Coburg
Auftritt

Gershwin und Bernstein treffen Duke Ellington in Coburg

Wie die Coburger Gesellschaft der Musikfreunde ihren ersten Jazz-Abend im HUK-Foyer veranstaltet.
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Jazzabend bei den Musikfreunden: Mini Schulz, Frank Dupree und Obi Jenne (von links) gastierten im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe.Foto: Jochen Berger
Jazzabend bei den Musikfreunden: Mini Schulz, Frank Dupree und Obi Jenne (von links) gastierten im HUK-Foyer auf der Bertelsdorfer Höhe.Foto: Jochen Berger
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Frank Dupree ist ein musikalischer Verwandlungskünstler, der in kein Raster passen will. Er ist Pianist und Schlagzeuger, Dirigent und Komponist.

Das Coburger Publikum hat er bereits zweimal mit seiner Virtuosität und seiner Musikalität gleichermaßen begeistert - mit einem Soloprogramm im Haus Contakt und als gefeierter Solist gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester.

Dass Frank Dupree nicht nur im klassischen Repertoire daheim ist, sondern auch ein Faible für das Jazz-Idiom besitzt, erlebte das Publikum bei der Gesellschaft der Musikfreunde. Beim zweiten Abend der neuen Reihe "Green Line" zelebrierte Dupree im HUK-Foyer Jazz in Trio-Besetzung - mit Mini Schulz am Kontrabass und Obi Jenne am Schlagzeug.

Dass Dupree als Pianist eine gewisse Jazz-Affinität besitzt, dürfte für jene Musikfans, die ihn bereits in Coburg erlebt haben, am Ende gar nicht so überraschend gewesen sein. Schließlich hatte Dupree schon bei seinem Coburg-Debüt im März 2015 mit seiner eigenen Solofassung von Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" bewiesen, dass er feines Gespür für diese dem Jazz nahestehende Musik besitzt.

Begeisterter Beifall

Beim Musikfreunde-Abend unter dem Motto "Preludes and more" näherte sich Dupree dem Jazz-Idiom gleichsam auf klassischen Pfaden und als Solist an - mit drei fein den Klängen nachlauschenden Préludes von Claude Debussy, dessen Harmonien dem Jazz reichlich inspirierendes Material lieferten.

Feine Kammermusik in Triobesetzung erlebten die Zuhörer dann bei George Gershwins drei Preludes für Klavier, die in effektvollen Trio-Arrangements erklangen.

Stilsichere Jazz-Übungen zwischen Bebop-Anklängen, Swing und Disco-Attitüde boten fünf ausgewählte Preludes von Nikolai Kapustin: Jazz-Tonfall ohne die Freiheit der Improvisation - ein durchaus bewusst gewählter Widerspruch in sich, mit akademischer Präzision servierte Musik, die nach Jazz klingt, ohne tatsächlich Jazz zu sein.

Bei drei Songs aus Leonard Bernsteins "West Side Story" gönnte sich das Trio dann mit befreiter Musizierfreude ebenso improvisierende Ausflüge wie ganz zum Schluss bei zwei Titeln von Duke Ellington - "Prelude to a kiss" und "Caravan". Freundlicher Beifall zwischen den einzelnen Stücken, begeisterter Applaus am Ende und die Erkenntnis, dass sich die neue "Green line" getaufte Reihe der Musikfreunde tatsächlich zu einem interessanten Format entwickeln kann.

Die nächsten Konzerte der Musikfreunde

Gelbe Reihe

Sonntag, 16. Dezember 66. Weihnachtskonzert mit dem Collegium musicum Coburg, Leitung: Thomas Ehrle, 17 Uhr, St. Moriz (Eintritt frei) Montag, 28. Januar Mayumi Kanagawa (Violine), Ido Ramot (Klavier), 28. Januar, 19.30 Uhr, Kongresshaus

Green Line

Donnerstag, Freitag, 22., 23. November Wein und Musik, Ensemble Spirata, 19 Uhr, Weinhandlung Oertel; Tickets im Vorverkauf: Buchhandlung Riemannct



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