Neustadt bei Coburg
Gastspiel

Gefeiertes Wiederhören in St. Georg in Neustadt

Wie der Organist Hartmut Leuschner-Rostoski aus Bayreuth das Publikum in Neustadts Stadtkirche St. Georg mit einem abwechslungsreichen Programm beeindruckt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Organist Hartmut Leuschner-Rostoski gastierte an der historischen Hofmann-Orgel von St. Georg in Neustadt. Mit Musik vom Barock bis zur Romantik gestaltete er das Abschlusskonzert der 4. thüringisch-fränkischen Orgeltage.Foto: Jochen Berger
Der Organist Hartmut Leuschner-Rostoski gastierte an der historischen Hofmann-Orgel von St. Georg in Neustadt. Mit Musik vom Barock bis zur Romantik gestaltete er das Abschlusskonzert der 4. thüringisch-fränkischen Orgeltage.Foto: Jochen Berger
+8 Bilder

Manchmal bewegen sich Konzert-Programme in längst bekannten Bahnen. Manchmal aber werden sie regelrecht zur Entdeckungsreise - wie das Finale der 4. thüringisch-fränkischen Orgeltage in Neustadt. Hartmut Leuschner-Rostoski, Organist aus Bayreuth, hatte dazu Werke vom Barock bis zur Romantik ausgewählt, die bestens abgestimmt waren auf die klanglichen Möglichkeiten der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Hofmann-Orgel.

Unbekannte Komponisten

Bekannte Komponisten mit wenig bekannten Werken und wenig bekannte Komponisten, die zum Teil bei bekannten Komponisten künstlerisch in die Lehre gegangen waren, hatte Leuschner-Rostoski zu einer interessanten Vortragsfolge verknüpft.

Spanien zum Auftakt

"Die Europa-Wahl ist zwar erst am nächsten Sonntag - aber in diesem Programm sind schon vier europäische Länder vertreten", meinte Hartmut Leuschner-Rostoski, der nach einigen Jahren Pause wieder in Neustadt gastierte. An den Beginn setzte er ein Werk des spanischen Komponisten Juan Cabanilles ("Tiento Ileno der septimo Toni"). Schon bei diesem polyphon angelegten Stück erwies sich Leuschner-Rostoski als sehr stilsicher agierender Organist, der die einzelnen Stimmen stets klar konturiert hervortreten ließ.

Präludium von Beethoven

Einfühlsam und abwechslungsreich registriert war ein Werk des jungen Johann Sebastian Bach, die Partita über"Ach, was soll ich armer Sünder machen." Das folgende Präludium durch alle Tonarten von Ludwig Van Beethoven erinnerte daran, dass der in Wien zu Ruhm gekommene Komponist in jungen Jahren als stellvertretender Hoforganist in Bonn wirkte.

Bachs Enkel-Schüler

Von Christian Heinrich Rinck, einem Enkel-Schüler Johann Sebastian Bachs, stammte der Allegro-Satz eines Flötenkonzerts, den Leuschner-Rostoski auf der dreimanualigen Hofmann-Orgel farbenreich und technisch virtuos meisterte.

Französische Einflüsse

Reizvolle französische Einflüsse klangen in zwei kurzen Werken des britischen Komponisten William Wolstenholme an, der an der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert lebte.

Krönender Abschluss

Dass der im 19. Jahrhundert unter anderem in Utrecht tätige Jan Albert Van Eyken ein Schüler Felix Mendelssohns war, ließ seine Orgelsonate d-Moll unmissverständlich hörbar werden. Sie wurde zum krönenden Abschluss eines stimmig konzipierten, souverän gestalteten Orgelkonzert. Der verdiente Lohn: ausdauernder Beifall für Hartmut Leuschner-Rostoski, der sich dafür mit einer Zugabe bedankte.

Rund um die thüringisch-fränkischen Orgeltage

Orgeltage Die thüringisch-fränkischen Orgeltage erlebten in diesem Jahr ihre vierte Auflage. Veranstaltet von den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Neustadt und Sonneberg umfassten sie diesmal vier Veranstaltungen - Konzerte in Lauscha, Sonneberg und Neustadt sowie einen Kantatengottesdienst in Judenbach. Hofmann-Orgel Die Hofmann-Orgel in St. Georg in Neustadt besitzt eine rund zwei Jahrhunderte umfassende Geschichte.

Der Orgelbauer Johann Andreas Hofmann vollendete 1808 nach vier Jahren Bauzeit eine große Orgel in der Kirche St. Georg in Neustadt. Das Instrument wurde aber beim Stadtbrand im Jahr 1839 zerstört. Eine neue Orgel baute in den Jahren 1847/48 sein Sohn Georg Christoph Hofmann für 2950 Gulden. Die ursprünglich 23 Register sind fast vollständig erhalten. Bei einer Reparatur und Restaurierung im Jahr 1977 wurde die Orgel zu einer Konzertorgel umgebaut. Der Orgelbaumeister Werner Bosch ergänzte sie dazu um ein drittes Manual (Schwellwerk) und erweiterte die Registeranzahl beträchtlich auf 42. Sie hat etwa 3000 Pfeifen. Im Jahr 2013 wurde eine Instandsetzung für rund 56000 Euro durchgeführt. Äußerlich ist die Orgel in einem Stil zwischen Historismus und Klassizismus gestaltet. Gastorganist Hartmut Leuschner-Rostoski unterrichtete an der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth und war zudem insgesamt 20 Jahre künstlerischer Leiter der "Lahmer Konzerte".

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren