Diese Musik balanciert über dem Abgrund des Grauens. Abgerungen, abgetrotzt dem Schrecken. Der perfiden Macht des Terrors ruft sie ihr ironisches, ihr trotziges "Dennoch" entgegen. Kunst und Leben, Kunst und Überleben - dieser Abend öffnet Augen und Ohren dafür, dass Kunst kein Luxus, sondern im emphatischen Sinne Lebens-Mittel sein kann. "Theresienstadt - Terezin" lautet das Motto des Programms, das die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, der Geiger Daniel Hope und der Pianist Bengt Forsberg gemeinsam mit Bo Nordenfelt (Gitarre, Kontrabass) als Beitrag zum Festival "Lied & Lyrik" gestalten.
Die meisten jener Komponisten, die an diesem Abend im Landestheater erklingen, haben den Terror der Nazis, die Maschinerie der Vernichtungslager nicht überlebt. Ihre Musik aber hat überlebt - zumindest Manches davon.

Zu neuem Leben erwecken


Das Geheimnis dieses Abends? Die Künstler, die diese Musik aus Terezin zu neuem Leben erwecken, treten als Interpreten hinter den von ihnen gespielten Werken zurück und blühen dabei doch zugleich auf ungewöhnliche Weise auf. Scheinbar ganz selbstverständlich bringen sie die Musik zum Klingen, erleichtern mit kurzen Zwischentexten das Verständnis der historischen Zusammenhänge. Faszinierend, wie bunt, wie vielfältig in stilistischer Hinsicht jene Jahre kurz vor oder mitten im Krieg waren - vom Janácek-Schüler Pavel Haas bis zu Viktor Ullmann und Erwin Schulhoff.


Ergreifend schlicht



Nach dem ergreifend schlichten Ausklang mit Ilse Webers "Wiegala" ("Wie ist die Welt so stille") bleibt Raum nur noch für eine Zugabe. Sie öffnet ein Fenster der Hoffnung: Adolf Strauss' "Ich weiß bestimmt, ich werd' dich wiedersehn".




Hintergrund




Theresienstadt Das 1941 von den Nationalsozialisten errichtete Ghetto Theresienstadt gilt als Sinnbild für eine der großen Propagandalügen des Nazi-Regimes. In dem "Vorzeigeghetto" war fast die gesamte jüdische Kulturelite versammelt. Künstler erhielten das zynische Privileg, durch Theateraufführungen und Konzerte am skrupellos inszenierten Vergnügungszirkus im KZ mitzuwirken. Die Nationalsozialisten präsentierten Theresienstadt der Öffentlichkeit als jüdische Mustersiedlung. In Wahrheit jedoch war der Alltag des Lagerlebens für die Gefangenen wie in allen anderen Konzentrationslagern von physischen und psychischen Qualen geprägt.



"Lied & Lyrik"




Termine Festival "Lied & Lyrik Mittwoch, 12. Oktober: 17 Uhr - Banz, Kutschenhalle: Franziska Walser und Edgar Selge rezitieren Rilkes "Duineser Elegien"; 20 Uhr - Banz, Kaisersaal (ausverkauft): Liederabend Barbara Bonney (Sopran), Wolfram Rieger (Klavier).