Laden...
Coburg
Interview

Es darf gelacht werden: "Miss Verständnis" in Coburg

Die Kabarettistin Constanze Lindner kommt am Donnerstag, 12. März, nach Coburg. Um Missverständnisse zu vermeiden, hat die "Miss Verständnis" ein paar Ratschläge.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kabarettistin Constanze Lindner gastiert am Donnerstag in St. Augustin in Coburg.Foto: MartinaBogdahn
Kabarettistin Constanze Lindner gastiert am Donnerstag in St. Augustin in Coburg.Foto: MartinaBogdahn

Für ihr aktuelles Solo-Programm, das sie am Donnerstag, 12. März, 20 Uhr, im Pfarrzentrum St. Augustin in Coburg präsentiert, schlüpft Constanze Lindner unter anderem in die Rolle der "Miss Verständnis". Im Interview spricht die bayerische Kabarettistin über ihr schönstes Missverständnis, warum sie es liebt, Menschen zu beobachten und warum ihrem Charme noch nie ein Zuschauer widerstehen konnte.

Tageblatt:

Sie kommen mit Ihrem neuen Programm "Miss Verständnis" nach Coburg. Hat der Titel schon zu Missverständnissen geführt? Immerhin könnte man auch ein geistig-philosophisches Programm im Sinne der Aufklärung des 18. Jahrhunderts dahinter vermuten, welches den Verstand aus weiblicher Sicht in den Mittelpunkt stellt.

Constanze Lindner: Uiii, was für eine Einstiegsfrage! (lacht) Nein, nein, so weit geht es nicht! Wir bleiben zeitlich im Hier und Jetzt und ab und zu schweife ich ab. Es ist ein Wechselspiel mit möglichen Missverständnissen - wie man die nun auslegt, bleibt offen. Bei mir darf man das nicht zu ernst nehmen!

Wie wird man eigentlich "Miss Verständnis" und welche Eigenschaften muss man dafür mitbringen?

Ach, zur Miss Verständnis wurde ich gekürt, weil ich alles verstanden habe, versteht ihr! Ich war aber auch schon Miss Lungen oder Miss Geschick, ach, ich war schon so viele Missen und ich möchte keine Miss meiner Missen missen müssen!

Sie lieben den Kontakt zum Publikum und unterhalten sich gerne mit den Zuschauern bei Ihren Auftritten. Was haben Sie dabei schon alles so erlebt?

Ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass es zu meinem Markenzeichen geworden ist und die Zuschauer schon fast beleidigt sind, sollte ich sie nicht niederknutschen oder umarmen. Ich bin ein Menschenfreund. Natürlich arbeite ich viel mit dem Publikum, weil es zu meinen Stärken gehört. Aber ich würde mich nie über mein Publikum lustig machen oder jemanden vorführen! Das ist nicht meine Art und das wissen meine Fans. Deswegen vertrauen mir alle. Es gab noch nie jemanden, der sich mir verweigert hätte. Wer kann meinem Charme schön widerstehen (lacht), ich habe Achtung vor meinem Publikum. Ach, übrigens 2012 war ich mal Miss Achtung!

Der französische Aphoristiker François de La Rochefoucauld hat einst gesagt: "Die glücklichsten Liebschaften basieren auf gegenseitigem Missverständnis." In Ihrem neuen Programm taucht auch Dauer-Single Cordula Brödke wieder auf, die unsterblich in Herrn Bauer verliebt ist, der allerdings nichts davon weiß. Hat Cordula Brödke damit nicht beste Voraussetzungen, um glücklich zu werden?

Cordula ist eine unglaubliche Persönlichkeit. Völlig furchtlos, völlig echt! Natürlich ist sie sehr schräg, denn auch ihr ganzes Leben basiert auf Missverständnissen. Sie sieht ihre Welt eben anders. Wenn Cordula liest, "Brot für die Welt", dann würde sie ein Brot kaufen, eine Briefmarke darauf kleben und als Adresse "Die Welt" schreiben und es verschicken. Das ist ihre Welt. Sie ist für mich aber gleichzeitig ein moderner Peter Pan. Und natürlich auf der Suche nach der großen Liebe!

Sie lieben es in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Neben Cordula Brödke wird in "Miss Verständnis" auch wieder die resolute Oma zu sehen sein. Was macht für Sie den besonderen Reiz aus, unterschiedliche Figuren zu spielen?

Ich liebe es, Menschen zu beobachten, hier hole ich mir meine Inspiration. Jede meiner Figuren wird von mit komplett angelegt. Alle meine Figuren haben eigene Lebensläufe, Geschichten und Erfahrungen. Somit ist es für mich ein Leichtes, in sie hineinzuschlüpfen. Das größte Kompliment ist für mich, wenn das Publikum das Gefühl hat, da steht eine völlig andere Person auf der Bühne. Und das ohne viel Schnickschnack, nur schnell "ne Mütze oder Jacke, fertig! Sie lassen sich mitreißen in die einzelnen "Welten" und haben nicht eine einzige Sekunde das Gefühl, die Lindner spielt jetzt Oma. Nein, sie ist Oma! Wenn ich Figuren einstudiere, kann es schon mal sein, dass ich tagelang als diese Figur zuhause rumalbere. (lacht) Das hat schon was. Wenn es für meine Familie auch manchmal anstrengend ist.

"Miss Verständnis" ist Ihr drittes Solo-Programm. Sie haben davor in zahlreichen Filmen und Bühnenproduktionen mitgespielt. Es hat allerdings über elf Jahre gedauert, bis Sie erstmals mit einem Solo-Programm aufgetreten sind. Warum haben Sie solange gewartet?

Ja, es stimmt, es hat ein bisschen gedauert. Kollegen und Freunde haben mich irgendwann bestärkt, ein Solo zu machen. Ich komme von der Bühne, ich bin ein Ensemble-Tierchen. Der Schritt dann völlig alleine auf die Bühne zu gehen, war für mich eine große Herausforderung, das hat mich zunächst verunsichert. Aber dann habe ich gedacht, du hast ja deine Figuren dabei, du bist nicht alleine! Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ich habe ja auch so ein tolles Team um mich herum.

Sie haben sich für Ihr aktuelles Programm sicherlich intensiv mit dem Thema "Missverständnis" auseinandergesetzt. In welchen Lebensbereichen entstehen die meisten Missverständnisse?

Wir haben verlernt miteinander zu sprechen. Vieles passiert über SMS oder Mails. Und dann sind ganz schnell Missverständnisse an der Tagesordnung. Leut, redet wieder miteinander! Das ist so wichtig! In meinem Programm geht es ja auch um Missverständnisse, im Sinne davon, wie man was interpretieren will! Die Miss Verständnis hat sowohl viel Verständnis, aber möglicherweise auch viel missverstanden.

Ihre Auftritte in Oberfranken finden zum Weltfrauentag statt. Missverstehen sich eigentlich Männer und Frauen besonders häufig?

Das ist bei uns zu Hause echt ein großes Thema! Wenn wir uns streiten, dann weil wir uns missverstanden haben. Er dachte "so" und ich verstehe eben "so". Aber seitdem ich als Miss Verständnis das Zepter in der Hand habe, ist Ruhe! Das hat mein Mann verstanden!

Kann es manchmal auch vorteilhaft sein, Dinge misszuverstehen?

Klar, sonst wäre ich nicht die, die ich bin!

Sie kommen gebürtig aus München. Ein Dialekt kann durchaus auch zu Missverständnissen führen. Wie gut sind Sie sprachlich auf das oberfränkische Publikum vorbereitet?

Das stimmt, es gab schon viele Situationen, wenn ich im Norden spiele, also jetzt richtig echter Norden, da kennt man einige Begriffe nicht. (lacht) Aber, liebes Oberfranken, das kann uns nicht passieren, wir verstehen uns auch blind!

Sie haben sich schon früh für die Schauspielerei interessiert, haben dann aber zwei Jahre lang festangestellt für eine Plattenfirma in der Presseabteilung gearbeitet. Was hat Sie bewogen, sich ganz der Schauspielerei zu widmen?

Oh, ich hatte öfter "Ausreißer ins echte Leben" wie ich immer sage, Plattenfirma, Fotografie, Redaktion, Marketing, hab" aber immer mit einem Bein auf der Bühne gestanden. Und mein letzter Chef, ein sehr lieber Freund von mir, hat mir "zwangsgekündigt". Er hat gesagt: "Du gehörst auf die Bühne, wir müssen dich mit der Welt teilen!" Das fand ich entzückend. Und dann ging alles sehr schnell. Ich bin sehr dankbar, denn jetzt mache ich das, was ich am besten kann.

Sie sind seit fast einem Jahr mit ihrem Programm "Miss Verständnis" auf Tour. Welches waren bislang Ihre schönsten Erlebnisse?

Jeder Abend ist ein bisschen anders, da ich ja oft spontan bin, wenn etwas im Publikum passiert oder ich plötzlich abschweife. Das Schönste für mich ist immer, wenn mir das Publikum ein großartiges Feedback gibt. Da ist von Tränen lachen bis zu völliger Erschöpfung alles dabei. Ich bin ja immer vor und nach dem Programm mit meinem Publikum zusammen, wir ratschen und machen Fotos und somit bekommt das alles noch mal eine ganz persönliche Note.

Ein Kritiker hat ihr neues Solo-Programm als "bunt gemixte kabarettistische Schlachtplatte" bezeichnet. Sie präsentieren unter anderem bei Ihrem Auftritt auch Typen-Kabarett sowie Musik- und Tanzeinlagen. Nach welchen Kriterien stellen Sie die Inhalte Ihres Bühnenprogramms zusammen?

Ich verarbeite Dinge, die mir passieren oder mich beschäftigen. Das mit dem Singen und Tanzen, das machen meine Figuren, das kann dann schon mal sehr schräg sein. Denn sie bleiben ja in der Rolle. Ich habe ein tolles Team um mich, meine Co-Autoren Michael Altinger und Alex Liegl, meine Regisseurin Gabi Rotmüller, meine Agentur - wir kennen uns schon so lange und so gut! Wir sitzen dann zusammen und spinnen herum und entwickeln eine roten Faden oder beschließen, "Hey, jetzt könnte doch die Cordula mal ein Liebeslied singen", wobei singen trifft es da nicht so ganz, sagen wir mal so, sie hängt Töne aneinander!

Wenn Sie jemand bislang noch nie gesehen hat. Wie würden Sie Ihren Kabarett-Stil in einem Satz beschreiben?

Ein un-missverständlich lustiges Typenkabarett-Spektakel!

Und warum sollte man sich "Miss Verständnis" unbedingt anschauen?

Wer sich diesen Abend nicht ansehen will, bekommt richtig Probleme. Verständnisprobleme. Verstanden?

Da Sie als "Miss Verständnis" Expertin sind: Haben Sie ein paar praktische Tipps, wie sich Missverständnisse vermeiden lassen?

Bester Tipp! Mich bei einem Missverständnis sofort anrufen, ich komm dann vorbei und kläre das auf meine unmissverständliche Art!

Was war Ihr schönstes Missverständnis?

Uiii, ein paar Geschichten gibt es schon, aber einige darf ich hier nicht öffentlich erzählen. Aber was auch schön war: Beim Thurn & Taxis-Kabarettpreis haben die Juroren die Gewinner von hinten nach vorne bekannt gegeben. Ich wurde dann als Letzte aufgerufen und hab mir die ganze Zeit gedacht: "Hey, also jetzt letzter Platz - ach schade!". Auf der Bühne haben sich alle gewundert, warum ich mich nicht freue. Bis man mich aufgeklärt hat. Dann war die Freude riesig! Für mich ein klassisches Missverständnis.

Und welches war Ihr schlimmstes Missverständnis?

Das werde ich niemals nie nicht verraten! Ich wiederhole niemals nie nicht!

Denken Sie, dass Ihnen jemand den Titel "Miss Verständnis" streitig machen kann?

Das könnte dann ja wohl nur eine sein! Die Miss Gunst!

Was wird die Besucher bei Ihrem Auftritt in Coburg erwarten?

Sie müssen alle sehr stark sein, denn ich komme mit geballter guter Laune.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für Ihren Auftritt?

Dass wir im Anschluss gemeinsam singen: "Wir wollen niemals auseinander gehn!" Ich freu mich auf euch!

Karten beim Tageblatt

Termin Constanze Lindner präsentiert ihr Bühnenprogramm "Miss Verständnis" am Donnerstag, 12. März, 20 Uhr, im Pfarrzentrum St. Augustin in Coburg (Obere Klinge 1). Vorverkauf Karten im Vorverkauf gibt es in der Tageblatt-Geschäftsstelle in der Hindenburgstraße 3a in Coburg.