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Coburg

Freier demokratischer Gorilla

Im Wahlkampf greifen die Akteure manchmal zu ungewöhnlichen Maßnahmen. In Coburg sorgt aktuell das Plakat eines Hinterbänklers für Aufsehen. Mit seiner Aktion droht er dem OB-Kandidaten der FDP die Schau zu stehlen.
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Harald Ettel (rechts) und Michael Zimmermann flankieren eines der Gorilla-Wahlplakate in Creidlitz. Foto: Sven Dörr
Harald Ettel (rechts) und Michael Zimmermann flankieren eines der Gorilla-Wahlplakate in Creidlitz. Foto: Sven Dörr

Die ganze Stadt steht aktuell im Zeichen des Wahlkampfs. Von den plakatierten Laternenmasten grinsen uns die Kandidaten für die Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahl entgegen – jeder bemüht, möglichst sympathisch zu wirken.

Im Kontrast hierzu: ein grimmiger Affe, der den Wähler von den Plakaten des Stadtratskandidaten Harald Ettel (FDP) anblickt. "Den Gorilla habe ich gewählt, weil er im Wahlkampf abstrakt wirkt, und meine Partei für abstrakte Werte steht – Freiheit, Mut und Toleranz. Ich wollte mit der Aktion aber natürlich auch auffallen", erklärt der 56-Jährige.

Bedenken scheinbar unbegründet

Für ihn symbolisiere das Tier zudem Stärke, Intelligenz und stehe für eine Machermentalität. "Meine anfängliche Angst, mich mit der Aktion lächerlich zu machen, hat sich nicht bestätigt", teilt er mit.

Der FDP-Kreisvorsitzende Michael Zimmermann, der für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, hatte anfangs auch Bedenken: "Ich sah die Gefahr, dass wir dadurch als Spaßpartei abgestempelt werden. Anfangs hat die Sache jeden erstmal etwas schockiert. Herr Ettel hat uns aber erklärt, wofür der Affe steht und die Resonanz war fast ausnahmslos positiv." Zudem habe eine Absprache im Vorfeld stattgefunden: "Es wurde mitgeteilt, dass eine besondere Aktion geplant ist – Konkretes war allerdings nicht bekannt." Jeweils etwa 300 Plakate haben beide Kandidaten aufgehängt – die von Ettel sind jedoch teilweise wesentlich größer. Beispielhaft sei hier ein überdimensionales Exemplar an einem Backsteingebäude genannt. Das ist von der Frankenbrücke und von der Stadtautobahn gut sichtbar.

In den Schatten gestellt fühle sich der OB-Kandidat durch das Wahlkampfmanöver indes nicht. Er ist von der Qualität seiner eigenen Wahlwerbung überzeugt: "Wir haben auch auffällige Plakate mit einer klaren Botschaft. Als FDP sind wir außerdem tolerant und froh um jedes Parteimitglied, das Aufsehen erregt." Mittlerweile finde er den Gorilla sehr sympathisch und betont, dass sein Parteikollege für liberale Werte stehe.

Der wiederum weist in dem Zusammenhang auf den Wahlspruch seiner Aktion hin: "Wer seine Stadt liebt macht sie besser" sei der offizielle Slogan der Freien Demokraten des Stadtgebiets.

Geringe Erfolgschancen

Die FDP hat aktuell mit Hans-Heinrich Eidt nur einen Vertreter im Stadtrat. Durch Kumulierung der Stimmen besteht die Möglichkeit in der Liste weiter nach vorne gewählt zu werden. So ist der Einzug auch mit einer hinteren Platzierung theoretisch machbar. Mit Platz 19 sind Ettels Chancen auf einen Sitz dennoch überschaubar. Der Kandidat selbst gibt sich jedoch kämpferisch: "Mir ist der Listenplatz völlig egal. Ich will in den Stadtrat."

Ob es in Zukunft ähnliche Kampagnen gibt, lässt er offen. Das Gorillamotiv sei jedoch eine einmalige Aktion gewesen: "Das würde sich sonst abnutzen."

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