Neustadt bei Coburg
Tag der Franken

Frankens Flagge flattert über Sonneberg

Franken geht weit über Bayern hinaus - das werden die Besucher beim "Tag der Franken" 2019 in Neustadt bei Coburg und Sonneberg erleben.
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Sie halten Frankens Fahne hoch: Martin Stingl, Elke Protzmann, Heiko Voigt, Frank Rebhan, Günter Dippold und Günther Denzler (von links) freuen sich darauf, dass der "Tag der Franken" in drei Jahren in Neustadt und Sonneberg stattfinden wird. Foto: Berthold Köhler
Sie halten Frankens Fahne hoch: Martin Stingl, Elke Protzmann, Heiko Voigt, Frank Rebhan, Günter Dippold und Günther Denzler (von links) freuen sich darauf, dass der "Tag der Franken" in drei Jahren in Neustadt und Sonneberg stattfinden wird. Foto: Berthold Köhler
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Da werden Thüringer Traditionalisten aber große Augen gemacht haben. Vor dem Sonneberger Rathaus flatterte am Donnerstag die Frankenfahne im Sommerwind. Einen Tag lang, als Zeichen der Freude. Schließlich ist es hochoffiziell: Neustadt und Sonneberg werden 2019 gemeinsame Ausrichter der Abschlussveranstaltung beim "Tag der Franken". Das hat Bezirkstagspräsident Günther Denzler bei einer Pressekonferenz in der "kultur.werk.stadt" bekannt gegeben.


Nichts für separatistische Spinner

Als die gemeinsame Bewerbung der beiden Nachbarstädte bei ihm aufschlug, habe er schon "kurz nachdenken müssen", räumte Denzler gestern offen ein. Die Frage, wie denn Staatskanzlei in München auf einen "Tag der Franken" mit Thüringer Beteiligung reagieren werde, habe er sich erst mal durch den Kopf gehen lassen, erzählte Denzler. Aber nicht nur in München war die Bewerbung von Neustadt/Sonneberg ein Thema, berichtete Sonnebergs Bürgermeister, Heiko Voigt (parteilos). Er habe relativ schnell nach Bekanntwerden der Pläne einen Anruf aus der Erfurter Staatskanzlei bekommen - mit einer klaren Ansage: "Der Ministerpräsident und sein Stab sind der Meinung, dass eine länderübergreifende Zusammenarbeit bei dieser Veranstaltung eine gute Sache ist."
Dass vor den Rathäusern in Sonneberg und Neustadt zur Feier des Tages fränkische Fahnen hingen, könne man freilich auch "ein bisschen", räumte Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) ein, als Zündelei verstehen. Aber so sei die Aktion nicht gedacht, betonten alle Beteiligten. Aber es sei nun einmal so, ergänzte Rebhan: "Franken geht weit über den Teil hinaus, der zu Bayern gehört." Das treffe übrigens nicht nur auf Thüringer Gemeinden südlich des Rennsteigs zu, wusste der OB und verwies auf Heilbronn. Das liege zwar in Baden-Württemberg, verstehe sich aber eher Fränkisch.
Dennoch: Der "Tag der Franken", der 2006 vom bayerischen Landtag ins Leben gerufen wurde, soll kein Quell fränkischer Revolutionsgedanken sein. Darauf wies Bezirksheimatpfleger Günter Dippold - seit jeher treibende Kraft der oberfränkischen Veranstaltungen beim "Tag der Franken" - ausdrücklich hin. Ja, man könne als Franke auch gut in einem Freistaat leben, der nicht Franken heiße. "Für separatistische Spinnereien", stellte Dippold klar, "ist diese Veranstaltung auf jeden Fall der falsche Platz".


Grenzen, die nicht trennen

Auf erste konkrete Ankündigungen, wie das Fest gefeiert werden soll, ließ sich Frank Rebhan erst gar nicht ein. "Ich habe jetzt noch keine Ahnung", sagte der Oberbürgermeister auf die Frage nach der Ausgestaltung. Klar sei lediglich, dass es im Juli 2019 eine "Veranstaltung beider Städte auf Augenhöhe" geben werde. In bisschen was ist indes schon klar, ließ Günther Denzler durchblicken. Oberfranken werde es auf jeden Fall nicht mit einer zentralen Veranstaltung bewenden lassen, sondern bevorzuge einen dezentralen Ansatz. So wie im vergangenen Jahr, als über 70 Kommunen entsprechend dem Motto "Patente Franken - fränkische Patente" über 100 Veranstaltungen auf die Beine stellten. Die daraus resultierende Wanderausstellung sei inzwischen in ganz Bayern gefragt.
In welche Richtung das Motto gehen könnte, deuteten Denzler und Dippold an. Im 30. Jahr nach der Grenzöffnung dränge sich 2019 das Thema der (fränkischen) Grenzen geradezu auf. "Grenzen trennen nicht mehr, sie sind zu Berührungsräumen geworden", sagte der Bezirksheimatpfleger. Dippold erlaubte sich dann sogar die einzige politische Aussage der gestrigen Pressekonferenz, in dem er zu den gemeinsamen Bestrebungen von Neustadt und Sonneberg sagte: "Grenzen sollten auch Projekte wie Oberzentren nicht trennen."
Den Zuschlag für die zentrale Feier zum "Tag der Franken" erhielten Neustadt und Sonneberg nach Angaben von Günther Denzler durch einen einstimmigen Beschluss des Bezirkstages. Einen Mitbewerber hatte die gemeinsame Bewerbung, doch nach "einvernehmlichen Gesprächen", versicherte der Bezirkstagspräsident, sei es schnell auf Neustadt/Sonneberg als Wunschlösung hinaus gelaufen. Eine Kampfabstimmung sei nie im Raum gestanden. Dass die Stadt Neustadt sich damit nach dem diesjährigen Neustadt-Treffen erneut eine Großveranstaltung ins Haus holt, ist dem städtischen Kulturamt rund um "Chef-Organisator" Martin Stingl klar. Mehr noch: Der "Tag der Franken", betonte Frank Rebhan, sei nur in Kooperation mit Sonneberg zu stemmen. Deshalb habe es auch "nie einen Gedanken" daran geben, dass sich Neustadt im Alleingang bewerben würde.


Der "Tag der Franken" in Oberfranken

Hintergrund: In Oberfranken fand die zentrale Festveranstaltung bisher in Bamberg (2007), Kulmbach (2010), Bayreuth (2013) und zuletzt in Hof (2016) statt. 2013 wurden nach einem dezentralen Ansatz erstmals alle Kommunen in ganz Franken dazu aufgerufen, sich am "Tag der Franken" zu beteiligen. Aufgrund der großen Resonanz wurde auch im vergangenen Jahr an diesem Konzept festgehalten. Die zentrale Festveranstaltung, zumeist unter Beteiligung des bayerischen Ministerpräsidenten, bildet nach dem oberfränkischen Modell den Abschluss einer ganzen fränkischen Festwoche.

Termin: Weil am 2. Juli 1500 beim Reichstag zu Augsburg der Fränkische Reichskreis gegründet wurde, findet jedes Jahr am ersten Sonntag nach diesem Datum der "Tag der Franken" statt. Im Jahr 2019 ist dies der Sonntag, 7. Juli.


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