Coburg
Analyse

Frauenliste stark in Sonnefeld

Die FDP erlebte auch im Stimmkreis Coburg reihenweise Enttäuschungen. Susann Biedefeld (SPD) lieferte sich mit Jürgen W. Heike (CSU) viele spannende Kopf-an-Kopf-Rennen. Hans-Joachim Lieb räumt in den FW-Hochburgen ab.
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Dem schlechten Wetter zum Trotz: Dieser Wähler war gestern mit dem Rad - und deshalb in Sportkleidung - zum Wahllokal gekommen. Foto: Oliver Schmidt
Dem schlechten Wetter zum Trotz: Dieser Wähler war gestern mit dem Rad - und deshalb in Sportkleidung - zum Wahllokal gekommen. Foto: Oliver Schmidt
Der Coburger Stadtteil Wüstenahorn gilt als klassische Hochburg der SPD. In der Regel können die Genossen hier bei jeder Wahl - egal, ob Kommunal-, Bundestag- oder Landtag - Ergebnisse von über 60 Prozent einfahren. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren gab es in Wüstenahorn jedoch ein Problem: Die Wahlbeteiligung lag im zentralen Wahllokal, dem "Haus der Jugend" in der Karl-Türk-Straße, bei erschreckend niedrigen 19,3 Prozent. Sprich: Viele SPD-Stammwähler waren zu Hause geblieben.


Wahlkampf-Schwerpunkt
Damit sich das nicht wiederholt, galt eine besondere Aufmerksamkeit der SPD im Schlussspurt des Landtagswahlkampfs eben jenem Wüstenahorn. Am vergangenen Freitag postierten sich dort für mehrere Stunden die politischen Schwergewichte Norbert Tessmer, Frank Rebhan und Thomas Nowak an einem Infostand.

Die Hoffnung, auf diese Weise möglichst viele der in Wüstenahorn wohnenden SPD-Sympathisanten zum Wählen zu animieren, hat sich allerdings nur bedingt erfüllt: Die Wahlbeteiligung in den Wüstenahorner Wahllokalen - diesmal im Gasthaus "Zur Einkehr" - kletterte gerade mal in die Gegend von 30 Prozent. Und obwohl die SPD konsequent vorne lag, musste sie viele Stimmen auch an die Linke abgeben (8,3 Prozent der Zweitstimmen im Wahllokal "Zur Einkehr 2").

Auch insgesamt im Stimmkreis Coburg lag die Wahlbeteiligung diesmal mit 61,51 Prozent etwas höher als noch vor fünf Jahren (55,4).

Was fiel sonst noch ins Auge beim Blick in die einzelnen Wahllokale? Nun, Heike lag in den meisten vorne - musste aber auch in vielen deutlich Federn lassen. In seiner Heimatstadt Neustadt verbuchte er zwar mit 49,8 Prozent erwartungsgemäß sein bestes Ergebnis - doch vor fünf Jahren war er noch auf 54,8 Prozent gekommen.

Auch nicht ganz überraschend, dass dort, wo Freie Wähler als Bürgermeister im Amt sind, die Freien Wähler auch jetzt bei der Landtagswahl sehr gut abgeschnitten - allen voran in Seßlach und Weitramsdorf. Sehr respektabel auch das Erststimmenergebnis von Hans-Joachim Lieb in dessen Heimatstadt Rödental: Mit 24 Prozent landete er da sogar noch vor Susann Biedefeld.


Patt auf der Hut
Susann Biedefeld wiederum lieferte sich ein besonders spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Jürgen W. Heike in den drei Wahllokalen in der Melchior-Franck-Schule auf der Hut in Coburg: In einem Wahllokal gewann knapp die SPD-Frau, in einem lag der CSU-Mann vorne - und im dritten erreichten die beiden exakt dieselbe Anzahl der Stimmen.

Der Grüne Bernd Lauterbach war besonders stark im Coburger Osten - also dort, wo sein Parteifreund und Försterkollege Wolfgang Weiß beheimatet ist.

In Neu- und Neershof schaffte Lauterbach gar 23,4 Prozent. Weil das in absoluten Zahlen in dem kleinen Stadtteil aber nur 22 Stimmen waren, konnte das freilich das Gesamtergebnis kaum beschönigen. Zu schwach schnitt der Grüne mit 6,1 Prozent in seiner Heimat Rödental ab. Nur 4,6 Prozent holte er in Neustadt. Das ist aber kein Vergleich zum Desaster, das FDP-Nachwuchshoffnung Jens-Uwe Peter in Neustadt erlebte: 1,1 Prozent - schlechter waren nur die Kandidaten von Republikanern und Bayernpartei.


Frankenpartei überrascht
Ein erstaunliches Ergebnis gab es aus Sonnefeld zu vermelden: Mit 2,9 Prozent landete bei den Zweitstimmen die Frauenliste sogar noch vor der FDP. Durchweg respektable Ergebnisse erzielte die Partei "Die Franken", in Großheirath etwa mit über zwei Prozent. Als "Hochburg" der Piraten erwies sich in Coburg vor allem das Wahllokal in der Rückertschule (6,1/5,75).

Ergebnisse der Direktkandidaten und Parteien in den fränkischen Stimmkreisen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Direktkandidaten finden Sie auf dieser Seite.

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