Coburg
Großbrand

Feuerkatastrophe in der Coburger Innenstadt

In einem Altstadtquartier unweit des Marktplatzes ist in der Nacht zum Sonntag ein verheerendes Feuer ausgebrochen. Stundenlang kämpften fast 300 Einsatzkräfte gegen die Flammen. 80 Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Erste Bilanz: 13 Verletzte und mindestens sechs zerstörte Häuser.
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Fast 300 Rettungskräfte waren im Einsatz und leisteten dabei zum Teil Übermenschliches.  Mindestens sechs Gebäude sind durch den Großbrand komplett zerstört worden. Fotos:  Michael Stelzner
Fast 300 Rettungskräfte waren im Einsatz und leisteten dabei zum Teil Übermenschliches. Mindestens sechs Gebäude sind durch den Großbrand komplett zerstört worden. Fotos: Michael Stelzner
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Der Notruf war um 1.18 Uhr eingegangen: Feuer im Gebäude Herrngasse 12! Das ist das Nachbargebäude der Traditionsgaststätte Loreley, in und vor dem zu dieser Zeit noch etwa 500 Teilnehmer des CC-Pfingstconvents versammelt waren. Die wegen des CC ebenfalls anwesende Bereitschaftspolizei kümmerte sich darum, dass sowohl diese Menschen als auch alle Anwohner des gesamten Quartiers zwischen Herrngasse, Marktplatz und Steingasse ihre Wohnungen verließen.



Diese Vorsichtsmaßnahme war richtig, wie sich schon bald herausstellte. Denn die Flammen griffen rasend schnell um sich. Bald brannte auch das Gebäude Herrngasse 10 sowie einige dahinterliegende Gebäude.

Oberbürgermeister vor Ort

Der Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) traf bereits gegen 1.30 Uhr am Ort des Geschehens ein und sprach später von einem "Gefühl der Hilflosigkeit", das er beim Anblick des Großbrandes gehabt habe. Die Arbeit der Feuerwehrleute und der anderen Rettungskräfte bezeichnete er als "sensationell": Viele seien an ihre Grenzen gegangen. "Ich habe von einem Feuerwehrmann gehört, der einen Dachziegel auf den Kopf bekommen hat. Er hat sich dann eine Kortisonspritze geben lassen - und hat weitergemacht."

Mit Drehleitern, die in der Steingasse, der Rückertstraße und der Herrngasse aufgestellt wurden, versuchten die Feuerwehrleute, zum Brandherd vorzudringen.

Gegen 6.30 Uhr wurde gemeldet, dass nun auch das Gebäude Herrngasse 8 brennt.

Vier Personen im Krankenhaus

Gegen 7.30 Uhr schien langsam alles unter Kontrolle zu sein, und Stadtsprecher Michael Selzer unternahm den Versuch einer ersten Bilanz: Es gibt 13 leicht verletzte Personen, darunter sind sowohl Einsatzkräfte als auch Anwohner. Vier davon müssen im Klinikum Coburg behandelt werden. Meist handelt es sich um Rauchvergiftungen.

Zehn Anwohner verbrachten die Nacht in der CoJe (ehemals Stadtjugendheim), wo ein Notquartier errichtet worden war; die anderen waren entweder bei Freunden untergekommen oder verbrachten die Nacht in der Nähe des Brandes, weil sie sehen wollten, ob die Häuser gerettet werden können.

Offenbar sechs Häuser konnten allerdings nicht gerettet werden. Einen genauen Überblick wird man sich aber wohl erst im Laufe des Montags verschaffen können. Denn die Häuser in diesem Bereich der Coburger Altstadt stehen eng beieinander und alles ist sehr verwinkelt. So standen während des Rettungseinsatzes ständig zwei Helfer des THW auf dem Turm der Morizkirche, weil nur von dort aus der Brand einigermaßen zu beobachten und einzuschätzen war.




Später kam noch ein Polizeihubschrauber sowie sogar eine Drohne zum Einsatz.

Millionenschaden

Die Höhe des entstandenen Sachschadens lässt sich noch nicht abschätzen - aber er dürfte mehrere Millionen Euro betragen. Auch Nachbargebäude, die vom Feuer selbst nicht betroffen waren, wurden in Mitleidenschaft gezogen: So wurde am frühen Morgen gemeldet, dass im Puppenmuseum Löschwasser durch die Decke tropft.

Auf dem Coburger Marktplatz war das Lagezentrum eingerichtet worden. Zig Fahrzeuge von Feuerwehr, BRK, THW, ASB und Feuerwehr standen dort. Eine Verpflegungsstelle für die Einsatzkräfte war vor dem und im Ratskeller eingerichtet.

Schlauchleitung zur Itz

Weil immer wieder neues Löschwasser benötigt wurde, legten die Feuerwehrleute mehrere Schlauchleitungen zur Itz - von der Herrngasse über den Marktplatz und weiter durch die gesamte Judengasse.

Im Einsatz waren Feuerwehren aus Coburg, Rödental, Neustadt, Ebersdorf, Lautertal, Bad Rodach, Sonnefeld, Itzgrund, Meeder, Ahorn, Weitramsdorf, Lichtenfels und Bad Staffelstein. Örtlicher Einsatzleiter war Rene Göbel vom THW.

Die Brandursache ist noch unklar. Gerüchte, wonach die Rakete eines nicht genehmigten Feuerwerks das Feuer ausgelöst haben könnte, wollte am Sonntag niemand bestätigen. Allerdings hat es am späten Samstagabend in der Innenstadt ein nicht genehmigtes Feuerwerk gegeben, und die Polizei hat auch bereits die Ermittlungen nach dem Initiator aufgenommen.

Weitere Informationen zum Brand will die Stadt Coburg voraussichtlich am Montag bei einer Pressekonferenz bekanntgeben. Die Polizei teilte am Sonntag um 8.20 Uhr mit, dass das Feuer trotz aller Bemühungen noch nicht ganz unter Kontrolle sei.
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