrere Redner, ob die Zahl an Parkplätzen ausreichen werde für all die geplanten Nutzungen. Die Hochschule nehme das Angebot eines Prinz Albert Campus gerne an, sagte deren Präsidentin Christiane Fritze. "Wir haben Ideen, wie wir diesen Campus bespielen. Aber die Studenten wollen auch parken." Andere vermissten eine Anbindung für Fußgänger und Radfahrer von der Westseite her, wo Bundesstraße und Gleise eine Barriere darstellen. Die sei auch nötig für den zusätzlichen Bahn-Haltepunkt, sagte Klimaschutzbeauftragter Wolfgang Weiß.

Stadträtin Petra Schneider (SPD) und Daniel Küffner (Coburger Designforum Oberfranken) baten darum, das Gelände nicht zu verbauen. Gerade weil es Freiräume biete, um immer wieder etwas anderes entstehen zu lassen oder anbieten zu können, sei es so wertvoll.



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