Coburg
Tambacher Sommer

Fernsehstar musikalisch in Tambach

Jan Josef Liefers und seine Band Radio Doria boten im Schlosshof die etwas andere engagierte Show.
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mmer noch beladen mit roten Koffern? Jan Josef Liefers in Tambach. Carolin Herrmann
mmer noch beladen mit roten Koffern? Jan Josef Liefers in Tambach. Carolin Herrmann
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Er ist der etwas andere Fernsehstar, aber ein spezieller Star ist er schon, wie am Freitag beim Tambacher Sommer-Konzert mit seiner Band Radio Doria zu erleben war. Jan Josef Liefers, deutscher Schauspieler, Produzent, Musiker der sensiblen Art, Tatort, aber sonst noch vieles, vieles mehr, Coolness eher verweigernd, oder dann wieder doch cool, eben auf seine Art; aus "dem Osten". Im erneut über tausendköpfigen Tambacher Publikum befanden sich auch entsprechend viele Fans und (eher zurückhaltende) Zuhörer aus den "neuen" Bundesländern. -

Spielt das eine Rolle? Ja und nein. Etwas war anders am Freitag im Schlosshof; registrieren wir es 30 Jahre nach der Grenzöffnung mit einem Schulterzucken, mehr nicht, aber es mag doch nach wie vor manche unterschwellige Strömung im "Raum" und in Liefers Texten - auch über seine direkten Bezüge auf die DDR-Vergangenheit hinaus - erklären.

Seine Texte sind entschieden sinniger und ernstzunehmender als die der vielen anderen gegenwärtigen Deutschsingerliederschreiber mit ihren großen Gesten. Klar, der 1964 in Dresden in einer generationenlangen Theaterfamilie geborene Jan Josef Liefers transportiert das Erbe von großen DDR-Bands wie den Puhdys, mit denen er groß wurde und deren Lieder er singt, seit er 2006 mit seiner Band Radio Doria begann auf Tour zu gehen. Er hat unter dem Titel "Soundtrack meiner Kindheit" Titel ostdeutscher Bands gesungen. In Tambach wünschte er, er könnte noch einmal zum ersten Mal so manches tun. Das verfallene "weiße Haus" an irgendeinem Wegesrand baute er wieder auf. Dann sind da selbstverständlich auch viele Reflexionen über allgemeine, jeden treffende Themen, Liebe, Freundschaft, das Leben.

Die merkwürdigen Faxen, die Liefers zwischen den Liedern gibt, die sind bisweilen unverständlich, mäßig witzig, in seiner "das bin eben ich"- Show dahingeleiert. Es sei denn, er wird politisch, das Flüchtlingsproblem, die zunehmende Intoleranz ("Zwei Seiten"), der Wert des Friedens..., da wird er wirklich konzentriert, glaubhaft.

Seine Botschaften

Und dann ist da seine Musik, engagierter Rock-Pop, abwechslungsreich mit immer neuen kleinen, die Aufmerksamkeit findenden Akzenten, die spürbar dazu dient, seine Botschaften zu vermitteln. Da ist er authentisch.

Dramaturgisch geschult, weiß Jan Josef Liefers auch, dass er nun unbedingt Tröstendes liefern muss. Da lässt er dann mitreißend das Kind in uns allen fei ern: "Wir haben uns davongestohlen, haben unser Leben geplündert. Wir sind verlorene Kinder." Weshalb jetzt mal so richtig exzessiv auf die bisher mitgeschleppten roten Koffer eingedroschen wird, von allen Bandmitgliedern zum klassischen Trommelsolo von Schlagzeuger Timon Fenner. - Ob das symbolisch etwas zu bedeuten hatte oder nicht, das war jetzt einfach klasse.

Jan Josef Liefers, geboren 1964 in Dresden, absolvierte zunächst eine Tischlerlehre am Staatstheater Dresden. Anschließend studierte er an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Für sein erstes hauptberufliches Theaterengagement ging Liefers direkt nach der Schauspielschule ans Deutsche Theater Berlin, wo er in Inszenierungen von Regisseuren wie Thomas Langhoff und Heiner Müller mitwirkte und mit seinem Schauspielerkollegen Tobias Langhoff die Experimentalbühne Baracke am Deutschen Theater ins Leben.

Unmittelbar nach der politischen Wende in der DDR wechselte Liefers 1990 in ein festes Engagement an das Thalia Theater in Hamburg und arbeitete dort mit Theaterregisseuren wie Robert Wilson, Werner Schroeter und Jürgen Flimm sowie mit dem Komponisten Tom Waits zusammen.

Sein Kinodebüt gab er 1989, seither hat er sich mit zahlreichen kleinen und großen Rollen in Fernsehen und Kino einen großen Namen gemacht. Seit 2002 steht er zweimal im Jahr gemeinsam mit Axel Prahl für den WDR-Tatort als Professor Karl-Friedrich Boerne, Ermittler in Münster, vor der Kamera. In der Fernseh-Verfilmung des Romans "Der Turm" von Uwe Tellkamp spielte Liefers die Hauptrolle des Richard Hoffmann.

Liefers hat Filmmusiken und Drehbücher verfasst und trat auch als Filmregisseur in Erscheinung. 2010 gründete er die Firma Radio Doria Entertainment für Film- und Fernsehproduktionen. Parallel dazu hat sich Liefers eine Karriere als Musiker aufgebaut. Seit seinem Auftritt bei den Demonstrationen vor der Grenzöffnung ist Liefers zudem vielfach gesellschaftlich und humanitär engagiert. nach wp

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