Ahorn
Naturschutz

Gestrüpp wird zum Lebensraum

Mit einer Hecke will die Gemeinde Ahorn Neuntöter, Goldammer, Hämpfling und Rebhuhn anlocken.
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Im Moment sieht es noch wie wildes Gestrüpp aus. Bald entsteht in der Witzmannsberger Flur eine Benjeshecke, die der Artenvielfalt und damit dem Naturschutz dient. Martin Finzel, Rainer Scholz und Frank Reißenweber ( von links) stellten am Montag die Anlage vor.Gabi Arnold
Im Moment sieht es noch wie wildes Gestrüpp aus. Bald entsteht in der Witzmannsberger Flur eine Benjeshecke, die der Artenvielfalt und damit dem Naturschutz dient. Martin Finzel, Rainer Scholz und Frank Reißenweber ( von links) stellten am Montag die Anlage vor.Gabi Arnold
Im Moment sieht das abgelegte Schnittgut in der Witzmannsberger Flur noch wie wüstes Gestrüpp aus. Aber bald wird am Wegrand in Richtung Ulrichstock eine sogenannte Benjeshecke blühen. Am Montag stellten der Bürgermeister der Gemeinde Ahorn Martin Finzel, Bauamtsleiter Rainer Scholz und Frank Reißerweber, Biologe am Landratsamt, das Naturschutz-und Artenschutzprojekt vor.

Den Namen, so Reißenweber, verdanke die Benjeshecke ihren Erfinder. Denn bereits seit den 1980er-Jahren werden laut dem Biologen solche Natur-und Artenschutzhecken angelegt. Wie Bürgermeister Finzel dazu erklärte, habe die Gemeinde das Schnittgut, das in den Monaten Januar und Februar angefallen sei, diesmal bewusst nicht in den Häcksler geworfen. "Unser Gärtner Oliver Ullrich hatte die Idee, damit die Benjeshecke anzulegen", erklärte Finzel. Der Bürgermeister nahm den Vorschlag begeistert auf und setzte diesen umgehend in die Tat um.

In der Witzmannsberger Flur sind bereits einige große Holzpfosten, die das Schnittgut in Zaun halten sollen, in die Erde geschlagen. Allerdings, erklärt Bauamtsleiter Scholz, erschwere im Moment noch Bodenfrost die Arbeiten. Sobald als möglich soll dort auf einer Länge von 200 Metern das Schnittgut von Bäumen und Sträuchern bandartig angelegt werden.


Wichtig für den Naturhaushalt

Reißenweber erklärte das Prinzip: Demnach sollen, während das Totholz verrottet, Vögel Pflanzensamen dort einbringen, die dann keimen und in das lockere Gehölz durchdringen. So entstehe mit der Zeit aus dem lockeren Wall eine stabile, lebendige Hecke. Diese fügt sich laut Finzel perfekt in die Kulturlandschaft in der Region.

Aber nicht nur das: "Hecken haben eine große Bedeutung im Haushalt der Natur," weiß der Bürgermeister. Demnach bilde sich im Schutz der Hecke ein günstiges Kleinklima. Es werden Staub, Schmutz und Abgase gefiltert und der Lärm gedämpft. "Hecken bieten also einen Schutz vor negativen Umwelteinflüssen und gleichzeitig einen Lebensraum für zahlreiche Tiere", so der Bürgermeister.

Reißenweber, der für den Arten-und Biotopschutz des Landkreises zuständig ist, freute sich: "Aus naturschutzfachlicher Sicht begrüßen wir dies sehr, da Deckungsstrukturen in die Landschaft gebraucht werden, die von Wildtieren, ebenso angenommen werden wie von Singvogelarten und heimischen Insekten."


Auch der Hase freut sich

Zu den potentiellen Brütern gehören laut Reißenweber die Goldammer, Dorngrasmücke, Hämpfling und Neuntöter. Auch Niederwild wie das bedrohte Rebhuhn und der Feldhase fühlen sich laut dem Biologen in der Hecke wohl. Insekten, die wiederum als Nahrung der Vögel dienen und ein biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel seien, würden ebenfalls von der Benjeshecke profitieren.

Durch die Anlage, so Reißenweber, werde die Landschaft zudem strukturiert und gegliedert, was aus Sicht des Naturschutz einen weiteren Vorteil darstelle. Da bei der Flurbereinigung, die im Jahr 2008 abgeschlossen wurde, bewusst ein breiter Schutzstreifen zu den landwirtschaftlichen Flächen gelassen wurde, sei genügend Abstand da, um die Benjeshecke anzulegen.

Die Arbeiten sollen bis zu den Osterfeiertagen abgeschlossen sein. Wie Finzel betonte, führe entlang der neu angelegten Hecke auch das Rad-und Wanderwegenetz der Initiative Rodachtal. Überhaupt werde in der Gemeinde auf den Natur-und Landschaftsschutz höchster Wert gelegt. "Entlang der neuen Zufahrt der Alten Schäferei werden wir alte Obstbaumsorten pflanzen und Tafeln dazu aufstellen", nannte Rainer Scholz ein weiteres Projekt. Außerdem sollen entlang der Gräben bei Eicha und Schorkendorf Kopfweiden gepflanzt werden.
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