Coburg
Verhandlungen

"Es wird zu Streiks kommen": Mitarbeiter der Coburger Behinderten-Hilfe fordern Tarifvertrag

Die Mitarbeiter des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind" verlangen Bezahlung nach Haustarif, die Kommunikation mit der Geschäftsführung gestalte sich nach Ansicht von Verdi schwierig. Diakon Franz Schön wehrt sich gegen die Vorwürfe.
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Beim Ahorner Musikfestival bekräftigten die Mitarbeiter des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind" noch einmal ihre Forderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag.  Foto: Michael Stelzner
Beim Ahorner Musikfestival bekräftigten die Mitarbeiter des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind" noch einmal ihre Forderung nach einem einheitlichen Tarifvertrag. Foto: Michael Stelzner

Nun heißt es abwarten: Rund 400 Mitarbeiter des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind" bereiten sich aktuell auf Tarifverhandlungen vor. Auch Streiks sind nicht ausgeschlossen. Die drei Tochtergesellschaften des Vereins, die Heilpädagogischen Einrichtungen, das Schulförderzentrum sowie die Medizinisch-Therapeutischen Einrichtungen, wurden im vergangenen Jahr zu 51 Prozent von der Wefa (gemeinnützige Werkstätten für angepasste Arbeit) übernommen. Doch der Frust über die nach Ansicht der Mitarbeiter unfairen Löhne blieb.

Ein flächendeckender Haustarif auf Niveau des öffentlichen Dienstes, ein tarifgebundener Personalschlüssel und geregelte Fortbildungsmaßnahmen - das verlangt die Belegschaft von der Wefa-Geschäftsführung. Das Berliner Tarifsekretariat von Verdi muss die Forderungen nun bestätigen und die Verhandlungsaufforderung wiederum an den Arbeitgeber weiterleiten. "Dann geht es direkt los, hoffentlich noch vor den Sommerferien", sagt Magdalene Majeed, die als Verdi-Gewerkschaftssekretärin in engem Kontakt zu den Mitarbeitern steht.

Termine verpasst

Die Kommunikation zwischen den Betriebsräten und der Geschäftsführung habe sich dagegen weiter verschlechtert. Die direkten Vorgesetzten der drei Einrichtungen seien für die Probleme ihrer Belegschaft nicht mehr erreichbar. "Diakon Frank Schön nimmt viele Termine nicht wahr und liefert keine Begründung dafür", beschwert sich Majeed über den Wefa-Geschäftsführer. "Er erfindet Ausreden und hält die Betriebsräte seit Monaten hin." Schön selbst kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Er habe schließlich erst vor Kurzem an einer Sitzung des Betriebsrats teilgenommen. "Natürlich kam es schon mal vor, dass ich bei einem Treffen gefehlt habe, wenn andere furchtbar wichtige Sachen dazwischen gekommen sind", rechtfertigt sich der Diakon.

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Weiterhin ist auch unklar, ob der bisherige Betriebsrat abgeschafft und stattdessen eine Mitarbeitervertretung eingeführt wird. "Es wäre aber ein Betriebsübergang notwendig, um das umzusetzen", erklärt Majeed. "Ich hoffe, dass wir ihm dabei zuvorkommen. Ansonsten würden wir rechtlich dagegen vorgehen."

Auch die Option, die Medizinisch-Therapeutische Einrichtungen beispielsweise an Regiomed zu verkaufen, stehe im Raum. "Die Einrichtung hat eine andere Finanzierungsstruktur, weshalb Herr Schön nichts damit anfangen kann", erklärt Majeed. Im Fall einer Abspaltung wäre die Übernahme der Mitarbeiter nicht garantiert. "Ich denke, dass die Therapie erhalten bleiben würde, aber vielleicht in einer anderen Form."

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Die aktuelle Stimmungslage innerhalb der Belegschaft sei von Wut geprägt. Aber auch von der Hoffnung auf Veränderung. An zwei Sommerfesten bekräftigten die Mitarbeiter bereits mit bedruckten T-Shirts ihre Forderung nach einem Tarifvertrag. Dabei habe es sich aber um eher "niedrigschwellige" Aktionen gehandelt, meint Majeed. Sollte die Wefa die Verhandlungen ablehnen, werden die Mitarbeiter zu drastischeren Mitteln greifen. "Es wird zu Streiks kommen. Die Kollegen sind dazu bereit", versichert Majeed.

Schnelle Lösung für Tarifforderungen

Diakon Schön macht zumindest beim Punkt Personalschlüssel wenig Hoffnung auf eine Lösung. Der Hilfebedarf richte sich schließlich nach der Anzahl der Kinder, die eine Einrichtung besuchen. "Ich bin darum bemüht, so schnell wie möglich zu einem vernünftigen und aktuellen Tarif zu kommen", kommentiert er die Diskussion. "Ich arbeite mit meinem Team unter Hochdruck daran. Aber das geht eben nicht so schnell, wie es sich die Mitarbeiter wünschen."

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