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Coburg
Altes Schützenhaus

Geldstrafe für Verleiher der Schützenhaus-Tatwaffe

1400 Euro Strafe muss ein 33-jähriger Mann aus dem Landkreis Coburg zahlen, weil er einem Verwandten im Oktober vergangenen Jahres eine Schusswaffe überlassen hatte, obwohl derjenige keine entsprechende Erlaubnis besaß. Abnehmer der Waffe war Ulrich S., der damit am Tag darauf seine Frau erschoss.
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Foto: FT Archiv
Foto: FT Archiv
Ulrich S., der ehemalige Wirt des Alten Schützenhauses, hatte dem 33-Jährigen gesagt, er wolle mit der doppelläufigen Schrotflinte in seinem Anwesen Ratten jagen. Einen Tag nach der Übergabe, am 6. Oktober, erschoss S. mit eben jener Flinte seine Ehefrau.

Der gestrige Prozess vor dem Amtsgericht Coburg war mit knapp 15 Minuten Dauer im wahrsten Sinne des Wortes ein kurzer. Den Strafbefehl wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht oder genauer - wie es im Juristendeutsch heißt - wegen fahrlässiger unerlaubter Überlassung einer erlaubnispflichtigen Schusswaffe (und entsprechender Munition), hatte der 33-jährige Angeklagte der Sache nach anerkannt. Lediglich gegen die Höhe der Strafe, 40 Tagessätze à 43 Euro, also insgesamt 1720 Euro, hatte er Einspruch eingelegt.

Geändertes Urteil akzeptiert

Bei einem Monatsgehalt von netto 1300 Euro und Unterhaltsverpflichtungen für ein kleines Kind erschien dem 33-Jährigen die Strafe zu hoch. Außerdem sei sein Mandant als Jäger tätig und je höher die Strafe ausfalle, desto höher werde auch die Wahrscheinlichkeit, dass ihm sein Waffenschein entzogen werde, begründete Verteidiger Michael Waschk.

Zunächst wollte der Anwalt daher erreichen, dass die Zahl der Tagessätze halbiert wird, änderte seinen Antrag dann aber auf Anraten von Richter Wolfram Bauer dahingehend ab, dass stattdessen die Höhe der Tagessätze gesenkt werden sollte. Bauer bezweifelte zwar, dass der Angeklagte als Angestellter seines Vaters monatlich nur 1300 Euro netto verdienen sollte, änderte den Tagessatz dann aber auf Antrag der Staatsanwaltschaft auf 35 Euro ab. Die Gesamtstrafe beträgt somit 1400 Euro.

Dieses Urteil akzeptierte der 33-Jährige dann auch sofort. Es ist damit rechtskräftig. Viel mehr als die Geldstrafe, so war den Worten seines Verteidigers zu entnehmen, belastet den Angeklagten jedoch, was mit der Waffe geschah, nachdem er sie Ulrich S. übergeben hatte. Sein Mandant habe "schwere psychische Folgen" davongetragen, die er immer noch verarbeiten müsse, schließlich gehe es um seine Verwandtschaft. Waschk: "Er ist durch das Geschehen ein Stück weit mitbestraft."

Gleichwohl, so betonte Staatsanwältin Daniela Möhrlein, hätte der Angeklagte wissen können, dass Ulrich S. gar keine entsprechende Erlaubnis mehr zum Führen einer Waffe besaß. Schließlich soll ihm Ulrich S. die Bockdoppelflinte vor Jahren überlassen haben. 2007 nämlich hatte der ehemalige Schützenhaus-Wirt die Waffe und seinen Waffenschein abgeben müssen, weil er wegen Betrugs zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden war. Ulrich S. hatte sich seinerzeit mit Geld aus seiner eigenen Firma nach Spanien abgesetzt. Weil er dort nicht Fuß fassen konnte und nach Deutschland zurückkehren wollte, stellte er sich schließlich den Coburger Behörden.

Der Prozess gegen Ulrich S. wegen Totschlags beginnt am 22. Juli am Landgericht Coburg.

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