Am 31. Oktober 1517 gab Martin Luther unbewusst den Startschuss für das, was später "Reformation" genannt werden sollte. In den darauffolgenden Jahrhunderten betonten die Kirchen vor allem, was sie voneinander trennte. Doch beim Kirchenkreis-Kirchentag am 31. Oktober in Coburg soll das anders sein: "Regionalbischöfin Dorothea Greiner hat den Kirchenkreis-Kirchentag bewusst ökumenisch angelegt", sagt ihr persönlicher Referent Michael Thein.
Deshalb wird der katholische Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg) zusammen mit der Regionalbischöfin zur Eröffnung dieses Kirchentags in der Morizkirche predigen. Die Abendandacht feiert die Regionalbischöfin zusammen mit dem anglikanischen Bischof von Chichester, Martin Warner.
"Dass der Erzbischof diesen Gottesdienst mitfeiert und auch predigt, ist schon eine Wucht", sagt Stefan Kirchberger, einer der beiden Coburger Dekane. In Coburg laufen die Planungsfäden zusammen; mit Pfarrer Dieter Stößlein wurde eigens ein Reformationsbeauftragter eingesetzt, der die Vorbereitungen für den Kirchenkreis-Kirchentag koordiniert.
Stößlein sieht die Ökumene beim Kirchenkreis-Kirchentag als Ergebnis einer gewachsenen Entwicklung. "Das hat es noch nie gegeben, dass ein Erzbischof am Reformationstag in Moriz auf der Kanzel steht. Da sehen Sie auch, wie viel Vertrauen da gewachsen ist", sagt er. Und: "Wir feiern ja nicht Martin Luther, sondern das Evangelium, das Martin Luther neu entdeckt hat."
Erwartet werden "3000 Personen plus X", sagen Kirchberger und Stößlein. Abschätzen kann das niemand, denn es gab bislang keine vergleichbare Veranstaltung im Kirchenkreis. Zwar diente die Luther-Dekade mit ihren Themenjahren als Anlass für manche Großveranstaltung, "aber das war enger eingegrenzt", erläutert Michael Thein. So trafen sich 2012 die oberfränkischen Posaunenchöre auf dem Coburger Schlossplatz zum wegen des Themenjahrs "Reformation und Musik". 1500 Bläser und 2000 Besucher kamen seinerzeit zusammen. Aber damals gab es mit dem Schlossplatz nur einen Veranstaltungsort und mit der Musik ein beherrschendes Thema. Beim Kirchenkreis-Kirchentag ist Musik ein Thema von mehreren, und sie ist auch noch in unterschiedlichen Ausprägungen zu erleben: Orgelmusik, Kantoreien, Gospelchöre Posaunenchöre bis hin zum Luthermusical und dem Songcontest der Landeskirche. Dessen Abschlusskonzert beendet den Kirchenkreis-Kirchentag.
Natürlich ist auch geplant, dass die 15 übrigen Dekanatsbezirke sich in Coburg präsentieren. Der Kirchenkreis Bayreuth umfasst Oberfranken, den östlichen Teil Unterfrankens (Dekanat Rügheim) und einige mittelfränkische Einsprengsel. Sie sollen sich und ihre Projekte zur Reformationsdekade im Kongresshaus zeigen, wo am Vormittag auch ein politischer Frühschoppen stattfindet. Vertreter aus allen vier Landtagsfraktionen wurden in die Landessynode berufen: Markus Söder (CSU), Markus Rinderspacher (SPD), Verena Osgyan (Grüne) und Peter Meyer (Freie Wähler) werden ab 12 Uhr über Politik und Religion diskutieren. Im Anschluss daran ziehen Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick eine ökumenische Bilanz des Reformationsjahres (Salvatorkirche, 13.30 Uhr).
Viel Programm zum Zuhören also, aber auch viel zu erleben, wie Stefan Kirchberger betont. Für Kinder und Jugendliche werden in im Haus Contakt und im Pfarrzentrum St. Augustin eigene Programme angeboten. Die katholische Kirchengemeinde St. Augustin stellt nicht nur ihr Pfarrzentrum zur Verfügung, sondern auch ihre Werktagskirche als "Raum der Stille" - ein weiteres Zeichen der gewachsenen Ökumene in Coburg.