LKR Coburg
Verluste

Ernteausfall im Coburger Land schlimmer als im Jahr 2003

Die Bauern der Region rechnen mit erheblichen Ernteausfällen von 30 Prozent und mehr, was zu harten finanziellen Verlusten führen wird.
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Wolfgang Schultheiß, Jürgen Heymann und Hans Rebelein begutachten Zwiewuchs und Bodenrisse in einem Feld mit Wintergerste bei Großgarnstadt.Rainer Lutz
Wolfgang Schultheiß, Jürgen Heymann und Hans Rebelein begutachten Zwiewuchs und Bodenrisse in einem Feld mit Wintergerste bei Großgarnstadt.Rainer Lutz
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Das Jahr 2003 mit Rekordwerten nach oben bei den Temperaturen und nach unten bei den Niederschlagsmengen, galt bisher als das Extrem der vergangenen Jahrzehnte, wenn es um die negativen Auswirkungen für die Landwirtschaft ging. 2018 könnte nun sogar noch höhere Verluste für die Bauern mit sich bringen, erklärten Interessenvertreter des Berufsstandes am Mittwoch im Coburger Land. Im Schnitt müsse mit Ertragseinbußen von etwa 30 Prozent gerechnet werden.
Der Grund ist das vergangene Jahr. 2017 war besonders reich an Niederschlägen. Das brachte schon Probleme bei der Aussaat von Feldfrüchten, die heuer geerntet werden. "Im August war es zu feucht. Der Raps kam spät raus und entwickelte sich dann schlecht. Dafür kam das Unkraut stark auf", erklärt Wolfgang Schultheiß, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in Coburg. Ähnlich ging es der Wintergerste, die ebenfalls oft sehr feucht gesät wurde und dann mit Krankheiten zu kämpfen hatte.


Boden extrem trocken

Weizen ließ sich auf manchen Feldern, für die er gedacht war, gar nicht mehr säen. "Auf diesem Acker habe ich Wintergerste angebaut, weil es mit Weizen nicht ging", erklärt Jürgen Heymann. Das Feld liegt nahe Großgarnstadt. Zwischen den Getreidehalmen fällt der Blick auf einen Boden voller Risse. So ausgetrocknet ist die Erde, dass in manche der Spalten eine Hand problemlos hinein passt, wie BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein demonstriert.


Probleme in Reihe

Trotz der Probleme im vergangen Jahr, standen die meisten Feldfrüchte im Januar noch recht passabel auf den Flächen. Dann kam der Frost und traf die aufgelaufenen Saaten mit aller Härte, weil der Schnee ausgeblieben war. "Das hat den nächsten Schaden gemacht", erklärt Wolfgang Schultheiß. Und es ging weiter. Nach dem vergleichsweise langen Winter kam die Trockenheit und ließ den Boden steinhart werden.
Als dann endlich doch Regen kam, führte er in vielen Beständen zu so genanntem Zwiewuchs - ein Teil der Pflanzen wurde wieder grün. Diese verspätete Neubildung von Halmen ist für die Ernte ein Problem. Die Qualität des Getreides wird dadurch stark gemindert. Betroffen ist in diesem Jahr besonders auch der Raps. Wie bei allen anderen Früchten gilt auch für ihn, dass es regional im Coburger Land große Unterschiede gibt, wie sich das Wetter auswirkte. Trotzdem steht für Wolfgang Schultheiß fest: "Ich glaube, der Raps war insgesamt noch nie so schlecht". Manche Felder würden wohl gar nicht zu ernten sein, andere hätten Ausfälle von "nur" 30 Prozent. Im Mittel schätzt er den Verlust beim Raps im Coburger Land auf 50 Prozent.


Wetterdaten extrem

"Es gab sehr große Unterschiede. Manche Ecken haben praktisch gar keinen Niederschlag bekommen, in anderen Gebieten des Landkreises ging es gerade noch", sagt Hans Rebelein. Das zeige sich gerade am Mais sehr deutlich. Während auf dem einen Acker die Pflanzen schon Zimmerhöhe erreicht haben, könne der Mais wenige Kilometer weiter in Hüfthöhe dahin kümmern. Hans Rebelein hat die Daten parat, die an der Wettermessstation bei Birkenmoor erhoben wurden. Dort blieb die Niederschlagsmenge von Januar bis Juli mit 36,2 Millimetern mehr als 40 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Die Durchschnittstemperatur des ersten Halbjahres lag mit 10,3 Grad gute 30 Prozent über dem langjährigen Mittelwert.
Weil das vergangene Jahr gerade beim Grasschnitt besonders ertragreich war, hält sich die Futternot auf den Höfen bisher in Grenzen. Die Vorräte reichen noch. Aber die Ernteverluste belasten die Vorratsplanung für das kommende Jahr. Verluste einerseits und die Notwendigkeit womöglich Futter zukaufen zu müssen, das schlägt direkt auf die Einkommen der bäuerlichen Familienbetriebe durch.
Dass Brach- und aus der Bewirtschaftung genommene Acker- oder Dauergrünlandflächen jetzt zur Futtergewinnung herangezogen werden dürfen, wie das Bayerischer Agrarministerium entschied, ist für Hans Rebelein eher ein Tropfen auf den heißen Stein. "Es ist besser als nichts, aber es wird keinen Landwirt retten", sagt er dazu. Entscheidend sei, dass die Ernte im kommenden Jahr wieder einigermaßen normal ausfalle. Tut sie das nicht, werde es extrem hart für die Landwirtschaft.
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