Der Betreuer und Nachlassverwalter aus dem Landkreis Coburg, der der Untreue in 338 Fällen beschuldigt wird, könnte mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Dies haben sein Rechtsanwalt Jens Petzold und die Staatsanwältin Carolin Schellhorn bei einem erneuten Rechtsgespräch am Freitag ausgehandelt.

Der ehrenamtliche Betreuer sitzt vor dem Landgericht Coburg auf der Anklagebank, weil im Zeitraum von 2011 bis 2015 insgesamt 370 000 Euro von den Konten seiner Klienten verschwunden sind.

Laut Anklage hat der Mann immer wieder große Barabhebungen, einmal sogar 35 000 Euro, von den Konten seiner Klienten getätigt, ohne diese ausreichend belegen zu können. Der Mann hat bereits zugegeben, von reicheren Klienten zugunsten ärmerer Klienten Geld verwendet zu haben. Er habe mit dem Geld der Reichen zum Beispiel Kuchen und teure Medikamente für "arme Schlucker" gekauft.

"Kann nicht nein sagen"

Auch ein Polizeibeamter sagte als Zeuge aus, dass der Betreuer zugunsten der ärmeren Klienten von reicheren Klienten Geld umgebucht habe. Allerdings erklärt dies die hohe Differenz auf den Konten nicht. Dem Beamten zufolge lebt der Betreuer in bescheidenen Verhältnissen und sei um Aufklärung bemüht. Ein Psychiater hat den Angeklagten neben seinem hirnorganischen Leiden auch ein Helfersyndrom bescheinigt. Demnach leidet der Beschuldigte unter einer übertriebenen Hilfsbereitschaft; er könne nicht "Nein" sagen.

Rechtsanwalt Jens Petzold war es auch deshalb wichtig, dass sein Mandat trotz des hohen Schadens mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. "Aufgrund der eingeschränkten Schuldfähigkeit meines Mandanten und den Umständen, dass der Angeklagte, von den in Reden stehenden Summen, nur den kleinsten Teil für sich selbst verbraucht hat, halte ich ein Bewährungsstrafe für angebracht", argumentierte er.

Wo ist das viele Geld verblieben?

Bei dem erneuten Rechtsgespräch ließ sich die Staatsanwältin Carolin Schellhorn auf diesen Deal ein. Aber: "Nur unter der Voraussetzung, das sichergestellt wird, dass der Angeklagte in Zukunft keine Betreuungen und Nachlasspflegschaften mehr übernimmt." Der Vorsitzende Richter Ingo Knecht-Günther hat daraufhin eine Haftstrafe von höchstens zwei Jahren in Aussicht gestellt; diese könnte zur Bewährung ausgesetzt werden. "Für den Fall, dass der Angeklagte sein Geständnis aufrechterhält und im Rahmen seiner Möglichkeiten die einzelnen Fälle präzisiert."

Nun versucht das Gericht, in jeden einzelnen Fall den Verbleib des Geldes zu ergründen. Und dies ist mühselig, da sich der Angeklagte wegen einer hirnorganischen Erkrankung nicht an Details erinnern kann.

Die Verhandlung vor der dritten großen Strafkammer am Landgericht Coburg wird fortgesetzt.