Dreimal soll er sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, dann gewaltsam zum Sex gezwungen und sie anschließend zum Selbstmord in ihr Badezimmer geschickt haben.

Den Psychoterror ihres Ehemannes überlebte die Frau anscheinend lediglich deshalb, weil sie im Januar dieses Jahres aus dem Badezimmerfenster ihrer Wohnung kletterte und über ein schneebedecktes Vordach flüchtete. Die mit nur einem T-Shirt bekleidete Frau rutschte aus einer Höhe von rund drei Metern auf die Straße und erlitt dabei schwere Verletzungen an der Wirbelsäule. Neben den Brustwirbelbrüchen und den zertrümmerten Lendenwirbeln erlitt die Frau zudem eine starke Beckenprellung, durch die Schläge mit der Faust und einer Taschenlampe Hämatome und Prellungen an Kopf und Oberschenkel.

Staatsanwältin Jana Huber erhob Anklage wegen versuchten Totschlags, schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Sie sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt, seine Frau mit einer Schere und mit einer fast 30 Zentimeter langen und ein halbes Kilogramm schweren Taschenlampe bedrohte und mehrfach zu sexuellen Handlungen zwang. Er soll sie an den Haaren gerissen, mit der Faust auf Gesicht und Ohr geschlagen, mit der Lampe malträtiert und anschließend einen Stock tiefer ins Bad geschickt haben, nachdem er alle Ausgänge verriegelt hatte. Dort sollte seine Ehefrau mit einem Fön in der Badewanne Selbstmord begehen. Während der Tat habe der 32-Jährige sein Opfer außerdem verbal mit dem Tod bedroht.

Der Angeklagte gab die Tat weitgehend zu, berief sich aber auf Erinnerungslücken. Seit seinem 14. Lebensjahr habe er Drogen konsumiert, sagte er. Anfangs Marihuana und Dope, später Ecstasy, Crystal und Speed. Nach einer Drogentherapie im August 2012 sei er aufgrund von Arbeitslosigkeit und des falschen Freundeskreises erneut rückfällig geworden. Er habe täglich zwei bis drei Gramm Crystal sowie Bier und Schnaps konsumiert. Immer wieder habe er deshalb auch seine Arbeit verloren.

Im Oktober 2016 war der Mann wegen einer Überdosis, die mit Herz-Rhythmus-Störungen und Paranoia einherging, im Krankenhaus. "Ich hatte da fünf Tage lang insgesamt zwölf Gramm Crystal", sagte er.

Mit seiner Ehefrau, die ebenfalls Drogen nehme, habe er am Tattag gemeinsam Crystal konsumiert. Zudem habe er sechs bis acht Bier und eine 0,7-Liter-Flasche Schnaps getrunken. Als er einen Anruf erhielt und erfuhr, dass die 29-Jährige, mit der er zusammen zwei Kinder hat, ihn betrogen haben soll, sei er ausgerastet. "Ich gehe davon aus, dass das, was in der Anklageschrift steht, wahrscheinlich zutreffend ist", erklärte er, "genau kann ich es nicht sagen." Es sei kein Kavaliersdelikt, was da passiert sei, sagte er, seine Frau habe er aber nicht töten wollen. Die Tat räume er allerdings ein: "Ich stehe dazu."
Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, hielt dem 32-Jährigen Aussagen der Ermittlungsbehörden vor. Demnach soll der Angeklagte auch seine Kinder bedroht und sich erkundigt haben, wo er Kindersärge herbekommt und was diese kosten würden. Das bestätigte auch die Ehefrau, die vor Gericht aussagte und zwei Personen nannte, die das angeblich gehört haben sollen.
Ihr Mann sei schon des Öfteren gewalttätig geworden, erklärte die Zeugin unter Tränen. Dazu hätten sexuelle Gewalt und auch Psychoterror gehört oder der Angeklagte habe sie in der Gegend herumgeschubst. Ihren Kopf habe er auch schon mal gegen die Wand geschlagen, gab sie zu. So heftig wie es am Tatabend eskaliert sei, sei es allerdings nie gewesen. Sie habe ihren Mann gar nicht mehr wiedererkannt: "Er war auf 180 und für mich gar nicht mehr erreichbar."
Die Verhandlung wird am Freitag, 6. Oktober, fortgesetzt.