Coburg
Premiere

"Forgotten Things" in der Reithalle: "Ich finde die letzten 20 Jahre nicht mehr"

Wie der junge Regisseur Marten Straßenberg das Thema Alter und Pflege in einen spannenden Theaterabend verwandelt.
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Szene aus "Forgotten Things" im Coburger Theater in der Reithalle (von links): Stephan Mertl, Kerstin Hänel, Thomas Straus).Foto: Henning Rosenbusch
Szene aus "Forgotten Things" im Coburger Theater in der Reithalle (von links): Stephan Mertl, Kerstin Hänel, Thomas Straus).Foto: Henning Rosenbusch
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Frau Janus, Herr Maier und Herr Hoffmann sind arm dran. Denn sie sind alt, vergesslich und dazu verdammt, ihren Lebensabend in einer Bewahranstalt zu verbringen, die sich verbal als Altersresidenz tarnt. Selbstbestimmtes Leben im Alter? Freundlich umsorgt den Gebrechen trotzen? Von wegen!

Alter und Pflege

Wenn Bewohner sich wie Insassen fühlen, ist das Pflegepersonal nicht unbedingt immer von (Gefängnis-)Wärtern zu unterscheiden. Wer sich beim Thema Altern und Pflege noch Illusionen gemacht haben sollte, dürfte sie nach diesem Premierenabend in der Coburger Reithalle endgültig verloren haben. "Forgotten Things" hat der junge Regisseur Marten Straßenberg ein ungewöhnliches Schauspielprojekt getauft, in dem sich Worte, Klänge und choreographische Akzente spannungsvoll verbinden.

Würde bewahren

Mit ihrem Theatertext "Meine Mutter war einundsiebzig und die Spätzle waren im Feuer in Haft" lieferte Felicia Zeller das Ausgangsmaterial für Straßenbergs ganz eigene Fassung. Frau Janus (Kerstin Hänel), Herr Maier (Stephan Mertl) und Herr Hoffmann (Thomas Straus) und ihr Versuch, trotz aller Zwangskontakte in der Seniorenresidenz so etwas wie Eigenständigkeit und Würde zu bewahren - sie garantierten dem Premierenpublikum einen verstörend intensiven Theaterabend, der ein gesellschaftlich brisantes Thema auf spannende Weise, aber nicht moralisierende Weise lebendig werden ließ.

Mit großer Intensität

Denn Straßenberg hütete sich davor, dieses Thema allzu einseitig auf die Bühne zu bringen. Vielmehr setzte er bewusst immer wieder auch leise komische Akzente. In der Kombination aus gesprochenem Wort, Klang und choreographischen Akzenten bewies Straßenberg feines Gespür für die wirkungsvolle Verbindung sehr unterschiedlicher Elemente. Das Trio Hänel, Mertl und Straus spielte die ungleichen drei Senioren mit großer Intensität und genauem Gespür für Zwischentöne. Beklemmend anschaulich: Susanne Wilszecks Ausstattung, die die Grenze zwischen Altenheim-Atmosphäre, karger Kloster Anmutung und Gefängnis-Szenerie fließend erscheinen lässt.

Beklemmend und berührend

Als Pflegepersonal agierten junge Akteure des Jugendclubs mit großem Enthusiasmus und großer Intensität - Pfleger, die manchmal um Fürsorge bemüht wirken, manchmal aber auch bedrohlich wie Gefängniswärter. "Forgotten Things" in der Coburger Reithalle - ein beklemmender, berührender und in vielen Momenten poetischer Theaterabend.

"Forgotten Things" in der Coburger Reithalle

Vorstellungen "Forgotten Things (Arbeitstitel) - Frei nach "Meine Mutter war einundsiebzig und die Spätzle waren im Feuer in Haft" von Felicia Zeller; 31. März, 2., 12.,13. April, 20 Uhr, 14. April, 18 Uhr, 25. April, 20 Uhr, 28. April, 18 Uhr, 8., 10. Mai, 20 Uhr, 12. Mai, 18 Uhr, 14., 15. Juni, 20 Uhr - Theater in der Reithalle Coburg

Produktionsteam Inszenierung / Sound / Choreographie: Marten Straßenberg; Bühne und Kostüme: Susanne Wilczek; Dramaturgie: Carola von Gradulewski

Herr Maier: Stephan Mertl

Herr Hoffmann: Thomas Straus

Frau Janus: Kerstin Hänel

Pflegepersonal: Selina Bär, Annetta Chiantone, Saskia Fruntke; Birk Menzel, Mees Menzner, Luca Schenk

Vorverkauf Tickets gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle (Hindenburgstraße 3 a) und an der Theaterkasse.



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