Coburg
Auftritt

Faszinierendes Konzert in der Coburger Morizkirche: Ovationen für Gäste aus London

Wie der Abschluss der Konzertsaison des Landestheaters durch das Gastspiel der Royal Choral Society London das Publikum in der Morizkirche faszinierte.
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Eindrucksvolles Finale der Konzertsaison des Landestheaters. Die "Sea Symphony" von Ralph Vaughan Williams erklang in der Coburger Morizkirche, gestaltet von der Royal Choral Society und dem Chor und dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters unter Leitung von Richard Cooke.Foto: Jochen Berger
Eindrucksvolles Finale der Konzertsaison des Landestheaters. Die "Sea Symphony" von Ralph Vaughan Williams erklang in der Coburger Morizkirche, gestaltet von der Royal Choral Society und dem Chor und dem Philharmonischen Orchester des Landestheaters unter Leitung von Richard Cooke.Foto: Jochen Berger
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Großer Bahnhof für die über 100 Choristen aus England am Montag abend in der Morizkirche vor vielen Ehrengästen und mit herzlichen Begrüßungsworten von Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Oberbürgermeister Norbert Tessmer und sogar dem eigens aus Berlin angereisten britischen Botschafter Sebastian Wood.

Coburg in London

Nachdem im Mai das Philharmonische Orchester des Landestheaters anlässlich der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag von Queen Victoria und Prinz Albert "Connections" mit London geknüpft hatte, gab es nunmehr im Rahmen des 7. Sinfoniekonzerts einen Gegenbesuch der Briten.

Umfangreiches Werk geschaffen

Während die Coburger bei ihrem Besuch Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Prinz Albert zur Aufführung brachten, standen jetzt Kompositionen von Sir Ralph Vaughan Williams auf dem Programm. Williams - er lebte von 1872 bis 1958 - schuf ein umfangreiches Werk nahezu aller Gattungen und rückte nach dem Tod von Edward Elgar (1934) auf den ersten Platz im englischen Musikleben. Er erhielt zahllose Auszeichnungen, darunter 1935 die Albert-Medaille der Royal Society of Arts. In Coburg erklangen schon vor drei Jahren seine Oper "Riders to the Sea" und einige Orchesterwerke beim jüngsten Open Air im Rosengarten.

Subtil gestaltet

Nun erlebte man zwei Kompositionen von Williams, die beide im Jahr 1910 entstanden und seine öffentliche Geltung endgültig festigten. Den Auftakt bildete seine "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis", in der er auf eine Melodie des englischen Renaissance-Komponisten zurückgreift. Das Werke ist für doppeltes Streichorchester und Streichquartett konzipiert, wodurch sich interessante räumliche Wirkungen und große dynamische Kontraste ergeben. Nach geheimnisvollem Beginn erklingt das Thema in den Celli, die es an die Violinen weiterreichen. Es gibt klangvolle Solostellen und schwelgerischen Tuttiklang, alles von den Streichern des Philharmonischen Orchesters unter der subtil gestaltenden Leitung von Richard Cooke makellos dargeboten.

"A Sea Symphony"

Hauptwerk des Abends war Williams monumentale 1. Symphonie mit dem Beinamen "A Sea Symphony" für Chor, Solisten und Orchester nach Worten von Walt Whitman aus dem Gedichtzyklus "Leaves of Grass", die als viersätzige Chor-Symphonie angelegt ist und dadurch formal eine Sonderstellung einnimmt, denn nur in Mahlers "Achter" begegnet man einem ähnlichen Werk mit durchgehendem Chorpart.

Hohe Anforderungen

Durchwegs hoch sind auch die Anforderungen an alle Mitwirkenden, die von Anfang bis Ende überlegen und eindrucksvoll bewältigt wurden. Da war die Sopranistin Olga Shurshina vom Coburger Landestheater, deren silbrige Stimme mit müheloser Höhe über den Chor- und Orchesterwogen schwebte. Einen kultivierten, tragfähigen Bariton ließ Daniel Ochoa als Gast von der Wiener Volksoper stets vorteilhaft ertönen.

Erstaunliche Präzision trotz der enormen Größe, Homogenität und Ausdrucksstärke wies die von Richard Cooke vorbildlich einstudierte Royal Choral Society auf, welche durch den Chor des Landestheaters verstärkt wurde, den Mikko Sidoroff zuverlässig einstudiert hatte.

Klangvoll musiziert

Gewohnt tadellos und klangschön musizierte das an diesem Abend in höchstem Maße geforderte Orchester des Landestheaters, das der mit den gespielten Werken bestens vertraute Richard Cooke mit deutlicher Zeichengebung temperamentvoll und sorgfältig gestaltend leitete.

Stehende Ovationen

Nach dem leise verklingenden Schluss des als Erstaufführung in Coburg zu hörenden, über einstündigen Werks gab es verdienten minutenlangen Beifall und Standing Ovations. Es wäre zu begrüßen, wenn die in diesem Jahr geknüpften Coburg-London-Connections weiterhin Bestand hätten!

Traditionsreicher Chor aus London zu Gast

Royal Choral Society Die Royal Choral Society wurde als "Royal Albert Hall Choral Society" kurz nach der Eröffnung der Royal Albert Hall im Jahr 1871 gegründet und gab am 8. Mai 1872 sein erstes Konzert. Schon bald wurde der Chor in "Royal choral Society" umbenannt. Namhafte Künstler prägten den Chor - von Charles Gounod bis Malcolm Sargent, der vier Jahrzehnte mit dem Chor arbeitete. charakteristisch für die Royal Choral Society ist ein breites Repertoire und die Aufführung vieler neuer Werke. So dirigierten giuseppe Verdi und Antonín Dvorák Aufführungen eigener Werke. Seit 1995 ist Richard Cooke Dirigent der Royal Choral Society. In der Historie des Chores finden sich viele Auftritte zu prominenten Anlässen - bei der Einweihung der Queen Mary II ebenso wie bei der Wiedereröffnung der Royal Festival Hall in London.

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