Coburg
Auftritt

Fünf Klangzauberer aus Paris beeindrucken in Coburg

Wie das Quatuor Voce mit dem Bandoneonisten Pierre Cussac das Abschlusskonzert dieser Saison beim Coburger Verein hochkarätig gestaltete.
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Das Quator Voce und der Bandoneonist Pierre Cussac (Mitte) beeindruckten in Coburg (von links): Cecile Roubin, Sarah Dayan,  Guillaume Becker und Lydia Shelley.Foto: Jochen Berger
Das Quator Voce und der Bandoneonist Pierre Cussac (Mitte) beeindruckten in Coburg (von links): Cecile Roubin, Sarah Dayan, Guillaume Becker und Lydia Shelley.Foto: Jochen Berger
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Weder Kosten noch Mühen scheint der Verein zu scheuen, um Künstler der Spitzenklasse nach Coburg zu holen, diesmal sogar aus dem fernen Paris. Das Streichquartett Quatuor Voce hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen und gehört inzwischen zu den bedeutendsten Ensembles dieser Gattung.

Das Markenzeichen der drei sympathischen jungen Damen und eines Herren ist neben ihrem perfekten Können und Zusammenspiel die große Bandbreite ihres Repertoires von der Klassik bis zum Jazz. Auch für ihr Coburger Konzert im Foyer der HUK hatten sie eine gemischte Vortragsfolge von Klassik (Impressionismus) und modernem Tango mitgebracht, bei welchem sich der virtuose Bandoneonspieler Pierre Cussac hinzu gesellte.


"Gebet des Toreros"

Das Streichquartett begann mit einer expressiven Komposition des Spaniers Joaquin Turina mit dem Titel "Gebet des Toreros", das erregte und nachdenkliche Stimmungen in typischem spanischem Kolorit widerspiegelt. Schon hier beeindruckte die klangliche Delikatesse und das traumhafte Zusammenspiel des Ensembles.

Hauptwerk des Abends war danach das einzige Streichquartett g-Moll von Claude Debussy, dessen 100. Todesjahr man heuer gedenkt. Eine authentischere Wiedergabe dieses Spitzenwerks kann man sich kaum vorstellen. Es fesselten das durchwegs leidenschaftliche, beseelte Spiel, die delikaten Klangfarben, die breite dynamische Palette von zart gehauchten Klängen bis zu orchestraler Klangfülle im Kopfsatz, das mit duftigen Pizzicati und Ostinati versehene Scherzo, der zart schwebende Zauber des Andantino und das mitreißende, stürmische Finale.

Nach der Pause mussten die Zuhörer stilistisch auf modernen Tango umschalten. Für das auch hier authentische Klangbild sorgte Pierre Cussac mit seiner viereckigen Knopfharmonika, dem Bandoneon, auf dem er zuerst solistisch das fantasieartige, melancholische "Sus ojos cerraron" von Carlos Gardel fingerfertig und gefühlvoll darbot.

Spritzig hatte er das Stück "Don Agustin Bardi" von Horacio Salgan für Cello und Bandoneon arrangiert, die sich in der Melodieführung häufig abwechselten.


"Tango Sensations"

Noch eine Violine kam in dem rhythmisch pikanten "A Orlando Goni" von Alfredo Gobbi hinzu, das Gabriel Sivak wirkungsvoll arrangiert hatte.


Das gewichtigste Werk des zweiten Teils waren die "Tango Sensations" von Astor Piazzolla, dem Schöpfer des Tango nuevo. Das harmonisch wie rhythmisch anspruchsvolle mehrteilige Werk arbeitet mit Geräuschklängen, Tremolo und Glissando, ist vorwiegend meditativ - wobei das Bandoneon improvisationsartige Soli zum Klangteppich der Streicher bringt - enthält aber auch spielfreudige Sätze wie die freie Fuge am Schluss, die wie alles mitreißend musiziert wurde.
Es gab anhaltenden Beifall für die hochkarätigen Künstler aus Paris, die auch ohne Zugabe mehr als ein Soll bei ihrem Auftritt erfüllt hatten.





Karriere- Stationen eines jungen Quartetts


Gründung Seit seiner Gründung im Jahr 2004 hat das Quatuor Voce unter der Anleitung des renommierten Quatuor Ysaye innerhalb weniger Jahre zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen: Genf, Cremona, Wien, Bordeaux, Graz und London und eine Reihe von Einspielungen vorgelegt. Seit dem Frühjahr 2017 ist das Ensemble im Musikleben von Paris zudem mit einer eigenen Konzertreihe vertreten


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