Coburg
Diskussion

Generalkonsul zu Besuch in Coburg: "Jeder Haushalt spart 550 Euro!"

Was hat der einzelne Verbraucher von einem Freihandelsabkommen zwischen EU und USA? Bei seinem Besuch in Coburg versucht der Generalkonsul, Ängste abzubauen und Chancen aufzuzeigen. Doch über allem schwebt ein Chlor-Hühnchen.
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Generalkonsul William Ernest Moeller III (links) bedankt sich bei Hans Michelbach (rechts) für die Gastfreundschaft. Dazwischen IHK-Präsident Friedrich Herdan (Zweiter von links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel. Foto: Oliver Schmidt
Generalkonsul William Ernest Moeller III (links) bedankt sich bei Hans Michelbach (rechts) für die Gastfreundschaft. Dazwischen IHK-Präsident Friedrich Herdan (Zweiter von links) und IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel. Foto: Oliver Schmidt
Nein, ein Hühnchen rupfen wollte Friedrich Herdan mit seinem amerikanischen Gast nicht. Auch wenn der Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Coburg (IHK) die NSA-Abhöraffäre sehr offen und kritisch ansprach, als jetzt der in Berlin residierende Generalkonsul der Vereinigten Staaten, William Ernest Moeller III, zu Besuch war. Weil es in einer "Herzensangelegenheit" wie den deutsch-amerikanischen Beziehungen auch "eine enttäuschte Liebe" geben dürfe, so der Präsident, ging der gemeinsame Blick vor allem nach vorne. Das Projekt, das Herdan und Moeller gerne verwirklicht haben möchten, ist das Freihandelsabkommen (TTIP; die Abkürzung richtet sich nach der englischem Bezeichnung) zwischen der Europäischen Union und den USA.
Das Thema klingt für Außenstehende nach komplizierter Kost - lässt sich aber zum Beispiel an einem Hühnchen gut erklären.

In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum müssten nämlich unweigerlich auch gleiche Standards gelten. Verbraucherschützer verweisen da auf die Sache mit den Chlor-Hühnern: In den USA ist es Standard, nach der Schlachtung eines Huhns das gerupfte Tier zur Desinfektion in eine Chlorlauge zu werfen - in der EU ist das verboten, und seit 1997 dürfen Chlor-Hühner auch nicht importiert werden. Landen diese jetzt im Zuge des TTIP aber doch wieder auf deutschen Tellern?

Deutsche überleben in den USA

Der Generalkonsul räumte ein, dass in den USA zum Teil andere Standards gelten würden als in Europa - "andere, aber nicht unbedingt niedrigere!" Er betonte: "Die Nahrungsmittel in den USA sind gesund und sicher." Provokant klingend, aber augenzwinkernd gemeint, fügte Moeller an: "1,5 Millionen Deutsche reisen jährlich in die USA. Und meines Wissens liegt deren Überlebensrate bei ungefähr 100 Prozent."

Friedrich Herdan musste da zwar auch schmunzeln, stellte aber deutlich klar: "So sehr wir uns vom Freihandelskommen mehr Wachstum und mehr Beschäftigung versprechen: Das darf natürlich nicht auf Kosten von Verbraucherschutz und Arbeitnehmerrechten gehen!" Er stimmte Moeller zu, dass bei Lebensmitteln eine Kennzeichnungspflicht eine gute Lösung wäre. Grundsätzlich war man sich einig, dass mehr über die Chancen gesprochen werden müsste, die TTIP beinhaltet. "Der Hauptvorteil ist aber nicht das Wachstum oder die Arbeitsplätze", sagte Moeller, "sondern die strategische Dimension!"

Wenn die EU und die USA ein gemeinsamer Wirtschaftsraum wären, könnte ein "gewichtiger Gegenpol" zu Asien geschaffen werden, gab der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach zu bedenken. Speziell die Exportnation Deutschland und auch der Raum Coburg/Kronach könnten davon profitieren - und zwar nicht nur die Betriebe, sondern auch der einzelne Bürger: Michelbach verwies auf ein Gutachten, das der Deutsche Bundestag in Auftrag gegeben hat. Demnach würde das TTIP jeden Haushalt um jährlich 550 Euro entlasten. Denn durch den intensiveren Wettbewerb auf dem amerikanisch-europäischen Markt würden die Preise einiger Produkte sinken.

"Coburger Unternehmen haben eine gute Tradition in der Zusammenarbeit mit den USA", bestätigte Friedrich Herdan und beschrieb dem Generalkonsul die Stärken des hiesigen Wirtschaftsraumes. Moeller, der sich ansonsten auf Deutsch mit Herdan unterhielt, wechselte da mal kurz ins Englische und sagte voller Anerkennung: "Wow!"

Neue Städterpartnerschaft?

Moeller bot seine Mithilfe an, wenn aus dem Coburger Raum neue Kontakte in die USA gewünscht sein sollten. Konkret schlug er die Vermittlung einer Partnerstadt vor; Coburg hat zwar schon Garden City, doch die Beziehungen sind aktuell nicht besonders intensiv. Außerdem könnte sich Moeller einen Schüler- und Studentenaustausch vorstellen. In diesem Zusammenhang berichtete ihm Herdan erfreut von einem neuen Studiengang, der an der Coburger Hochschule geplant ist und der einen Studentenaustausch als festen Bestandteil hat.
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