Coburg
Flugzeugunglück

Flugzeugabsturz in Coburg: Menschliches Versagen

Vier Menschen kamen beim Absturz einer Piper am 5. August 2012 in Coburg ums Lebens. Der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sieht jetzt ein Fehlverhalten bei der Pilotin als Unglücksursache.
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Feuerwehrleute hieven am 5. August 2012 an der Absturzstelle des Kleinflugzeuges in der Nähe des Flugplatz Steinrücken die Reste einer Tragfläche auf einen Anhänger. Für den Untersuchungsbericht konnten nur wenige nicht verbrannte Teile ausgewertet werden.
Feuerwehrleute hieven am 5. August 2012 an der Absturzstelle des Kleinflugzeuges in der Nähe des Flugplatz Steinrücken die Reste einer Tragfläche auf einen Anhänger. Für den Untersuchungsbericht konnten nur wenige nicht verbrannte Teile ausgewertet werden.
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Menschliches Versagen, kein technischer Defekt - Zu diesem Ergebnis kommt Holger Röstel, der die Untersuchung des Flugzeugunglücks nahe dem Flugplatz Coburg Steinrücken vom 5. August vergangenen Jahres leitete. Vier Menschen waren dabei ums Leben gekommen.

Der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung Braunschweig liegt seit Anfang der Woche vor. Darin heißt es wörtlich: "Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass die Pilotin das Luftfahrzeug im Startlauf bei geringer Geschwindigkeit und großem Anstellwinkel von der Piste abhob.

Zu wenig Erfahrung

"Wahrscheinlich erkannte sie den überzogenen Flugzustand nicht und flog im Sackflug bis zur Waldkante weiter, wo sie mit den ersten Bäumen kollidierte und auf den Boden prallte." Röstel schreibt von einer "sehr geringen Mustererfahrung und einer geringen Gesamtflugerfahrung", aufgrund derer es ihr möglichweise nicht gelang, einen überzogenen Flugzustand zu erkennen und diesen durch Nachlassen des Höhenruders zu beenden.

Aufgrund der bei dem Aufprall auf den Boden erlittenen Verletzungen, hatten die Insassen keine Überlebenschance. Die beiden vorderen Sitze waren mit den Halteschienen aus dem Cockpitboden gerissen und lagen verbrannt unmittelbar neben dem Triebwerk. Die Insassen befanden sich außerhalb des Wracks.

Die Leiche der Pilotin wurden obduziert. Es wurden keine Hinweise auf eventuelle gesundheitliche Beeinträchtigungen oder durch Einfluss von Alkohol festgestellt.

Die 31-Jährige war seit dem 29. September 2011 Inhaberin einer Lizenz für Privatpiloten. Sie besaß die Berechtigung als verantwortliche Pilotin auf einmotorigen Landflugzeugen.

Das flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 war bis zum 1. September 2014 gültig. Ihre Flugzeit auf dem betroffenen Muster betrug 8.17 Stunden mit 16 Starts und Landungen bei einer Gesamtflugerfahrung von 56.57 Stunden mit 121 Starts und Landungen. In den letzten 90 Tagen flog sie 9.33 Stunden mit 17 Starts und Landungen. Die Pilotin startete um 6.16 Uhr in Begleitung von drei Personen vom Flugplatz Coburg-Steinrücken zu einem privaten Rundflug. Es wurde beobachtet, dass das Luftfahrzeug nach dem vierten Landebahnreiter (etwa150 Meter) den Anstellwinkel vergrößerte und abhob.

Was geschah am 5. August?

Nach Zeugenaussagen gewann die viersitzige Piper keine Höhe. Es streifte laut Aussage eines Beobachters etwa 370 Meter nach dem Pistenende mit der linken Tragfläche eine Baumkrone des in Abflugrichtung liegenden Waldgebietes.

Nach einer Richtungsänderung von etwa 30 Grad nach rechts und dem Überflug des Taleinschnittes einer ICE-Neubautrasse kollidierte das Luftfahrzeug mit den ersten Bäumen der quer zur Flugrichtung verlaufenden Waldkante. Das Flugzeug prallte zwischen den Bäumen auf den Boden und brannte vollständig aus. Die vier Insassen wurden tödlich verletzt. "Zur Unfallzeit herrschten Sichtflugbedingungen, kein Niederschlag, eine geschlossene
Wolkendecke bei etwa 5000 feet, Sicht größer 10 Kilometer und Wind aus 100 Grad mit ein bis zwei Knoten bei einer Temperatur von 18 °C", heißt es in dem Bericht.

Untersucht wurden auch das Triebwerk, die Propellerblattverstellung und der Kraftstoff. Nichts deutete auf einen technischen Defekt am Flugzeug hin. Aufgrund der starken Brandzehrung konnten die Stellungen von elektrischen Schaltern, Instrumentenanzeigen und Bedienelementen nicht geprüft oder nachvollzogen werden. Die Ansteuerung der Ruder und die Landeklappen waren vollständig verbrannt.

Funkverbindung

Nach Aussagen eines sachkundigen Zeugen bestand Funkverbindung zwischen dem Tower und dem Flugzeug. Allerdings wurde dieser nicht aufgezeichnet. Auch eine Flugdatenaufzeichnung fand nicht statt.


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