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Unser Thema der Woche // Genuss

Genuss auf zwei Rädern geht vom Coburger Land aus

Wer dem Motorradfahren verfallen ist, genießt das Leben (fast) nur noch auf dem Moped. Eine völlig subjektive Liebeserklärung an das Spiel mit den Kräften.
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Im Wechselspiel der Kräfte auf dem Motorrad durch Franken - für eine große Gemeinde von Bikern definiert sich so Genuss. Foto: CT-Archiv
Im Wechselspiel der Kräfte auf dem Motorrad durch Franken - für eine große Gemeinde von Bikern definiert sich so Genuss. Foto: CT-Archiv
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Drei Maschinen weiter vorn kippt Roy nach rechts. Dann Wolfgang, Tilo, und jetzt bin ich dran. Weit links anfassen, runter und ab geht's. Der Blick muss da hin, wo das Motorrad hin soll. Trotzdem nimmt der Augenwinkel wahr, dass Roy schon nach einer 180-Grad-Kurve links von mir aufwärts schnurrt. In der Wechselkurve von rechts unten fließend über oben nach links unten. Sekunden später bin ich dort, wo Roy gerade noch war. Kurve für Kurve wedelt die kleine Bikergruppe durch den Thüringer Wald. Das Grinsen ist kaum aus dem Gesicht zu bekommen. Motorradfahren gehört schlicht zu den größten Genussmomenten, die das Leben zu bieten hat.

Warum? Das fängt schon vor dem Aufsteigen an. "Moped fährst du nicht wie Auto, du bist viel bewusster dabei, voll bei der Sache", sagte einmal unser Motorradpfarrer Arnold Kroll. So ist es. Motorradklamotten anziehen, Stiefel an, das nasse Zewa vom Helmvisier ziehen und die aufgeweichten Fliegenreste noch mal nach wischen - die Vorbereitung hat was von Jetpilot - außer der Sache mit den Fliegen. Und tatsächlich nennen sie in den Fachzeitschriften die Fahrer oft Piloten, wohl wegen des Helmes.

An der Maschine, dem Moped eben, Helm auf, Handschuhe an, aufsitzen. Der Moment, wenn nach dem Drehen des Schlüssels alle Anzeigen kurz auf Max. hochjagen und dann wieder zurück auf Null, dieser Augenblick hat was von der kurzen Besinnung, dieser Einkehr, die Karateka beim Abknien vor dem Training bewusst werden lässt, dass sie sich jetzt nur noch auf das konzentrieren wollen, was nun kommt.

Alles andere ausgeblendet

Genau das ist etwas am Motorradfahren, das es so besonders macht. "Du kannst nichts anderes machen, wenn du fährst, auch nichts anderes denken", hat es der Schauspieler Jürgen Vogel mal beschrieben. Ewan McGregor vergleicht Motorradfahren gar mit Meditation. Irgendwie haben beide Recht. Das Zusammenspiel der Kräfte, das uns auch in Schräglage nicht stürzen lässt, dieses Zusammenspiel will sorgfältig gepflegt sein, wenn es stimmen und nicht versagen soll. Gedanken über Arbeit, Familie oder sonst was haben daneben keinen Platz.

Der Druck auf den Starterknopf verursacht quasi dieses "Ommmm" aus der Meditation. An einem frühen Sonntagmorgen kommt es dem transzendentalen Flug echt nahe. Hier und da noch ein wenig Nebel über den Wiesen. Sonne, die noch schräg durch die Bäume glitzert, kühler Wind durch den offenen Helm, der Duft feuchter Wiesen und Wälder ... Biken ist auch alleine wunderschön.

Dass Mensch und Maschine dabei eins werden, ist keine ganz hohle Phrase. Von Freiheit ist viel die Rede. Und, ja, es fühlt sich schon frei an, so ohne Ziel los zu fahren. Keine Karte, kein Navi - der Sonne entgegen oder mit ihr im Rücken. Abbiegen ohne Nachdenken, einfach nach Gefühl. Irgendwann denken "nanu, wo bin ich den jetzt?", und grinsend murmeln "dabei wollte ich doch nur tanken fahren!" - hallo!, wenn das nicht echte Freiheit ist... Dann tanke ich eben noch mal und schau mal, wo noch ein paar schöne Kurven sind.

Genussregion für Biker

Wem Motorradfahren Glück und Genuss ist, für den kann das Glück kaum größer sein, als im Coburger Land zu leben. Praktisch umzingelt von Franken- und Thüringer Wald, Rhön, Hassbergen und Steigerwald bis hinüber in die Fränkische (Schweiz) - wer hier startet, der landet wenig später in geilen Kurven einer wunderbaren fränkischen Region, ganz egal in welche Richtung er fährt.

Alle paar Kurven gibt es immer eine Einkehrmöglichkeit, die uns die fränkische Genussregion auch kulinarisch in wunderbarer Vielfalt genießen lässt. (Biker-) Herz, was willst du mehr?

Motorradevents wie die Sternfahrt in Kulmbach, Motorradgottesdienste in vielen Städten oder einfach das informelle Treffen bei "der Kati" in der Fränkischen lassen die Biker-Gemeinde zusammenkommen. Über alle Alters-, Herkunfts- und Bildungsgrenzen hinweg wird "Öl gequatscht". Biker sind per "Du". Standesunterschiede gibt es nicht. Auch nicht zwischen dem Fahrer auf dem Reisedampfer und dem mit dem Heizhobel, dem Enduristen oder dem Naked Biker. In der Begegnung grüßen sich alle und genießen es, zu einer besonderen Gemeinschaft zu gehören. Steht irgendwo einer und hat den Helm auf der Straße, hält man an - der braucht gerade Hilfe.

Gemeinschaft

So ist nicht wirklich alleine, wer alleine fährt. Die anderen sind immer da - irgendwo. Wer die Gruppe mag, kann in Clubs fahren oder ganz informell bei Gruppen wie KuK (Kirche und Krad). Dort werden ohne Mitgliedschaft und Anmeldung Touren organisiert und Motorradgottesdienste laden ein, mal über sich, das Fahren und das Glück nachzudenken, das es bedeutet, heil nach Hause zu kommen.

Solange das Bein drüber geht

Wer einmal dieses Gefühl genossen hat, einmal nach einer durchfahrenen Strecke dachte: "Alter, ist das geil!", der lässt es nicht mehr. Der definiert Genuss nur noch als den Teil des Lebens der sich auf zwei Rädern abspielt, zwischen denen es richtig ordentlich brummt. So ist das. Da kann man gar nichts machen. Nicht solange das Bein noch irgendwie über den Sattel zu bringen ist.

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