Wenn Wände sprechen könnten, dann hätten sie sicherlich spannende Geschichten auf Lager: Sie haben die skurrilsten Situationen erlebt, Generationen aufwachsen sehen und kennen das ein oder andere Geheimnis, das hinter verschlossenen Türen besprochen wurde. Welche Geschichten fränkische Wände wohl erzählen könnten, wollten der Iatros-Verlag und die Coburger Autorengruppe Schreibsand wissen. Für die Anthologie "Fränkisch - Wenn Wände reden könnten" suchten sie Kurzgeschichten, in denen die Autoren das Sprechen für die Wände übernommen haben. Insgesamt 18 Einsendungen haben es in die Sammlung geschafft - und die fünf besten gelangten in die Endrunde des Zweiten Fränkischen Kurzgeschichtenpreises, der am Samstagnachmittag in Gestungshausen verliehen wurde.

In die Endrunde hat es auch "Das fünfte Gebot" Heinz Fuchs aus Sonnefeld geschafft. Der pensionierte Arzt lässt in dieser Geschichte eine ganz besondere Wand zu Wort kommen: Die Trennwand in einem der Beichtstühle in Vierzehnheiligen. Die erzählt von dem Tag, als er die außergewöhnliche Beichte der achtjährigen Emmilie mitangehört hat. "Eigentlich habe ich schon immer gern geschrieben, aber mir hat früher einfach die Zeit gefehlt", erklärt Heinz Fuchs. Da er seine Praxis an seinen Sohn übergeben habe, könne er das nun nachholen. "Die deutsche Sprache ist unglaublich schön - und es macht mir Spaß, mit ihr Bilder zu malen", erzählt er. Im vergangenen Jahr sei das erste Mal eine seiner Geschichten in der Anthologie zum Ersten Fränkischen Kurzgeschichtenpreis veröffentlicht worden, danach folgte sein erstes Buch.


In einem Beichtstuhl gibt es sehr emotionale Gespräche

Die Idee zu "Das fünfte Gebot" sei relativ schnell entstanden, nachdem er den Titel der Ausschreibung gelesen hatte. "In einem Beichtstuhl finden sehr emotionale Gespräche statt - da hat sich das perfekt angeboten", erklärt er. Und auch die Protagonistin hatte er rasch entwickelt: "Ich fand die Vorstellung interessant, dass die Trennwand eine Kinderbeichte erzählt, und da ich Enkel habe, die in etwa in demselben Alter sind, da konnte ich mich recht leicht in die Gedankenwelt von Emmelie hineinversetzen und ihr Verhalten gut einschätzen." Von der ersten Idee bis zur fertigen Geschichte seien zehn Tage vergangen. "Mit inbegriffen ist natürlich auch ein Besuch von Vierzehnheiligen, damit ich meine Beschreibungen noch authentischer machen konnte", sagt Heinz Fuchs.

Aber auch Autoren, die nicht ursprünglich aus Franken kommen, konnten ihre Geschichten einsenden. Eine von ihnen ist Petra Weise. Sie wohnt eigentlich in Chemnitz, aber fühlt sich mit Franken sehr verbunden. "Jedes Jahr mache ich mit meinem Mann Urlaub in Franken", erzählt sie. Auf die Region sei sie durch eine Fernsehreportrage aufmerksam geworden. "Da hieß es, dass Franken eine Genussregion sei und da dachten wir: Das ist genau das Richtige für uns", erklärt sie. Und nun verschlage es sie immer wieder in die Region, wobei es ihr die Fränkische Schweiz besonders angetan habe. "Es sieht fast so aus wie bei uns im Erzgebirge - aber die Landschaft hat mehr offene Flächen und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, nach der Wanderung einzukehren", erzählt sie. Und so komme schließlich auch der Genuss bei ihren Reisen nach Franken nicht zu kurz: "Wir mögen besonders diese Gaststätten mit eigener Brauerei - da gibt es immer so richtig gutes Bier." Und an eben diese Gaststätten habe sie sofort denken müssen, als sie von der Ausschreibung gelesen hatte. "Diese Gasthäuser haben die verschiedensten Besucher aus ganz Deutschland gesehen, jeder mit seiner Lebensgeschichte und Eigenart. Das wollte ich unbedingt niederschreiben", erzählt sie.


Die Gewinnerin hat ihre Geschichten aus dem Wirtshaus

Den Zweiten Fränkischen Kurzgeschichtenpreis hat schließlich Margit Begiebing für "Unser Werdshaus" gewonnen. Die Geschichte in fränkischer Mundart schaffte es schlussendlich, sowohl die Autorengruppe Schreibsand um Autorin Heidi Fischer, die die Vorauswahl getroffen hatte, als auch die Besucher zu begeistern. Die Autorin hatte für ihre Einsendung eine ganz besondere Inspiration. "Das Wirtshaussterben ist ja in aller Munde und nun hatte es auch das Wirtshaus in unserem Dorf getroffen", erzählt sie. Über 100 Jahre lang sei dort die Dorfgemeinschaft zusammengekommen und nun werde es abgerissen. "Da wollte ich es zumindest in meiner Geschichte verewigen", erklärt sie.

"Schade ist nur, dass wir dieses Jahr von den Räumlichkeiten her spontan umplanen mussten - da sind uns einige Autoren abgesprungen, die ebenfalls vorbeischauen wollten und das hat sicher auch Besucher abgeschreckt", erzählt Awad Eckstein vom Iatros-Verlag. Dennoch sei er erleichtert, dass sie kurzfristig mit dem Sportheim in Gestungshausen eine Ausweichmöglichkeit gefunden hatten: "Das ging richtig schnell und unbürokratisch."