Coburg
Projekt

Erster Schritt zum Coburger Stadtmuseum? "Rückert 3" zeigt fahrbare Kunst und mehr

24 Jugendliche der Coburger Berufsschule haben für einen neuen Ausstellungsraum in der Rückertstraße mobile Unterschränke angefertigt. Damit bieten sie den historischen Exponaten der Stadt zukünftig die passende Plattform.
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Lehrer Christian Burger sagt seinen Schülern Nils Leipold und Simeon Wolff (von links), wo es mit den Vitrinen lang geht.  Foto: Teresa Hirschberg
Lehrer Christian Burger sagt seinen Schülern Nils Leipold und Simeon Wolff (von links), wo es mit den Vitrinen lang geht. Foto: Teresa Hirschberg

Bis auf den letzten Drücker haben die Handwerker gearbeitet, nur die Lampen fehlen noch: In die Rückertstraße 3, gegenüber der Westseite des Schlosses Ehrenburg, zieht ab September Kunst ein. Die Städtischen Sammlungen werden hier gemeinsam mit dem Puppenmuseum einen Teil ihrer Exponate in Glasvitrinen ausstellen. Für die optimale Präsentation haben Schüler der Coburger Berufsfachschule fahrbare Untersetzer gebaut.

Die Eröffnung eines stadteigenen Museums scheiterte bisher am Fehlen eines geeigneten Standorts. Auch die Steingasse sowie der Güterbahnhof wurden zwischenzeitlich als Optionen gehandelt. Mit dem Ausstellungsraum "Rückert 3" eröffnet am 7. September in den Räumen des ehemaligen Elektroladens "Holzberger & Koch" wenigstens eine kleine Version eines Stadtmuseums.

Passend zum Lehrplan der Berufsschüler

Gleich nach seiner Amtseinführung im November 2018 wurde Berufsschulleiter Gerhard Schmid auf eine mögliche Kooperation zwischen dem Staatlichen Schulzentrum I und den Städtischen Sammlungen angesprochen. "Meine erste Frage dazu war: Passt das Projekt überhaupt in den Lehrplan?", erzählt Schmid. In Absprache mit den Fachlehrern Christian Burger, Bernd Moser, Michael Röder und Tobias Bärmann sowie Museumsleiterin Christine Spiller wurde das Bauprojekt "Rückert 3" dann unterrichtsgerecht konzipiert.

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Rund vier Wochen lang haben 24 Schüler an den Unterschränken gearbeitet. Und dabei nach Schmids Ansicht etwas Dauerhaftes produziert: "Das ist eine tolle Möglichkeit für die Schüler, um sozial aktiv zu sein und den Bildungseinrichtungen der Stadt Coburg etwas zurückzugeben."

Recycelte Vitrinen für Coburger Exponate

Der Name "Rückert 3" wurde in der Kultur- und Schulsenatssitzung beschlossen, die Räume dafür hat der Stadtrat den Städtischen Sammlungen zur Verfügung gestellt. Die Vitrinen selbst stammen noch aus der Bayerischen Landesausstellung von 2017. Zum einfacheren Transport sind an allen Unterschränken Rollen angebracht, die rote Farbe greift das Konzept des Puppenmuseums auf.

Christian Burger ist Fachbetreuer für Holzarbeiten am Staatlichen Schulzentrum und hat die Arbeit der Schüler begleitet. "Die Unterschränke waren eine Art Abschlussarbeit, bei der sie das Gelernte aus dem vergangenen Schuljahr anwenden konnten." Das Projekt sei aber nicht die erste praxisnahe Kooperation der Berufsschule: Für das Coburger Landratsamt haben die Jugendlichen beispielsweise schon Aufsteller gebaut.

Priorität bei solchen Projekten habe die Vereinbarkeit mit dem Lehrplan der jeweiligen Klasse. "Das besondere an diesem Projekt ist, dass wir nicht für einen erfundenen, sondern für einen echten Kunden gearbeitet haben", sagt Burger. "Nach diesem Jahr wird jeder der Schüler fähig sein, auch draußen kundengerecht zu arbeiten."

Was lange währt ...

Hauptsponsor des Projektes ist die Stiftung von Horst Ludwig Weingarth. Für die erste Ausstellung im September will der Rödentaler auch Gemälde aus seinem privaten Kunstbestand zur Verfügung stellen. Für den späten Umsetzungszeitpunkt der Museumspläne hat er jedoch kein Verständnis. "Die Stadt wünscht sich schon seit Jahrzehnten ein eigenes Stadtmuseum", kritisiert Weingarth. "Ich bin sehr verwundert, dass angeblich kein Geld da ist, um in den eigenen Räumen wenigstens ein kleines Museum zu eröffnen. Das Projekt wäre auch jetzt wieder gescheitert, wenn nicht Privatpersonen investiert hätten."

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10 Glasvitrinen in verschiedenen Größen haben die Berufsschüler mit fahrbaren Unterschränken ausgestattet.

20.000 Relikte befinden sich in den Städtischen Sammlungen. Derzeit werden sie in der Uferstraße aufbewahrt.

"Rückert 3": Eröffnung für Herbst geplant

Der Ausstellungsraum "Rückert 3" wird offiziell am 7. September im Rahmen der Museumsnacht eröffnet. "Die Vitrinen werden aber erst noch ein bisschen geschont", sagt Christine Spiller, Leiterin des Coburger Puppenmuseums. Zur Museumsnacht sollen im Ausstellungsraum nämlich zunächst nur Gemälde zu sehen sein. Ab 2020 werden aber auch in die Glasvitrinen Kunstobjekte einziehen, darunter beispielsweise Grafiken oder dreidimensionale Exponate.

Zur Vorgeschichte: Wo soll das Stadtmuseum Coburg errichtet werden?

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