Coburg
Hochzeit

Freie Trauung: Gilt der Trend auch für Coburg?

Das evangelische Dekanat Coburg gibt Antworten auf den Trend der freien Trauung und dem Rückgang der kirchlichen Trauungen. Was kirchlich erlaubt ist.
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Der Ringtausch gehört zu einer Hochzeit dazu - egal ob das  Brautpaar eine freie oder eine kirchliche Trauung bevorzugt.Andreas Lander/ dpa
Der Ringtausch gehört zu einer Hochzeit dazu - egal ob das Brautpaar eine freie oder eine kirchliche Trauung bevorzugt.Andreas Lander/ dpa
Ja, wir heiraten - aber wie? Kirchlich oder doch lieber in einer freien Trauung? Diese Frage wird immer häufiger mit "freie Trauung" beantwortet. Das bestätigt Dekan Stefan Kirchberger vom evangelischem Dekanat Coburg.

Dieser Trend rührt laut dem Coburger Dekan Andreas Kleefeld von überhöhten Vorstellungen her: "Die Hochzeit muss einmalig sein." Dazu kommen Klischees aus Filmen - Stichwort "Sissi". Die Zahlen der letzten drei Jahre sprechen eine andere Sprache: 2017 waren es insgesamt 175 Trauungen im evangelischen Dekanat Coburg. 2016 lag die Zahl bei 188 und 2015 bei 177. Also kein negativer Trend erkennbar.

Kirchberger vermutet, dass sich ein Ehepaar sorgen könnte: "Worauf lasse ich mich ein? Im schlimmsten Fall versauen die mir die Hochzeit." Das sei häufig der Fall, wenn man den Pfarrer nicht kenne. Beim Redner einer freien Hochzeit sei sich das Hochzeitspaar sicher, "da bekomme ich das, was ich will, ohne Überraschungen", erklärt Kirchberger.


Gottesdienst ist Pflicht

Kirchberger widerspricht der Vorstellung, dass eine individuelle Trauung nur ohne Kirche möglich sei. "Wir machen individuelle Trauungen und bringen die religiöse Dimension unverzichtbar mit ein", sagt Kirchberger. Dafür gebe es das Traugespräch zwischen dem Paar und dem Pfarrer.

Eine gänzlich individuelle Trauung ist in einer Kirche dennoch nicht machbar. "Eine kirchliche Trauung ist nicht möglich, wenn der Gottesdienstcharakter in Frage gestellt wird", sagt Kleefeld. Dazu zählten etwa Hochzeiten zu zweit, beispielsweise eine Trauung in einem Heißluftballon. "Die Gemeinschaft, die einen Gottesdienst ausmacht, fehlt dabei."

Außerdem müsse das "Vater-Unser" gebetet werden, die Fürbitten dürfen keine reinen Wünsche ohne Gottbezug sein, und biblische Worte müssen in einer kirchlichen Trauung gelesen werden, sagt Kleefeld. Dazu komme die Liedauswahl. "Es dürfen nicht ausschließlich weltliche Stücke ausgesucht werden", erklärt Kleefeld. "Wenn das alles fehlt, braucht es die Kirche bei einer Trauung ja nicht."

Ein weiteres wichtiges Merkmal sei das Singen in einem Gottesdienst. "Ich höre häufig: Bei uns singt niemand", ergänzt Kirchberger. Viele Paare meinen, keine Kirchenlieder mehr zu kennen. Dann stimmt der Dekan ein paar bekannte Lieder an, und das Hochzeitspaar erinnert sich wieder.

Dieses Phänomen kennt auch sein katholischer Kollege, Dekan Robert Huth: "Viele Familien kommen ohne religiösen Background zu uns, so dass man erst Brücken bauen muss." Dazu seien die individuellen Gespräche mit den Pfarrern hilfreich. Gemeinsam mit dem Brautpaar werde so die Hochzeit gestaltet.

"Wir wirken kompliziert in der Kontaktaufnahme", gibt Kirchberger zu. Er erinnert sich an ein Paar, das im Pavillon des Coburger Hofgartens heiraten wollte. Als er eine Ortsbesichtigung mit den beiden vorschlug, waren sie verdutzt. "Ja, das Paar wusste genau was es wollte, aber ich war neu in Coburg und wollte mich orientieren", erinnert sich Kirchberger.


Hochzeit im Freien

Es gibt in der evangelischen Kirche grundsätzlich kein Verbot für eine Trauung im Freien. "Das liegt vielmehr am Praktischen", erklärt Kirchberger. Altar, Lautsprecher und Atmosphäre sind in einer Kirche schon da. Im Freien müssten sie erst auf- und hergestellt werden, was nicht überall möglich sei. Außerdem muss bedacht werden: "Selbst die schönste Gartenparty geht schief, wenn es regnet", sagt Kirchberger.

Huth ergänzt allerdings: "Eine Trauung im Freien ist bei der katholischen Kirche nicht möglich." Denn die Ehe sei ein Sakrament, welches ausschließlich in einem sakralen Raum gegeben werden könne. "Ich habe aber noch nie erlebt, dass ein Paar wieder gegangen ist." Dennoch bemerken die drei Dekane, dass die Zahl der Trauungen zurückgeht. Dabei erkennt Kleefeld, dass es ein Gefälle zwischen der Stadt und dem Landkreis gibt. "In ländlichen Gegenden gibt es mehr Hochzeiten", erklärt er. Generell "gibt es viele Menschen, aber in der Kirche sind, die nicht mehr kirchlich heiraten", führt er fort.

Kleefeld sieht jedoch, dass sich durchaus Menschen bewusst für eine kirchliche Trauung entscheiden: "Es gibt noch Menschen, die weite Wege für eine kirchliche Trauung gehen. Sie haben ihre Wurzeln in Coburg und kommen aus München oder Schweinfurt."

Vermehrt werden Ehen zwischen Partnern geschlossen, die verschiedenen Religionen angehören. Dabei ist es gleichgültig, ob der Partner Buddhist, Moslem oder Jude ist. Kleefeld ergänzt, dass eine solche Hochzeit aus Sicht der Kirche nur möglich ist, wenn sich der Partner auf die christliche Religion einlasse.

Kirchberger erläutert, dass es sich dabei begrifflich um keine Trauung handle, da beispielsweise das Glaubensbekenntnis der Religionen verschieden sei. "Das ist ein Gottesdienst anlässlich der Eheschließung." Dennoch werden diese Hochzeiten immer populärer: von acht Eheschließungen im Jahr 2015 sind sie auf 27 im Jahr 2017 angestiegen.

Das zeigt, dass eine individuelle Eheschließung in einer Kirche möglich sei. Kleefeld: "Wer die Ehe mit einem Gottesdienst beginnen will, der ist bei uns an der richtigen Stelle. Wer sich dafür nicht interessiert, meldet sich erst gar nicht bei uns."


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