Rottenbach
Kundgebung

Farbe hilft gegen braune Gedanken der NPD

Die vielen Polizisten musste am Samstag am Rande eines internen Sommerfestes der NPD in Rottenbach (Landkreis Coburg) nicht eingreifen. Die Gäste der NPD-Feier und die Teilnehmer der Gegen-Kundgebung des Bündnisses "Wir sind bunt: Coburg Stadt und Land!" gerieten nicht aneinander.
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Mit Landrat Michael Busch und Alexandra Kemnitzer an der Spitze marschierte der Zug zum Veranstaltungsort des NPD-Sommerfestes nach Rottenbach. Foto: Bettina Knauth
Mit Landrat Michael Busch und Alexandra Kemnitzer an der Spitze marschierte der Zug zum Veranstaltungsort des NPD-Sommerfestes nach Rottenbach. Foto: Bettina Knauth
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"Nazis - nein, danke" und "Kein Platz für Nazis" stand auf den Transparenten, mit denen rund 50 Personen am Samstag gegen ein internes Fest der NPD am Ortsrand von Rottenbach demonstrieren. Den "Nazis entgegentreten" wollten auch Landrat Michael Busch (SPD) und Regionalmanager Stefan Hinterleitner. Sie taten dies gemeinsam mit dem Netzwerk für Menschenrechte und Demokratie, "Wir sind bunt: Coburg Stadt und Land!". Das überparteiliche Bündnis hatte zur Gegenkundgebung aufgerufen, um vor Ort ein deutliches Zeichen zu setzen, dass in der Region keine rechtsextremistische Partei geduldet und auch kein rechtes Gedankengut verbreitet werden soll.

Gegenüber, auf einem geschotterten Parkplatz kurz nach der Autobahnausfahrt Eisfeld-Süd, feierte der NPD-Kreisverband sein Sommerfest. Das Gelände gehört Hermann Schwede. Der heute 71-jährige Rottenbacher trat 2005 als Bundestagskandidat und 2013 als Landtagskandidat für die NPD an. Er ist der Sohn von Franz Schwede, der 1922 die NSDAP-Ortsgruppe Coburg gründete und im August 1930 in Coburg zum ersten Nazi-Bürgermeister einer kreisfreien Stadt in Deutschland gewählt wurde.

Am Samstag waren von der Straße nur die Rückseiten der Zelte und Zäune zu sehen, hinter denen die NPD feierte. Nur einige wenige Autos standen davor, dafür wurden fast 20 Polizeiwagen nach Rottenbach beordert. Einsatzleiter Joachim Mittelstädt ging von "etwa 25 Gästen" aus, die der Einladung der NPD gefolgt waren. "Ich gehe nicht davon aus, dass es Schwierigkeiten geben wird. Aber wir sind vorbereitet und können gegebenenfalls eingreifen", sagte Mittelstädt. Für den Einsatz hatte die Coburger Polizei die Unterstützung der Bereitschaftspolizei angefordert.

Bei einem Friedensgottesdienst in der Rottenbacher Matthäus-Kirche nahmen neben der Ortspfarrerin Dorothea Eichhöfer-Wunder, Pfarrer Dieter Stößlein (St. Moriz, Coburg) und der neue Pastoralreferent der Pfarreien St. Marien Coburg und Bad Rodach, Sebastian König teil. Die Predigt gegen Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Gewalt hielt Dekan Christoph Liebst. Anschließend zogen die rund 50 Personen gemeinsam mit Transparenten und Fahnen von der Ortsmitte Rottenbachs entlang zur NPD-Veranstaltung. Angeführt wurde der Zug von Landrat Michael Busch, Lautertals Bürgermeister Sebastian Straubel (CSU) sowie Regionalmanager Stefan Hinterleitner und Alexandra Kemnitzer vom Netzwerk "Wir sind bunt!"

Keine überflüssige Öffentlichkeit

Bewusst habe das Bündnis nur über seine internen Kanäle mobilisiert, sagte Kemnitzer, um den Rechten "nicht unnötig Öffentlichkeit zu verschaffen". Ein weiteres Transparent erinnerte mit der Forderung "NPD-Verbot jetzt statt Wahlkampffinanzierung vom Staat" daran, dass die Partei noch immer durch Steuergelder unterstützt wird. Mit Parolen wie "Nazis raus", "Ob Ost, ob West: Nazis sind ‘ne Pest!", durch ein Megafon verstärkt, protestierten die Gegendemonstranten am Ziel lautstark gegen die Präsenz der Rechten. Unterdessen versuchte Grundstücksbesitzer Schwede, die Rufer mit einer Motorsäge zu übertönen.

"Unser Ziel muss es sein, dieses Gedankengut hier auch aus den Köpfen zu verbannen", forderte Busch bei der anschließenden Kundgebung neben einem weiteren Grundstück des NPD-Politikers. Er rief auch dazu auf, sich mit den Ideologien und Personen auseinanderzusetzen.

DGB-Regionsgeschäftsführer Mathias Eckardt rief den Terror von Franz Schwede ins Gedächtnis: Über 150 Personen seien auf seinen Befehl hin Anfang März 1933 in Coburg inhaftiert und gefoltert worden. Nach dem Krieg wurde Franz Schwede wegen Misshandlung von Schutzhäftlingen zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sollte die NPD verboten werden, so warnte Eckardt mit Blick auf den "Dritten Weg", gelte es aufzupassen, dass nicht nur "das Schild ausgewechselt werde". Straubel fand es gerade in Erinnerung an den Kriegsbeginn vor 75 Jahren wichtig "Flagge zu zeigen" und forderte mehr politische Arbeit in den Schulen. "Wir sind weltoffen und tolerant. Wir sind bunt", machte der Bürgermeister deutlich, darin sei sich auch der Gemeinderat einig.

Während Eckardt an die Rottenbacher appellierte "den Kampf aufzunehmen", beklagten einige Einwohner die Gleichgültigkeit und Zurückhaltung ihrer Mitbürger. "Vielen ist es entweder egal oder sie halten sich aus Angst raus. Andere bieten gar gegen Bezahlung ihre Hilfe beim Aufbau der Zelte an", sagte eine Anwohnerin, die nicht genannt werden möchte. Wer nicht glaube, welches Leid das rechte Gedankengut in ihrem kleinen Dorf schon angerichtet habe, brauche sich nur das Ehrenmal anzuschauen, meinte Christine Gensel.

Der Landrat hatte in seiner Ansprache bedauert, dass bei der Demonstration die lokale Politik "ein wenig" fehle." Neben Straubel und dem Dritten Bürgermeister Lautertals, Martin Rebhan (SPD), war mit Udo Döhler (Dörfles-Esbach; UBV) nur ein weiterer Bürgermeister aus dem Coburger Land am Samstag nach Rottenbach gekommen.

NPD-Anzeige gegen Busch: Verfahren läuft

Nachdem das Landratsamt Coburg den für April 2013 in Rottenbach geplanten NPD-Parteitag durch Straßenunterhaltungsarbeiten verhindert hatte, stellte die NPD Strafanzeige gegen Landrat Michael Busch - wegen Nötigung, Rechtsbeugung und Untreue. Bei der Kundgebung am Samstag erinnerte Busch daran, dass diese Anzeige noch immer läuft: "Warum das so lang dauert, ist mir ein Rätsel." Gleichzeitig machte der Landrat deutlich, dass er notfalls vor Gericht ziehen werde: "Ich werde mich nicht auf Bußgeldzahlungen einlassen, dann führe ich den Prozess."
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