Neustadt
Konzert

Finnischer Klang in Neustadt

Das Gastspiel des Festivals junger Künstler Bayreuth brachte mit dem Chor Dominante wieder das Besondere.
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Menschen aus anderen Ländern bringen andere Musik: Der finnische Chor Dominante bei     seinem Auftritt in Neustadt. Carolin Herrmann
Menschen aus anderen Ländern bringen andere Musik: Der finnische Chor Dominante bei seinem Auftritt in Neustadt. Carolin Herrmann
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Ein besonderes Klangerlebnis bietet den Neustadtern alljährlich das Gastspiel des Festivals junger Künstler Bayreuth, das seit 1950 parallel zu den Wagner-Festspielen veranstaltet wird. Die weite Region hat etwas von dem Besuch mehrerer Hundert (mehr oder weniger) junger, vor allem aber meist hervorragender Musiker aus der ganzen Welt. Neustadt bei Coburg ist einer der erwählten Orte, die alljährlich in den Genuss eines Konzertes in diesem Rahmen kommen. Am Freitag beeindruckte der finnische Kammerchor Dominante im vollen Saal der neuen kultur.werk.stadt mit seinen "Himmlischen Klängen".

Auch wenn dieser Raum für den Auftritt des 30-köpfigen Chores eigentlich zu klein war und in seiner trockenen Akustik dessen hervorragenden Klang nicht gänzlich zur Wirkung kommen ließ, bescherte Dominante wie erwartet eine Begegnung der anderen Art. Der mit dem finnischen Rundfunk zusammenarbeitende Chor unter Leitung von Seppo Murto verbeugte sich zunächst vor der deutschen Chorliteratur mit Mendelssohn Bartholdys Motette "Denn er hat seinen Engeln befohlen" und Josef Rheinbergers Abendlied.

Ganz in seinem Element aber war er dann in einer Folge von Werken des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius (1865 - 1957), anspruchsvollen Liedern, die gleichzeitig den nordischen Volkston transportieren und nicht nur den jungen Leuten des Chores, sondern ebenso den Zuhörern offensichtlich in die Seele flossen. Das ist nachvollziehbarer Weise der beherrschende Ton des Chores Dominante.

Sphärisches

Hatte der Chor schon zuvor mit einem Werk von Arvo Pärts klangschwebenden meditativen Werken wohltuenden Wohlklang in allen seinen, gut ausgewogenen Stimmlagen ausgebreitet, so führte er dann in ehrfürchtige Versenkung, mit hier sicher noch nie zu hörenden, maßvoll modernen Klangsphären: der mystischen Dichtung "Die erste Elegie" von Einojuhani Rautavaara (1928 - 2016) nach einem Text von Rainer Maria Rilke: Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen...?

Und dann erst noch Jaakko Mäntyjärvis (geboren 1963) verblüffendes Klangraumexperiment "CCCX". Der Chor positionierte sich um die gesamte Zuhörerschaft und versetzte mit kleinen Klangverschiebungen und Überlagerungen in den Echoraum einer gigantischen Berghalle.

Die Zugaben führten dann wieder auf eher weltlichen Boden. Mäntyjärvi kann auch unbeschwert fröhlich, hier mit nichts bedeutendem, fröhlich galoppierenden Silbenunsinn. Da wären wir dann wieder, doch wunderbar bereichert durch dieses kleine Konzert.

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