Bad Rodach
Matinee

Es geht weiter mit dem "Land des Lächelns"

Die musikalischen "Alten Hüte" von Bernhard Maxara und Familie lockten viele Besucher zum Vormittagsprogramm auf die Waldbühne.
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Musikalische Spaßmacher bei der Matinee der Sommeroperette Heldritt (von links): Elfriede Mohrenberger und Bernhard Maxara, Alexandra Reinprecht,  Horst Hubmann, Reinhardt Schmidt. Carolin Herrmann
Musikalische Spaßmacher bei der Matinee der Sommeroperette Heldritt (von links): Elfriede Mohrenberger und Bernhard Maxara, Alexandra Reinprecht, Horst Hubmann, Reinhardt Schmidt. Carolin Herrmann
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Da zerrt man einen alten Hut aus dem Schrank und stellt erstaunt fest, wie gut er noch passt, wie modisch der doch plötzlich wieder ist, wie aktuell. Nostalgie, mon ami? Na und. - So verhielt es sich mit dem munteren musikalischen Programm, das Bernhard Maxara für die Matinee der Sommeroperette Heldritt aus einem früheren Programm zusammengestellt hatte und durch das er witzig und versiert führte.

Am Klavier begleitete, alles wohlwollend tragend, der musikalische Direktor der Sommeroperette, Reinhard Schmidt. Große Begeisterung im schon überraschend zahlreich gekommenen Publikum nach den gut anderthalb Stunden an frechen frühen Liedern und ganz viel Wiener Schmäh, dessen ordentliche Portion Bösartigkeit ja die entscheidende Würze bringt.

Was für ein Zungenbrecher

Oder was soll man sagen, wenn die gute Frau den Nowotny nicht leiden kann - auch wenn sie mittlerweile drei Kinder von ihm hat. Und Georg Kreislers Blick nach Böhmen mit verrücktem Zungenbrecher aus tschechischen Namen des Anfangsbuchstabens V - Wahnsinn, wie der Maxara das durchhielt.

Die Matinee bleibt auch bei der unter neuen Bedingungen reaktivierten Sommeroperette auf der Waldbühne Heldritt fester Bestandteil des Programmes.

Bernhard Maxara, bereits Mitbegründer der Coburger Sommeroperette vor über 25 Jahren und schon lange in Coburg lebend, war familiär wienerisch angerückt, nicht nur mit seiner Lebensgefährtin Elfriede Mohrenberger, deren süffisante, spaßige und altersreife Diseusenkunst in eben die letzten Wiener Winkel zieht, sondern auch mit deren an den großen Häusern engagierten Tochter Alexandra Reinprecht und wiederum deren Lebensgefährten Horst Hubmann. Was nicht nur gesanglich-technisch, sondern auch atmosphärisch die besten Voraussetzungen bot, um sozusagen "intim" zu werden, mit frechen Alltagsgeschichten der kabarettistischen Komponisten vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Mensch, die scheuten wenig.

Sarkastisches

Dass die vielseitige Sopranistin Alexandra Reinprecht und Horst Hubmann mit seinem warmen, fülligen Bariton glaubhaft Liebesduette lieferten - aber selbstverständlich. Doch erst jenseits des wohligen Gesäusels, im Sarkasmus etwa bei Otto Reuthers tagelangem Blusenkauf der Frau Suse, da war dann dieses Prickeln zu spüren, das gute alte Songs bestimmt ewig weitertragen.

Ob das wienerische Geheimnis langjähriger Partnerschaft empfehlenswerte Brachialphilosophie ist oder nicht, darf jeder selbst entscheiden: "Mei Olde säuft so viel wie i, daher die große Symphathie."

Es geht weiter mit dem "Land des Lächelns" Ein wichtiges Etappenziel erreicht hat die neue Sommeroperette Heldritt. Gestern ging ihre erste Saison nach dem Zusammenbruch der früheren Coburger Sommeroperette mit einer Nachmittagsvorstellung von Carl Michael Ziehrers "Die Landstreicher" zu Ende.

Insgesamt sahen seit der Premiere am 9. August etwa 3200 Zuschauer die in Kooperation mit der Pramtaler Sommeroperette präsentierte, erfrischend dargebotene Posse mit Gesang, mehr als erwartet. "Wir liegen absolut im Plan", fasst Harald Wurmsdobler, 1. Vorsitzender der neuen Sommeroperette, nach den sieben Vorstellungen zusammen. Schließlich muss regionweit erst ins Bewusstsein dringen, dass das sommerliche Operettenvergnügen auf der idyllischen Waldbühne wiederbelebt wurde. Außerdem hielt das regnerische Wetter der letzten Tage sicher eine Reihe von Zuschauern vom Besuch ab.

Keine Frage, der Trägerverein, der in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Heldritt und der Stadt Bad Rodach agiert, macht weiter: Mit einer Inszenierung von Franz Lehárs Operette "Das Land des Lächelns". Heuer fröhlicher Klamauk, nächstes Jahr die eher zu Herzen gehende Operette - "das Genre hat so viel zu bieten", sagt Wurmsdobler, was noch ein Grund mehr ist, den alten Operettenort Heldritt wieder zur Blüte zu führen.

Dabei war der Einsatz des großen Ensembles, die Pramtaler Sommeroperette, das österreichische Salonorchester sINNfonietta unter Leitung von Reinhard Schmidt und der große Kreis von lokalen Helfern, kein gelassener Sommerspaziergang. Erst Montag vor der freitäglichen Premiere begannen die Proben und die spaßige Anpassung an die coburgischen Gegebenheiten. "Doch die Künstler fühlen sich hier sehr wohl und wollen gerne wiederkommen", versichert Harald Wurmsdobler, was auch der freundlichen Versorgung durch die Ehrenamtlichen und die örtlichen Vereine zu danken sei. C.H.

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