Seßlach
Baudenkmal

Das Seßlacher Rathaus präsentiert sich als funktionstüchtiges Schmuckstück

Mit vielen Verbesserungen und frischem Look wartet das sanierte Seßlacher Rathaus auf. Auch die umstrittene Fassadenfarbgebung ist Thema bei der Eröffnung.
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Pfarrer Andreas Neeb (rechts) bei seiner Ansprache zur Eröffnung des runderneuerten Seßlacher Rathauses Foto: Bettina Knauth
Pfarrer Andreas Neeb (rechts) bei seiner Ansprache zur Eröffnung des runderneuerten Seßlacher Rathauses Foto: Bettina Knauth
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Mit einer offiziellen Feierstunde beschloss die Stadt Seßlach am Montag die energetische Sanierung ihres Rathauses. Eine erfolgreiche Maßnahme, wie nicht nur Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) betonte. Bauleiterin Anne-Kristin Geller bezeichnete das Ergebnis als "ausgereiftes, sehenswertes und vielleicht auch wegweisendes Projekt". Martin Brandl (Landesamt für Denkmalpflege) schwärmte vom "funkelnden Edelstein in der Krone der Baudenkmäler".

Dass die Mitarbeiter nun keine Styropor-Platten mehr an den Fenstern und keine Heizlüfter mehr an den Füßen brauchen, ermöglichte das "Kommunale Investitionsprogramm" (KIP). Daher galt Neebs erster Dank auch den Fördermittelgebern und der Regierung von Oberfranken für ihre "stets gute und unkomplizierte Unterstützung".

Neben Innendämmung und Heizsystem waren auch Fachwerk, Fassade und Fenster dringend reparaturbedürftig. Mit der Instandsetzung wurde das Rathaus auch barrierefrei: Mit Hilfe des neuen Plattform-Aufzugs können alle Bürger nun Stadtratssitzungen oder Trauungen im Obergeschoss beiwohnen.

Baukosten stiegen

Neeb blickte auf die gesamte Maßnahme seit Einreichen des Förderantrags im Jahr 2016 zurück. Als die Sanierung im Frühjahr 2018 angegangen wurde, lagen die geschätzten Kosten noch bei rund 700 000 Euro. "Wie es allerdings bei denkmalgeschützten Gebäuden oft vorkommt, haben wir eine Baukostensteigerung um rund 160 000 Euro hinnehmen müssen", sagte Neeb. Nur durch die Zuwendung von 630 000 Euro sei die Gesamtmaßnahme möglich gewesen.

In seinen Dank schloss Neeb zunächst das Planer-Team um Klaus Schulz und Markus Uhl (Büro für Städtebau + Freiraumplanung) sowie Bauleiterin Geller (Geller und Bornschlögl) ein. Dann die Mitarbeiter: "Es war sicher nicht immer einfach, auf engstem Raum, geplagt von Staub, Schmutz und Lärm, die alltäglichen Aufgaben zu verrichten", sagte er.

Respekt zollte Neeb auch allen an der Sanierung Beteiligten: Die Arbeiten seien "sauber und ordentlich" erledigt worden.

Mit modernen technischen Standards wurden nicht nur die Bedingungen für die Angestellten der Verwaltung verbessert. Auch die Bürger sollen vom Dienstleistungszentrum profitieren, sie sollen aber auch "die vielen Möglichkeiten nutzen, sich online zu informieren und ihre Anträge zu stellen", wünschte sich der Bürgermeister.

"Möge das Rathaus weiterhin ein Ort der Begegnung und der fruchtbaren Arbeit für unser schönes Stadtgebiet Seßlach sein, und mögen die Menschen, die in diesem Haus arbeiten, mit Mut und Verantwortungsbewusstsein gute Entscheidungen für unsere Bürger treffen", schloss Neeb.

"Ein harter Weg!"

Landrat Sebastian Straubel hob ebenfalls die Sanierung bei laufendem Betrieb hervor.

"Auch der Landkreis hatte einen großen Anteil", betonte Neebs Vorgänger Martin Mittag (CSU), unter dem die Sanierung begonnen hatte. Was dann folgte, "war schon ein harter Weg!", gestand der jetzige Landtagsabgeordnete. Er verhehlte nicht, dass viele intensive Diskussionen geführt und "bis zur Fassadenfarbe" alle Details besprochen worden seien. Dass die mit den Architekten abgestimmte Farbgestaltung nicht jedem Bürger gefiel, darin sah Mittag auch eine Chance: Wer sich mit offenen und kritischen Augen durch die Stadt bewegt, könne sich beim anstehenden ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) engagieren und so Seßlachs Zukunft mitgestalten.

Geschmacksfragen

"Über Geschmack lässt sich nicht streiten" äußerte Mittag, ihm gefalle die Fassade immer noch. Mehr noch: Sie sei ein "Schmuckstück", das im Frühjahr mit Geranienkästen noch aufgewertet werden könne. "Das neue Ungewohnte bedeutet nicht zwangsläufig etwas Schlechtes", verteidigte Mittag die Ton-in-Ton-Lösung. Selbst die rote Tür sagte dem CSU-Mann zu.

"Ein Baudenkmal hat es schwer", meinte Martin Brandl. "Es ist alt, angeblich nicht gut nutzbar und auch nicht veränderbar." Bis auf das Alter stimmten diese Aussagen nicht, wie das Rathaus veranschauliche: Hier passe, "was in einem Neubau selbstverständlich, aber nicht immer gut gelungen ist". Altes und Wertvolles seien zu einem funktionalen Ganzen verbunden worden. Zwar müsse er "von Amts wegen" jedes Denkmal mögen, doch falle ihm dies in Seßlach nicht schwer.

Von Anfang an sei dem Architekten-Team bewusst gewesen, "dass hier etwas Besonderes zu schaffen ist", bestätigte Klaus Schulz. Am besten manifestiere sich das an dem Aufzug, um den allein 16 Monate gerungen worden sei, aber auch an Wandausbau und Heizung. Nach "hartem, aber fairem Ringen" habe die Maßnahme "mit viel Verve und Engagement" unter fachlicher und finanzieller Hilfe der Regierung und einem "tollen Stadtrat" verwirklicht werden können.

"An einem Strang gezogen"

Die von Schulz gelobte Bauleiterin Geller betonte das Miteinander aller Beteiligten, dies habe Nerven und Kosten gespart. Alle hätten an einem Strang gezogen, "auch wenn es nicht ihren Vorstellungen entsprach", sagte die Architektin. Überraschungen negativer Art seien bei einem Baudenkmal "normal".

Pfarrer Andreas Neeb (Gemünda) segnete das wieder in Dienst gestellte Rathaus. "Weniger als auf die Verpackung kommt es darauf an, welcher Geist in den Mauern weht", betonte Neeb, sich auf ein Wort des Apostels Paulus beziehend.

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