Rödental
Großhandel

Feinkost-Bauer: die Rödentaler Speisekammer

Bei Feinkost-Bauer in Rödental sorgt eine ausgefeilte Logistik und ein Mitarbeiterstab, der bereit ist, im Schichtbetrieb zu rackern, für ein Maß an Flexibilität und Schnelligkeit, das Großkonzerne ihren Kunden nicht bieten können.
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Detlef Bauer (links) erklärt Bürgermeister Marco Steiner und Landtagsvizepräsident Peter Meyer (rechts) worauf es im schwierigen Geschäft des Lebensmittelgroßhandels ankommt. Foto: Rainer Lutz
Detlef Bauer (links) erklärt Bürgermeister Marco Steiner und Landtagsvizepräsident Peter Meyer (rechts) worauf es im schwierigen Geschäft des Lebensmittelgroßhandels ankommt. Foto: Rainer Lutz
Detlef Bauer ist Lebensmittelgroßhändler in der fünften Generation, und er ist es mit Begeisterung. Das merkt jeder, der sich von ihm durch die Räume von Feinkost-Bauer in Rödental führen lässt. Wenn Bauer sein Unternehmen vorstellt - er ist geschäftsführender Gesellschafter - dann ist das eine Führung in ein Reich, in dem der Uneingeweihte aus dem Staunen kaum heraus kommt. Eine Erfahrung, die Bayerns Landtagsvizepräsident Peter Meyer (FW) und Rödentals Bürgermeister Marco Steiner (FW) jetzt machten.

"Es ist klassischer Lebensmittel Großhandel", sagt der Chef zur Beginn der Führung. Später lernen die Besucher, warum Toilettenpapier und Auftausalz in den Regalen des Lagers liegen. Ein wenig sind sie vielleicht die Erklärung, warum das Unternehmen am Markt erfolgreich ist. Der hat sich nämlich seit der Gründung von Feinkost Bauer 1890 sehr verändert.
Viele Anbieter sind verschwunden.

Eine Erklärung für den Erfolg seines Unternehmens liefert Detlef Bauer sofort: "Sie kriegen bei uns alles - und das innerhalb von 24 Stunden." Es gibt einige große Konzerne in der Branche. Sie machen Bauer durchaus Druck. Aber diese Geschwindigkeit können sie nicht bieten. Bei Bauer kann ein Kunde selbst am Sonntag anrufen und eine Eilbestellung ordern. Und auch unter der Woche gilt: "Wenn der Lkw noch auf dem Hof steht, geht die Bestellung auch noch mit." Damit das geht, wird bei Bauer in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet.

Lager und Versand verursachen einen gewaltigen Organisationsaufwand. So muss ein und dasselbe Produkt in zahlreichen Varianten vorhanden sein. "Köche sind sehr individuelle Menschen", weiß Detlef Bauer und meint das nicht als Kritik. Für ihn als Dienstleister bedeutet das, zu wissen, wer welche Mayonnaise bevorzugt, wer welche Pasta geliefert haben will. Beispiel Kloßteig: "Ein Franke will keinen Thüringer und ein Thüringer keinen fränkischen Kloßteig. Das ist eben so." Also hält Bauer einige Sorten Kloßteig vor. Noch breiter muss das Sortiment bei Senf sein.

Haltbarkeit ist ein anderes Thema. Frischer Obstsalat für Großkunden ist nur drei Tage haltbar. Die Ordermengen können aber, ähnlich wie bei Sahne, je nach Wetter sehr schwanken. Irgendwann lässt sich der richtige Lagerbestand da nicht mehr per Computer ermitteln. "Eine Portion Bauchgefühl bleibt immer dabei", grinst Bauer.
Die 2500 Kunden im Stamm des Unternehmens wechseln kaum. Sie haben in Feinkost-Bauer offenbar einen Partner gefunden, dem sie vertrauen. Daher bescheren sie dem Rödentaler Betrieb rund 120 000 Aufträge im Jahr. Zwischen Erfurt und Nürnberg ist Bauers Revier. In diesem Raum kann er seine größte Stärke ausspielen: Schnelligkeit. Seine Lieferzeiten können große Mitbewerber kaum bieten. Bauer: "Wir machen, was die Großen auch machen - aber mit regionaler Geschwindigkeit."

Kunden in der Gastronomie wollen heute auf eigene Lager verzichten. Entsprechend schnell und flexibel müssen sie beliefert werden. Das erfordert eine eigene Logistik wie in einem großen Speditionsbetrieb und Mitarbeiter, die bereit sind, dem Unternehmen die Flexibilität zu geben. Bei Bauer gibt es daher Jahresarbeitszeitkonten. Mehrstunden, die in der Hochsaison des Geschäfts angehäuft wurden, können so in Phasen mit geringerem Druck wieder abgebaut werden.

Wer in die Regale schaut, erkennt schnell, dass es bei Bauer keinesfalls nur um Großküchen als Abnehmer geht. Da finden sich exklusive Zutaten und Nahrungsmittel. Fleisch aus Südamerika beispielsweise oder exquisites Olivenöl von einem kleinen Anbieter bei Bari. "Wir haben Kunden von der Großküche bis zur Sternegastronomie", sagt Bauer stolz.

Vor allem bei Obst und Gemüse ist es oft nicht einfach, Qualität für gehobene Ansprüche seiner Kunden überhaupt zu bekommen, sagt Bauer. Er weiß: "Die Exporteure in den Erzeugerländern liefern schon lange nach Deutschland nur die niedrigste Qualität. Unsere Verbraucher kaufen vor allem nach Preis, nicht nach Qualität." So muss Detlev Bauer immer wieder selbst ins Ausland reisen, um Bezugsquellen für Ware in der Qualität zu erschließen, die Sterneköche haben wollen.

In Zeiten von permanent ausgestrahlten Kochshows würde sich der eine oder andere Hobbykoch wünschen, auch an solche guten Zutaten zu kommen. Das weiß Detlef Bauer. Der Gedanke an einen Laden, in dem der Endverbraucher bei ihm einkaufen kann, geht ihm immer wieder durch den Kopf. Nicht zuletzt, weil die Idee seiner Frau am Herzen liegt, wie er sagt. Aber er ist noch nicht davon überzeugt, dass sich so ein Laden rentabel betreiben lässt. Ein Geschäft, bei dem er rote Zahlen schreibt, möchte er nicht riskieren. Dazu ist er zu sehr Geschäftsmann.

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