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Neustadt bei Coburg
Eröffnung

Fußballausstellung in Neustadt bei Coburg: Als Fairness noch die Hauptrolle spielte

Die Ausstellung "Der andere Fußball - 100 Jahre Arbeiterfußball - 125 Jahre Arbeitersport in Deutschland" zeigt eine Reise in die Zeit des Arbeiterfußballs.
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Moderatorin Christine Rebhan in der Talkrunde mit (von links) Oberbürgermeister Frank Rebhan, Vereinshistoriker Robert Schäfer, ASV-Vorsitzendem Philipp Greiner und dem Zweiten Vorsitzenden des TBVfL Neustadt-Wildenheid, Dominik Heike Foto: Manja von Nida
Moderatorin Christine Rebhan in der Talkrunde mit (von links) Oberbürgermeister Frank Rebhan, Vereinshistoriker Robert Schäfer, ASV-Vorsitzendem Philipp Greiner und dem Zweiten Vorsitzenden des TBVfL Neustadt-Wildenheid, Dominik Heike Foto: Manja von Nida
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Der Arbeitersportverein (ASV) Neustadt habe zur sportlichen Entwicklung seiner Heimatstadt einen erheblichen Beitrag geleistet, erklärte Vorsitzender Philipp Greiner am Samstagabend bei der Vernissage der Wanderausstellung in der Kultur.Werk.Stadt.

Der Fußball vereine viele Menschen durch alle Generationen und über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg. Dies sei aber nicht immer so gewesen sei, sagte Moderatorin Christine Rebhan. Im 19. Jahrhundert habe sich auch aus der Arbeiterschaft heraus eine Gegenbewegung zu den damals bürgerlichen Sportvereinen gegründet, die die Arbeiter nicht dabeihaben wollten. Daraus seien später ausgesprochene Arbeiterfußballvereine gegründet worden.

In Neustadt gebe es solch einen Arbeiterfußballverein, den ASV Neustadt, der in Dortmund als kleiner Verein seinen großen Auftritt im Fußballmuseum gehabt habe - eine Sensation! Diese beeindruckende Sonderausstellung startete nämlich letzten Herbst im Dortmunder Fußballmuseum. Auf ihrer Deutschlandtour macht sie bis zum 14. September Station in der bayerischen Puppenstadt.

Eine ganz andere Grundidee

"Wir sind ganz froh und auch ein bisschen stolz, diese Ausstellung jetzt auch in Neustadt präsentieren zu dürfen", sagte ASV-Vorsitzender Greiner. Wenn man heute die Fußballlandschaft betrachtet, erwecke dies den Eindruck, es hätte nie eine andere Organisationsform und Auffassung des Fußballspiels gegeben. Doch es habe diesen anderen Fußball gegeben, bei dem der Fairnessgedanke als Grundidee gedient und die Mannschaft über dem einzelnen Spieler gestanden habe. Da hätten die Akteure nicht für Geld gespielt, sondern für die Verbesserung der Lebensbedingungen ihrer Arbeiterklasse. Und sie hätten sich um einen Fußball bemüht, der sich nach Ende des Ersten Weltkriegs auf europäischer Ebene für Versöhnung mit den sogenannten Erzfeinden eingesetzt habe. Greiner: "All das und noch vieles mehr ist und war der ,andere Fußball‘, der Fußball der Arbeitersportbewegung."

Um diesem bedeutenden Teil deutscher Fußballgeschichte ein Gesicht zu geben, habe der "Paderborner Kreis" diese Ausstellung konzipiert.

Das Vereinshistoriker-Paar Annette und Robert Schäfer beleuchtete die deutsche Sport- und Fußballgeschichte. In einem Impulsvortrag nahm Robert Schäfer die Gäste mit auf eine gedankliche Reise durch die Geschichte des Arbeiterfußballs und des ASV. Der ASV Neustadt sei der älteste Fußballverein des Coburger Landes und der erfolgreichste Arbeitersportverein in ganz Oberfranken gewesen

Fußball sei sicher auch ein Brennpunkt historischer politischer Entwicklungen, wandte sich Moderatorin Rebhan an Oberbürgermeister Frank Rebhan. Natürlich sei auch er manchmal unter den Zuschauern, erklärte der OB. "Ich bin Fußball-Fan und halte den Fußballsport mit seiner Tradition und Vielfalt für das bedeutendste Sportliche in Neustadt, das zahlenmäßig sehr beeindruckt." Es gebe jetzt viele neue Sportarten, und die vielen Vereine seien auch erfreulich, doch die Abwanderung in andere Sportarten "ist gleichzeitig die Schwäche des Neustadter Fußballs".

Die althergebrachten Vereine müssten endlich die Augen öffnen und sich zusammenschließen, meinte Martin Nußpickel, Vorsitzender des Stadtverbands der Sportvereine. Und Spielerwechsel müssten irgendwann ausgebremst werden.

Blick in die Zukunft

In einer Gesprächsrunde wurde auch ein Blick in die Zukunft gewagt. Dominik Heike, Zweiter Vorsitzender des TBVfL Wildenheid, zollte dem ASV Neustadt großen Respekt im Umgang mit Integration und Inklusion, die der ASV lebe, was in Neustadt einmalig sei.

OB Rebhan erklärte, dass er das, was jetzt im Fußball passiert, als obszön empfinde. Auf Dauer werde sich der Fußball in dieser Form selbst abschaffen. Es führe dazu, dass die kleinen Vereine, ohne die es die großen nicht gäbe, kaum eine Chance haben. "Der Fußball ist auf einem ganz gefährlichen Weg", stellte Rebhan fest.

Heutzutage fange die Rivalität nicht erst in oberen Klassen an, wo hohe Beträge gezahlt würden, "das ist schon in den unteren Klassen angekommen", merkte Dominik Heike an.

Für Robert Schäfer sind Spielgemeinschaften keine Dauer-, eher Verlegenheitslösungen und Ausdruck von Ratlosigkeit. "Das zeigt, wie ernst es um viele Vereine bestellt ist. Das sind Alarmzeichen. In Neustadt gibt es nur noch den SV Türk Gücü, der in der Lage ist, selbstständig eine Mannschaft aufzustellen."

Die Sonderausstellung "Der andere Fußball" ist noch bis zum Samstag, 14. September, in der Neustadter Kultur.Werk.Stadt, Bahnhofstraße, Montag bis Freitag ab 8 Uhr zu besichtigen.

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