Coburg
Projekt

Flüchtlingen die Würde lassen

Studentinnen der Sozialen Arbeit und Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Coburg befassen sich mit der Situation der Asylbewerber und werden aktiv.
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Im Gemeinschaftsraum des Asylbewerberheims gibt es noch einiges zu tun, bevor dort mit dem Streichen begonnen werden kann. Juliana Gubar (links) und Daniela Pöse machen schon mal Platz. Fotos: Helke Renner
Im Gemeinschaftsraum des Asylbewerberheims gibt es noch einiges zu tun, bevor dort mit dem Streichen begonnen werden kann. Juliana Gubar (links) und Daniela Pöse machen schon mal Platz. Fotos: Helke Renner
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Wovon träumen Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen müssen und nach Deutschland, nach Coburg kommen? Eine Gruppe von Studentinnen der Hochschule Coburg weiß es jetzt: Die Asylbewerber aus der Unterkunft in der Uferstraße möchten gern die deutsche Sprache erlernen, ihre Lebensmittel selbst einkaufen und arbeiten. Für Azin Alizadeh ist das keine Neuigkeit. Die Studentin gibt schon seit einiger Zeit Deutschkurse in der Uferstraße. "Ich kenne die Situation der Flüchtlinge in Berlin und in Coburg."

Unwürdig findet sie die Regelung in Bayern, dass die Menschen sich aus Essenspaketen ernähren müssen. Joana Keller erzählt von einem Selbstversuch mit dem Inhalt der Pakete."Wir haben einer Familie die Wochenration abgekauft und versucht, daraus etwas zu machen."


Essenspakete getestet

Das sei schwierig gewesen. "Die Auswahl ist beschränkt, das Obst und Gemüse in schlechter Qualität. Das Fleisch war zum Teil schon aufgetaut - davon ist mir schlecht geworden." Rücksicht auf Diabetes und Laktoseintoleranz werde auch nicht genommen, ergänzt Azin Alizadeh. Und weil die Studentinnen der Meinung sind, dass möglichst viele Menschen etwas über die Situation der Asylbewerber erfahren sollen, beteiligen sie sich an der Projektwerkstatt "Flüchtlinge", die an der Hochschule im Rahmen des "Coburger Weges" umgesetzt wird.

Drei Gruppen beschäftigen sich mit der Problematik. Eine hat sich der Essenspakete angenommen. Sie kommt zu dem Schluss, dass den Menschen Geld zur Verfügung gestellt werden sollte, damit sie selbst einkaufen können. So viel Würde müsse man ihnen lassen. Zwar werde das, was in anderen Bundesländer bereits Usus ist, auch in Bayern angestrebt, aber noch ist es nicht soweit.


Größter Wunsch: Wörterbücher

Eine zweite Gruppe befasst sich mit der Lebensqualität im Flüchtlingsheim. "Dort gibt es einen Gemeinschaftsraum, in dem auch der Deutschunterricht stat tfindet", erzählt Daniela Pöse. Einladend sei der Raum nicht. "Wir werden ihn zusammen mit den Flüchtlingen neu streichen und Regale für Bücher aufbauen." Denn Schulbücher, vor allem Wörterbücher, wünschten sich die Asylbewerber sehr, haben die Studentinnen durch eine Umfrage herausgefunden.

Die nötige Unterstützung für ihr Projekt haben die jungen Frauen selbst organisiert und sich in diesem Prozess auch eine Menge Absagen eingehandelt. Doch am Ende hatten sie Erfolg. Lehrbücher bekommen sie aus einer Coburger Buchhandlung, ein Malerbetrieb stellt die Farbe zum Streichen der Wände zur Verfügung, ein Holzgroßhandel aus Würzburg das Holz für eine neue Wandverkleidung und die Regale. Die Coburger Rotarier haben Geld gegeben und der Bruder einer Studentin, ein Schreiner, hilft mit seinem handwerklichen Können.

Am Dienstag, 17. Dezember, soll der neue Raum eingeweiht werden. Das Essen fürs Fest kommt aus einer Coburger Bäckerei.

Die dritte Projektgruppe hat den Dialog mit einheimischen Firmen gesucht, um herauszufinden, welche Möglichkeiten es gäbe, Asylbewerber zu beschäftigen, wenn sie arbeiten dürften. Auf ihre Fragen haben sie kaum Antworten bekommen. Zum Hintergrund: Asylbewerber dürfen nur ehrenamtlich tätig sein und dann höchstens einen Euro pro Stunde verdienen.

Um über die Situation von Flüchtlingen möglichst viele Menschen zu informieren, stehen die Studentinnen am Freitag von 14 Uhr an mit einem Informationsstand in der Spitalgasse.


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