Gestungshausen
Tag der offenen Gartentür

Gartenbesitzer im Kreis Coburg öffneten ihre Türen

Naturnahe Gärten werden in Zeiten des Klimawandels attraktive Rückzugsmöglichkeiten. Davon konnten sich Interessierte am Wochenende überzeugen.
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Der Gartenteich im Garten von Gabi und Michael Herler Foto: Alexandra Kemnitzer
Der Gartenteich im Garten von Gabi und Michael Herler Foto: Alexandra Kemnitzer
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Wie nützlich Gärten mit Bäumen gerade auch im Sommer sind, zeigte sich beim Tag der offenen Gartentür in Gestungshausen. Trotz hochsommerlicher Temperaturen waren zahlreiche interessierte Besucher zur Eröffnung gekommen, die im naturnahen Garten von Ursula und Konrad Wichert abgehalten wurde. Dank der vielen Bäume und Sträucher konnte jeder, der wollte, ein schattiges Plätzchen erhaschen.

Der Tag der offenen Gartentür wird seit 1998 vom Kreisverband Coburg für Gartenbau und Landespflege abgehalten und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. "Diese Veranstaltung ist zwischenzeitlich bayernweit etabliert. Viele Verbände haben sie für sich entdeckt", führte Kreisfachberater Thomas Neder aus. Aufgrund des 150-jährigen Bestehens des Obst- und Gartenbauvereins Gestungshausen wurde die Veranstaltung heuer im Sonnefelder Gemeindeteil in sieben ganz unterschiedlichen Gärten abgehalten.

Auf vieles kann verzichtet werden

Neder zeigte auf, dass Gartenbesitzer viel zum Umwelt- und Artenschutz beitragen können. Wer beispielsweise Gemüse selbst anbaut, vermeidet lange Transporte, benötigt keine Verpackungen aus Plastik und kann auf Mineraldünger und Pflanzenschutz getrost verzichten. "Die Beratung im Zuge des Klimawandels, des Artensterbens und der Umweltbelastung ist so wichtig wie noch nie", ist sich Thomas Neder sicher. Er dankte dem örtlichen Obst- und Gartenbauverein sowie allen teilnehmenden Gartenbesitzern und überreichte Kräuterkörbe.

Auch Bürgermeister Michael Keilich vertritt die Ansicht, dass in den Gärten vieles für die Natur getan werden könne und sie attraktive Rückzugsmöglichkeiten böten. Als Lifestyle bezeichnete MdL Michael Busch den eigenen Garten. Gerade der Tag der offenen Gartentür biete die Möglichkeit vieles für daheim mitzunehmen. Er selbst outete sich als Steingarten-Gegner. Ihn freut es, dass der Obst- und Gartenbauverein mit seiner aktiven Jugendgruppe über hoffnungswollen Nachwuchs verfügt.

Naschwerk vom Baum

Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gestungshausen, Reiner Kestel, erklärte, dass unterschiedliche Gärten ausgesucht worden seien, über einen Fußweg bestens erreichbar. Nachdem sich die Jugendgruppe "Sockentaler Mistkäfer" mit ihrem Garten ebenfalls beteiligte, führte er aus, dass dem Verein rund 50 Kinder und Jugendliche angehören. Anfänglich bestand der Jugendgarten aus vielen Gemüse- und Kräuterbeeten, in denen regelmäßig das Unkraut gejätet werden musste. Zwischenzeitlich sei der Garten umgestaltet worden und komme nach wie vor sehr gut an. "Wer einen Garten besitzt, der kann getrost aufs Fitness-Center verzichten. Krafttraining und Stretching hat man bei der Gartenarbeit", versicherte Konrad Weichert. Für den Tag der offenen Tür hat er extra die reifen Kirschen nicht gepflückt und lud die Besucher ein, davon zu kosten. Musikalisch umrahmte der überregionale Jugendchor "Vocalholics" die Eröffnung.

Wie sich ein Garten an die Bedürfnisse anpassen kann und eine blühende Oase wird, wurde im Kleinod von Frank und Karolin Faulhaber deutlich. "Direkt am Wohnhaus haben wir einen Ziergarten, der wenig zum Spielen und Toben für unsere beiden Kinder geeignet war", erklärte Karolin Faulhaber. Aus diesem Grund wurde 1995 auf der gegenüberliegenden Seite ein Nutzgarten gekauft, der über viele Obstbäume und eine Wiese verfügte, die dem Nachwuchs ausreichenden Platz bot, sich viel im Freien aufzuhalten. Außerdem befindet sich auf dem Areal ein kleiner Bach, an dem die Kinder oft und gerne spielten. Im Laufe der Jahre wurde der Hang, in dem sich ein Gewölbekeller befindet, mit zahlreichen Blumen gestaltet. Im oberen Bereich befinden sich eine Hütte und verschiedene Rückzugsmöglichkeiten. Der natürliche Bach mit kleinem Brückchen unterstreicht das Idyll. "Heute sind die Kinder groß und unser Garten zu einer grünen Ruhe-Oase geworden. Hier können wir von der Hektik und dem Alltag abschalten", erzählte die Gestungshäuserin weiter. Durch die vielen Zier- und Wildblumen fänden viele fleißige Insekten Nahrung und ideale Lebensbedingungen. Das Wohnhaus ist nach wie vor vom farbenprächtigen Ziergarten umsäumt, der ebenfalls eine wahre Augenweide ist. An der einen Gartenseite wurden Hochbeete angelegt und Kräuter gepflanzt, die der Familie zur Selbstversorgung dienen und zeigen, dass sich stets Möglichkeiten dazu finden.

Anneliese Pechauf aus Gestungshausen sagte: "Für mich ist der Tag der offenen Gartentür eine tolle Veranstaltung, denn dieser Tag bietet die Möglichkeit sich in anderen Gärten umzuschauen. Auch wenn ich im Ort wohne, habe ich diese Gärten so nicht gekannt. Es gibt vieles zu sehen, was einem sonst beim Vorbeifahren oder Spazierengehen gar nicht auffällt oder es von der Straße aus überhaupt nicht sehen kann "

Karlheinz Friedrich aus Neuensorg: "Ich gehöre seit Jahren zu den treuen Besuchern und finde es toll, dass Familien bereit sind, ihre Gärten zu öffnen. Schließlich steckt viel Arbeit dahinter. Für den eigenen Garten bekommt man viele Anregungen und bei einem Gespräch mit den Gartenbesitzern auch den einen oder anderen Tipp zur Pflege oder dem richtigen Standort."

Gisela Metze aus Berlin: "Ich bin in Gestungshausen geboren und wohne seit 1972 in Berlin. Es ist beeindruckend, wie sich die Gärten im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben. Früher gab es eher Nutzgärten mit Obstbäumen und Gemüse. Heute sind es richtige attraktive Gärten, die Gestungshausen noch schöner machen."

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