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Fotografie im Wandel: Geschäft in Coburg muss schließen

Der digitale Wandel hat auch die Foto-Branche völlig verändert. Wenn Peter Niemzick jetzt daraus die Konsequenzen zieht und sein Geschäft schließt, verschwindet auch ein letztes Stückchen der Geschichte vom ehemaligen Weka-Kaufhaus.
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Selbst mit Negativstreifen hat Peter Niemzick in seinem Foto-Shop in der Webergasse gelegentlich noch zu tun. Doch weil sich das Fotografierverhalten der Menschen ganz grundsätzlich sehr gewandelt hat, muss er sein Geschäft nun schließen.Foto: Oliver Schmidt
Selbst mit Negativstreifen hat Peter Niemzick in seinem Foto-Shop in der Webergasse gelegentlich noch zu tun. Doch weil sich das Fotografierverhalten der Menschen ganz grundsätzlich sehr gewandelt hat, muss er sein Geschäft nun schließen.Foto: Oliver Schmidt
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Bitte lächeln! Ach, das ist in diesem Fall leichter gesagt als getan. "Vor und hinter der Kamera bin ich nicht so gut", sagt Peter Niemzick. Seine Stärke liegt eher genau dazwischen: im Entwickeln von Fotos. Seit fast 25 Jahren war das seine tägliche Arbeit - erst unter dem Dach des ehemaligen Kaufhauses Weka in der Spitalgasse, seit Ende 2009 in einem separaten Laden in der Webergasse. Doch jetzt ist Schluss. Die Fotobranche hat sich zu sehr verändert, als dass sich das Geschäft heute noch für ihn lohnen würde. Im Gespräch ist Peter Niemzick anzumerken, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist. Aber: "Man muss Realist sein." Sagt's, und schafft fürs Zeitungsfoto zumindest ein zaghaftes Lächeln.

"Eine geniale Idee!"

Rückblende: 1995 hat der Fotografenmeister Uwe Mannshardt den richtigen Riecher. Er expandiert und eröffnet zusätzlich zu seinem Fotoladen in der Badergasse noch eine Filiale im Weka-Kaufhaus. "Das war eine geniale Idee, denn wir hatten dort sehr viel Laufkundschaft", erinnert sich Peter Niemzick, der damals von Uwe Mannshardt eingestellt wurde und fortan Filme entwickelte und Fotos auf Papier anfertigte. Speziell rund um die Hauptreisezeiten an Pfingsten und im Sommer herrschte Hochkonjunktur: Anders als heute, wo jeder gleich nach dem Drücken des Auslösers sehen kann, ob der Schnappschuss mit der Digitalkamera gelungen ist, warteten die Menschen ungeduldig darauf, die Fotos als bleibende Urlaubserinnerung in Händen zu halten. "Es gab Tage, da wurden mehr als 200 Filme zu uns gebracht!"

Der Fotobranche sollte es noch eine ganze Zeit lang richtig gut gehen. Uwe Mannshardt war es allerdings nicht vergönnt, das noch mitzuerleben: Er starb 1998. Der nächste tiefe Einschnitt folgte Ende 2009, als das Weka-Kaufhaus geschlossen wurde. Doch Uwe Mannshardts Witwe Rosemarie hatte vorausschauend geplant und zog mit dem Foto-Shop (und mit Peter Niemzick) in die Webergasse 29. "Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht", erzählt Peter Niemzick, "denn plötzlich hatten wir keine Laufkundschaft mehr." Hinzu kam, dass immer mehr Drogeriemärkte mit Selbstbedienungsautomaten lockten, an denen sich jedermann selbst seine Fotos im Handumdrehen ausdrucken kann. An dieser Stelle weist Peter Niemzick aber auf den Unterschied hin: "Bei mir werden Bilder nicht ausgedruckt, sondern entwickelt!" Zur Verdeutlichung: Bei besagten Selbstbedienungsautomaten handelt es sich meistens um Tintenstrahl- oder Thermosublimationsdrucker, die die Fotos im Sekundentakt ausspucken können. Bei Peter Niemzick hingegen ist alles noch traditionelle Handarbeit: Die Entwicklung der Fotos erfolgt in einem Mini-Labor, das mit der guten alten Dunkelkammer vergleichbar ist.Der größere Aufwand ist natürlich auch mit einem höheren Preis verbunden - aber auch mit einer höheren Qualität. Bemerkbar macht sich das laut Niemzick nicht nur an den Farben, sondern vor allem an der Haltbarkeit: Ein ordentlich entwickeltes Bild verblasst nicht. "Aber das ist immer mehr Menschen leider egal", seufzt Peter Niemzick.

Doch zurück zur Geschichte des Fotoshops in der Webergasse: 2011 orientierte sich Rosemarie Mannshardt neu und Peter Niemzick übernahm das Geschäft. Das erste Jahr lief noch sehr gut, wie er sagt - "aber dann wurde es immer schlechter." Das lag und liegt seiner Meinung nach aber nicht nur an der Billig-Konkurrenz, sondern ganz grundsätzlich an einem völlig veränderten Fotografierverhalten: "Seit die Kameras in Handys oft viel besser sind als herkömmliche Kompaktkameras, werden zwar täglich Millionen Fotos geknipst - aber immer weniger davon werden entwickelt." Vielen Menschen würde es offenbar reichen, die Erinnerungen auf dem Handy oder dem PC gespeichert zu wissen. Und falls sich dann doch mal ein Nostalgiker aufrafft, ein Album zu erstellen, geht der Trend zum digital erstellten Fotobuch. So sinkt seit Jahren zudem auch noch der Verkauf von Fotoalben bei Peter Niemzick. Und was Bilderrahmen betrifft, so ist ihm aus Baumärkten und Supermärkten eine weitere Konkurrenz erwachsen - die für viele Menschen auch leichter erreichbar sind als die Webergasse.

Räumungsverkauf beginnt

Trotz aller Wehmut blickt Peter Niemzick aber dankbar auf die vergangenen 24 Jahre zurück. "Ich schätze mal, dass ich so ungefähr 3,5 Millionen Fotos entwickelt haben dürfte!" Und er fügt schmunzelnd hinzu: "Es dürfte kein Land auf der Welt geben, dass ich nicht schon auf einem Foto gesehen habe!"

Doch mit dieser "täglichen Weltreise in Fotos" ist es nun bald vorbei. Ende August wird Peter Niemzick sein Geschäft schließen. Bereits am Donnerstag, 1. August,beginnt der Räumungsverkauf - Rabatte gibt es unter anderem auf alle Alben und Rahmen, allerdings nicht auf Fotoarbeiten.

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