Neustadt bei Coburg
Antrag

FW Neustadt gegen Glyphosat-Einsatz in der Stadt

Die Fraktion der Freien Wähler im Neustadter Stadtrat möchte per Antrag verhindern, dass Glyphosat auf städtische Flächen kommt.
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Glyphosat ist seit den 70er Jahren als Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung im Einsatz. CT-Archiv
Glyphosat ist seit den 70er Jahren als Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung im Einsatz. CT-Archiv
Die Diskussion um das Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat ist in der Öffentlichkeit abgeebbt. Nun erreicht sie dennoch den Stadtrat in Neustadt. Die Freien Wähler bringen für die Sitzung am 23. April einen Antrag ein, der darauf abzielt, Glyphosat auf stadteigenen Flächen zu verbieten.
Glyphosat kam in den 70er Jahren auf den Markt und wurde rasch zum weltweit am häufigsten eingesetzten Mittel gegen unerwünschte Pflanzen. Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Hinweise, dass die Chemikalie für Menschen und Tiere schädlich sein könnte. Daher sollte die EU-Zulassung für den Glyphosateinsatz in der Landwirtschaft im vergangenen Jahr zunächst nicht verlängert werden. Im November wurde dann doch eine Verlängerung auf weitere fünf Jahre durchgesetzt, der auch der damalige deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt zustimmte. Bei der Abstimmung hatten 18 von 28 Ländern der EU für die Verlängerung gestimmt, neun stimmten dagegen. Es gab eine Enthaltung.


Knappe Entscheidung der EU

Das Abstimmungsergebnis spiegelt unterschiedliche Bewertungen durch verschiedene Institute wider. Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) war 2015 zu dem Ergebnis gekommen, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" für den menschlichen Körper ist. Anders das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa). Sie bewerten Glyphosat als "nicht akut gesundheitsgefährdend".
Ein Fachgremium, an dem untere anderem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beteiligt war, urteilte 2016 Glyphosat sei nicht krebserregend. In der Diskussion vor der Abstimmung in der EU gab es aber Vorwürfe, das US Unternehmen Monsanto, das Glyphosat herstellt, habe beteiligte Forscher für eine positive Bewertung von Glyphosat bezahlt.
Laut einer Studie der Universität Göttingen werden jedes Jahr rund 5000 Tonnen Glyphosat in Deutschland ausgebracht. Damit stelle das Mittel einen Anteil von 30 bis 40 Prozent am Gesamteinsatz von Agrarchemie, was die Bedeutung für die Landwirtschaft unterstreicht. Ausgebracht wird das Mittel vor allem auf Flächen mit Raps, Körnerleguminosen oder Wintergerste. Bewuchs, der landwirtschaftliche Flächen vor Erosion schützen soll, wird beispielsweise ebenfalls mit Glyphosat beseitigt, weil das Pflanzenmaterial nicht grün eingearbeitet werden soll.
Aus diesen Gründen wünschen sich nicht wenige Landwirte eine weitere Zulassung des Mittels. Umweltverbände drängen dagegen auf ein Verbot, weil sie von der Schädlichkeit überzeugt sind.
Größter Einzelverbraucher an Glyphosat in Deutschland ist nach Angaben des Handelsblatt die Bahn, die mit dem Mittel das Gleisbett der Schienentrassen von Bewuchs frei hält. Laut Handelsblatt kommen dabei rund 75 Tonnen im Jahr zum Einsatz.
Bei der Frage nach Alternativen für den Glyphosateinsatz geht die Bewertung ebenso auseinander wie bei der Bewertung des Mittels selbst. Anstelle von Glyphosat können andere Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die allerdings unter Umständen kombiniert werden müssten, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Fachleute sehen darin die Gefahr, dass so ein Mix noch schädlicher wird als Glyphosat - zumindest aber weniger untersucht und bewertet ist. Unerwünschte Pflanzen können auch mechanisch - etwa durch Pflügen - beseitigt werden. Das ist allerdings nicht für jede Fläche möglich und, mit Blick auf die Vermeidung von Erosion auch nicht überall gewünscht.


FW: nicht in der Stadt

Für die Fraktion der Freien Wähler in Neustadt ist es "mittlerweile unbestritten", dass Glyphosat "für unsere Fora, Fauna und nicht zuletzt für den Menschen äußerst schädlich ist". Für die Stadt wird die Agrarchemie zum Thema, weil sie eigene landwirtschaftliche Nutzflächen hat, die an Landwirte verpachtet sind. Außerdem pflegt der Bauhof die städtischen Gartenanlagen. Die FW-Fraktion möchte von der Verwaltung nun zunächst wissen, welche Flächen die Stadt verpachtet hat und ob dort Glyphosat eingesetzt wird, gleiches gilt für Flächen, die der Bauhof pflegt.
Sollte ein Einsatz des Mittels erfolgen, möchten die FW-Politiker erreichen, dass die Stadt in ihren Gartenanlagen darauf verzichtet. Die Stadt soll auf Pächter einwirken, dass sie freiwillig auf Glyphosat verzichten oder den Einsatz den Pächtern verbieten, falls sie es nicht freiwillig weglassen wollen.
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