Neustadt bei Coburg
Sonderausstellung

Floradora und Neustadter Zeitgeschichte(n)

Mit einem "Doppelschlag" feiert das Museum der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg am Sonntag, 25. März, sein 30-jähriges Bestehen.
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116 Jahre alt ist die   "Floradora", die Udo  Leidner-Haber hier in der Hand hat. Die Puppe wurde in Neustadt hergestellt und zählt damit klar zu den "30 Besten".Berthold Köhler
116 Jahre alt ist die "Floradora", die Udo Leidner-Haber hier in der Hand hat. Die Puppe wurde in Neustadt hergestellt und zählt damit klar zu den "30 Besten".Berthold Köhler
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"Die 30 Besten" sind es, die Museumsleiter Udo Leidner-Haber den Besuchern zum 30-jährigen Bestehen des Museums der deutschen Spielzeugindustrie in Neustadt bei Coburg präsentiert. Die Exponate der Sonderausstellung - alle vom Museumsleiter "subjektiv, aber mit Überlegung zusammengestellt" - stehen als Querschnitt für das, was das Museum in den drei Jahrzehnten seines Bestehens gesammelt und gezeigt hat: alte Puppen, Künstlerpuppen, aber auch Großserienfiguren, die für die Puppenindustrie rund um Neustadt stehen.
Sogar der Urvater des Museums ist vertreten. Karl-Otto Witthauer gilt als der Erfinder der heute noch bestehenden Trachtenpuppensammlung, die als fester Ausstellungsbestandteil im ersten Stock des Museums zu finden ist. Der Puppenproduzent ließ für seine Söhne einst einen Kaufladen bauen, der jetzt Teil der "30 Besten" ist. Mit der Zahl 30, sagt der Museumsleiter mit einem Schmunzeln, sollte man es beim Rundgang durch die Sonderausstellung aber nicht so genau nehmen - es sind schließlich weit mehr als 30 Puppen zu sehen. Alleine schon deshalb, weil einige Puppen-Gruppen zu eben jenen "30 Besten" gehören.
Was Udo Leidner-Haber aber wichtig ist: "Ein großer Teil der Exponate war noch nie bei uns zu sehen." Die Zeichnungen, die Louis Korn in den 30er Jahren während seiner Ausbildung zum Bossierer in der im Volksmund als "Industrieschule" bezeichneten heutigen Glockenbergschule erstellte, sind so ein Fall. Diese Schule prägte fast 100 Jahre lang (von 1848 bis 1945) unter städtischer, herzoglicher und zum Schluss staatlicher Trägerschaft die Neustadter Bildungslandschaft. Mehr als die Tatsache, dass Korn dort zur Schule ging, ist dem Museumsleiter nicht bekannt. "Damit ist er ein spannender Fall für unser Zeitzeugen-Projekt", findet Udo Leidner-Haber. Im Rahmen des Zeitzeugen-Projekt sucht das Museum, Zeitzeugen oder deren Angehörige, die von der Geschichte der Puppenherstellung in Neustadt erzählen können. Vielleicht kennt ja einer der Besucher diesen Louis Korn.


Alt ist nicht gleich teuer

Einige der Puppen - welche es sind, will der Museumsleiter aus verständlichen Gründen nicht verraten - sind außergewöhnlich wertvoll. "Dass diese automatisch auch alt sein müssen, ist aber nicht der Fall", sagt Leidner-Haber, während der im linken Flügel des Ausstellungsraumes die "Floradora"-Puppe aus dem Hause Max Oscar Arnold gut ins Licht ausrichtet. Gleich daneben stehen drei weitere Puppen - alle über 100 Jahre alt, gut erhalten und fester Bestandteil des umfangreichen Neustadter Museumsarchivs.
Es gibt aber auch moderne Stücke. Das jüngste Mitglied der "30 Besten" dürfte eine Harry-Potter-Figur sein, die gerade einmal ein bisschen mehr als 15 Jahre alt ist. "An ihr sieht man, dass Puppenhersteller immer sehr schnell auf die Trends der Zeit reagiert haben", erklärt Udo Leidner-Haber. Deshalb steht die Puppe - eingerahmt von ebenfalls neuen Modellen aus den Häusern Götz, Zapf, Engel und Lissi Bätz - eben auch im Raum für die Sonderausstellungen. Als Museum der deutschen Spielzeugindustrie gehöre es schließlich dazu, auch die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt der Puppen zu dokumentieren. "Wir sind nicht dazu da, nur alte Puppen zu sammeln", betont Leidner-Haber.


Am Sonntag ist "Spiele-Zeit" in Neustadt

Jubiläum: Das Museum der deutschen Spielzeugindustrie am Hindenburgplatz in Neustadt bei Coburg feiert am kommenden Sonntag mit dem Familientag "Spiele-Zeit" sein 30-jähriges Bestehen.

Programm: Von 13 bis 17 Uhr gibt es bei freiem Eintritt Kinder-Schminken sowie 20 Spiele- und Experimentierstationen. Besondere Attraktionen sind eine Vorführung der Kinder-Trachtengruppe der Grundschule Wildenheid-Haarbrücken (14.30 Uhr) sowie der Start des Luftballonwettbewerbs (16 Uhr).

Museums-Cafe: Dort gibt es während des Familientages Getränke, Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen.


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