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Coburg
Schließung

Foto-Tour durch den Coburger Schlachthof

Der Betrieb im Coburger Schlachthof ruht, vermutlich für immer. Gelegenheit für eine Besichtigung.
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Fotos: Simone Bastian
Fotos: Simone Bastian
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Der Weg allen Fleisches beginnt ganz hinten, vom Hof aus betrachtet. Vorne endet er in den Kühlräumen, hinten gehen die Tiere ins Schlachthaus hinein. Sie laufen tatsächlich auf ihren vier Beinen auf ihren Tod zu. Sie liefen, besser gesagt: Seit 22. Juni ist im Coburger Schlachthof kein Schwein, kein Rind mehr getötet worden.

Es geht schnell. Mit Elektroschock betäubt, fallen die Schweine auf ein Karussell, werden abgestochen, bluten aus, werden in die Brühmaschine gehievt, wo ihnen die Borsten ausgezogen werden. Dann hoch an den Haken, zerteilen, Innereien raus, Fleischbeschau. Am Ende schiebt das Band von jedem Schwein zwei Hälften ohne Hufe und Kopf in den Kühlraum. Zehn Minuten dauert die Prozedur ungefähr, 100 Schweine können pro Stunde geschlachtet werden. Bei den Rindern sind es weniger; sie werden auch nicht betäubt, sondern geschossen. Füße ab, Haut ab.

Die Schweine fahren rechts, die Rinder links. Montag, Mittwoch und Freitag wurden Rinder und Schweine geschlachtet, dienstags nur Rinder. 41.   000 Schweine sollten in diesem Jahr im Schlachthof verarbeitet werden, dazu 28.   000 Rinder. Am Fließband, im Akkord.

Zu sehen ist bei der kleinen Führung am Donnerstagvormittag nur der städtische Teil des Schlachthofs. Die Räume der Mieter bleiben verschlossen - die Kuttelei, die Kühlräume mit den Zerlegebuchten der Firma Dellert, die Kühlräume der Südfleisch. Bei Dellert soll es passiert sein, dass Fleisch, das schon als ungenießbar klassifiziert war (K3-Material), wieder zum Lebensmittel hergerichtet wurde. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft, deshalb ist der gesamte Schlachthof nun zu. K3-Material fällt an mehreren Stationen beim Schlachten an. Schon zu Beginn, wenn die Hufe abgetrennt werden.

Dann beim Zerteilen, wenn Gedärm und Innereien rausgenommen werden. Innereien lassen sich schlecht verkaufen, also werden sie als K3 klassifiziert. Rohstoff für Tierfutter. Dann wäre da noch der Veterinär, der bei der Fleischbeschau die Tierhälften aus dem Schlachtband herausnehmen kann, weil das Fleisch sich nicht als Lebensmittel eignet. Die Tierhälften werden an ihren Haken direkt in einen eigenen Kühlraum gefahren. Fleisch, das dort hängt, landet irgendwann - manchmal erst nach weiteren Untersuchungen - in den K3-Boxen. Von dort darf es nicht mehr zurück in den Lebensmittelbereich, selbst, wenn es gefahrlos essbar ist.

In der Kühlzone nach dem Schlachtbereich hängen Videokameras. Aber angeblich haben sie nicht funktioniert, wegen Leitungsproblemen. Vom Hof aus konnten die Direktvermarkter und Handwerksmetzger in den Kühlraum gehen, ihr Fleisch holen. Weil es Diebstähle gab, war der Raum zuletzt stets verschlossen; den Schlüssel gab es in der Schlachthofverwaltung.

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