Coburg
Erlass

Es muss nicht immer Holz sein

Die Anordnung, ab 1. Juni in jeder bayerischen Amtsstube ein Kreuz aufzuhängen, wird in den betreffenden Coburger Behörden umgesetzt.
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Diese Darstellung aus dem Alten Testament Martin Luthers haben die Mitarbeiter der Landesbibliothek ausgesucht. Repro: Landesbibliothek Coburg
Diese Darstellung aus dem Alten Testament Martin Luthers haben die Mitarbeiter der Landesbibliothek ausgesucht. Repro: Landesbibliothek Coburg
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Mit seiner Anordnung, dass ab 1. Juni in allen Dienststellen des Freistaates ein Kreuz im Eingangsbereich hängen soll, hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht nur Freunde gemacht. In den betreffenden Coburger Landesbehörden wird die Anweisung allerdings ohne Diskussion umgesetzt - zum Teil sogar auf höchst kreative Weise.
Die Mitarbeiter der Coburger Landesbibliothek haben sich "hausintern" in Sachen Kreuz-Erlass etwas Besonderes für ihren Eingangsbereich einfallen lassen, wie Leiterin Silvia Pfister dem Tageblatt berichtet. "Wir haben eine Erstausgabe des Alten Testamentes von Martin Luther, ein ganz seltenes Exemplar. Auf dem Titelblatt ist ein sehr schönes Kreuz", beschreibt Pfister. "Das werden wir herauspräparieren und im Eingangsbereich groß an die Wand hängen."


Gestalten darf jeder selbst

Von der vorgesetzten Dienststelle, der bayerischen Staatsbibliothek, sei lediglich die Bitte an die Landesbibliothek weitergeleitet worden, die Anordnung umzusetzen. Vorgaben für die Gestaltung des Kreuzes habe es jedoch nicht gegeben. Deshalb ist man in der Landesbibliothek nun am Überlegen, wie sich das Kreuz aus dem Luther-Testament am besten auf die Wand übertragen lässt.
"Wir überlegen, ob wir die Darstellung plan machen oder vielleicht in eine Form bringen, die etwas erhaben ist", erläutert Pfister. Zunächst werde es wohl erst einmal als Bild aufgezogen.
Das Original Kruzifix in der Bibel ist rund acht Zentimeter groß und von Hand koloriert, im Eingang der Landesbibliothek soll es etwas größer sein, zwischen 15 und 20 Zentimeter.
Diskussionen um die neue Bestimmung habe es nicht gegeben, sagt Silvia Pfister. Für bayerische Hochschulen, Museen und Theater gilt keine Verpflichtung, sondern lediglich eine Empfehlung. Die Landesbibliothek siedelt Pfister zwischen Universitäten und Museen an. "Aber da es unsere vorgesetzte Dienststelle so angeordnet hat, und auch der Bezug zu unserem Bestand hergestellt wird, machen wir es."
Ähnlich sieht es Alexander Wolz, Leiter des Coburger Staatsarchivs in der Herrngasse. "Das ganze ist eine Änderung der Geschäftsordnung und daran sind wir gebunden." Bisher hängt im Staatsarchiv noch kein Kreuz, was daran liegt, dass die Zentralverwaltung der Staatlichen Archive Bayerns kurzfristig entschieden hat, die Kreuze für die Dienststellen nun doch nicht gesammelt zu beschaffen. Nun muss sich jedes Archiv selbst um ein Kreuz kümmern.
"Das tun wir jetzt", sagt Alexander Wolz und lacht. "Wenn wir noch eines kriegen!" Dass jede Dienststelle selbst ein Kreuz besorgen soll, findet er sogar gut. "Es soll ja ästhetisch und visuell etwas hermachen und zu unserem Haus passen." Er persönlich stelle sich etwas Schlichtes, Modernes, vielleicht mit geschwungenen Formen vor. Allerdings, so gibt er zu, im ersten Moment habe er schon daran gedacht, bei den Kunstsammlungen nachzufragen, ob sich nicht vielleicht im Magazin ein etwas pompöseres Exemplar finde, das sich das Staatsarchiv leihen könnte. "Aber das würde wohl den Rahmen sprengen."


Kreuz-Laden war geschlossen

Eine Kollegin hole nun Angebote ein und dann werde im Team "demokratisch" beschlossen, welches Kreuz angeschafft wird und wo genau es hängen soll. Wolz: "Ich bin guter Dinge, dass wir etwas finden."
Auch im Coburger Vermessungsamt im Marstall hängt das Kreuz noch nicht, "aber die Beschaffung läuft", versichert Amtsleiter Thomas Hegen. Es müsse gar kein besonderes Exemplar sein, "aber es soll konkret in einem christlichen Laden gekauft werden", so Hegen. Den passenden Laden habe man sich auch schon ausgesucht, "aber der hatte die ganze Zeit zu". Wo das Kreuz hängen soll, sei dagegen schon klar. Mit 40 bis 50 Zentimeter werde es auch gut zu erkennen sein. Hegen: "Es soll ja nicht versteckt irgendwo hängen."
Zu den Behörden und Verwaltungen, für die der Kreuz-Erlass zwingend ist, gehören laut Innenministerium auch Polizeiinspektionen, Wasserwirtschaftsämter, Finanzämter, Baubehörden und Justizgebäude. Letztere sind in Coburg bereits mit Kreuzen ausgestattet, wie Justiz-Sprecher Daniel Kolk bestätigt. Auch bei der Coburger Polizei hängt bereits ein Kreuz, im Bereich der Wache, und bei der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, die in Coburg für die Veste, die Ehrenburg und die Rosenau zuständig ist, wurden rechtzeitig zum 1. Juni Kreuze bestellt.
Ganz anders sieht es übrigens in der Coburger Stadtverwaltung und im Landratsamt aus: Zwar übernehmen beide Behörden auch staatliche Aufgaben, die Immobilien gehören aber ihnen. Damit haben Oberbürgermeister Norbert Tessmer und Landrat Michael Busch die Verfügungshoheit. Der Kreuz-Erlass ist für beide Behörden daher nicht verpflichtend, sondern nur eine Empfehlung.
Dementsprechend werden im Coburger Rathaus, wie Pressesprecher David Schmitt berichtet, und auch im Landratsamt keine Kreuze aufgehängt. "Wir zählen nicht dazu und wir werden das auch erst einmal nicht machen", lässt OB Tessmer durch seinen Pressesprecher mitteilen.
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