Coburg
Gerichtliche Betreuung

Entscheider über Geld und Gesundheit: So läuft es, wenn das Gericht einen Betreuer bestellt

Was tut eigentlich ein gerichtlicher Betreuer? Damit beschäftigen wir uns in unser Serie zum Thema Vorsorge. Ein Beispiel aus Coburg.
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Die Vorsorgevollmacht, die der Patientenverfügung beigelegt werden sollte,   ist eine wertvolle Information für Ärzte, Angehörige und Betreuer. Jens Schierenbeck/dpa
Die Vorsorgevollmacht, die der Patientenverfügung beigelegt werden sollte, ist eine wertvolle Information für Ärzte, Angehörige und Betreuer. Jens Schierenbeck/dpa

Manchmal muss Jürgen Wittmann ganz plötzlich über Vermögen, Aufenthaltsort und sogar über grundlegende medizinische Fragen im Leben fremder Menschen entscheiden. Das ist es, was Betreuer tun. Sie lösen Probleme, wenn jemand es nicht mehr selbst kann. Dabei sollen sie die Interessen des Betreuten wahren und auch seine Wünsche berücksichtigen. Aber woher wissen sie, was er gewollt hätte?

Ein Nahestehender, den der Betroffene vorher per Betreuungsverfügung dazu bestimmt hat, im Notfall für ihn zu sprechen, kennt sein Weltbild. Berufsbetreuer wie Jürgen Wittmann fragen die Verwandten, wie der Mensch sich dazu geäußert hat und arbeiten mit dem, was schriftlich fixiert ist. Manchmal gibt es nichts, womit wir arbeiten können." Das sind die schlimmsten Fälle.

Entscheider über Leben und Tod

"Gestern war ich bei einem Mann im Krankenhaus. Verkehrsunfall." Wittmann erklärt, dass der Patient sich nicht äußern kann und niemand da ist, der dies für ihn tun darf, weshalb das Amtsgericht einen Betreuer einsetzen musste. Der 57-Jährige ist einer von dreien, die diesen Job im Betreuungsverein des ASB in Coburg machen. Der Fall des Mannes im Krankenhaus geht ihm nahe. "Er ist Anfang 30, hat einen Hirnschaden. Liegt da mit großen Augen. Versteht er was? Versteht er nichts? Wir wissen es nicht. Wir tun, als würde er verstehen."

Die Ärzte auf der Intensivstation fragen Wittmann, ob sie eine Magensonde legen sollen. Was tun, wenn ein Infekt kommt? Wie weit sollen die Eingriffe gehen? "Ab welchem Punkt lässt man einen Menschen sterben?" Selbstbestimmung sei in diesen Fragen in Deutschland oberstes Gebot. "Niemand wird gezwungen, zu leben." Jeder kann entscheiden wann er zum Doktor geht, ob er Medikamente nimmt, ob er eine Chemotherapie macht, ob er sich operieren lässt. Am einfachsten ist es für den Betreuer, wenn er solche Entscheidungen kennt. Aber wenn es keine Patientenverfügung gibt und er keinerlei Informationen hat, sagt er: "Macht nach ärztlicher Kunst." Alles, was möglich ist. "Ich muss doch davon ausgehen, dass jemand leben will."

Der junge Mann im Krankenhaus ist kein alltägliches Beispiel. Aber auch kein Einzelfall. Unfall oder Krankheit kann jeden treffen, deshalb sollten nach Wittmanns Meinung jeder Erwachsene eine Patientenverfügung haben und sich mit Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht beschäftigen. "Es muss nicht gleich alles schriftlich fixiert werden, aber man sollte 'mal drüber nachdenken. Und mit den Angehörigen reden."

Vollmacht oder Betreuung?

Bei intakten familiären Verhältnissen spreche nichts dagegen, dass beispielsweise Eltern den erwachsenen Kindern eine Vollmacht geben. Das macht alltägliche Dinge leichter - vor allem, wenn es um Vermögensangelegenheiten geht. "Aber es birgt auch die Gefahr des Missbrauchs. So was gebe ich nur, wem ich zu 100 Prozent vertraue", sagt Wittmann. "Beim Neffen, der schon immer ein Hallodri war, würde ich es nicht machen. Und bei Familienfremden sehr genau abwägen."

Der Betreuungsverein des ASB berät Familien zu diesen Dingen. Manchmal kommen sie erst, wenn es zu spät ist. Wittmann erzählt von einer Demenzkranken. "Sie ist auf eine Frau reingefallen, die sich schon mehrmals Vollmachten erschlichen hat." 100  000 Euro sind weg, die Seniorin verarmt. Wittmann wurde als Betreuer eingesetzt. Er hat Strafanzeige erstattet. "Im privatrechtlichen Bereich ist das alles schwierig."

Anders als dem Bevollmächtigten werden einem Betreuer die rechtlichen Dinge durch einen staatlichen Hoheitsakt übertragen. Er ist nicht völlig unbeobachtet. Wenn er über Vermögen, Aufenthaltsort, Medizin - über ganz grundlegende Fragen eines Menschenlebens entscheidet, dann wird er dabei zumindest vom Gericht kontrolliert.

Informationsstellen in der Region Behörden Alle Landratsämter und kreisfreien Städte in der Region haben Betreuungsstellen, die für ehrenamtliche und Berufsbetreuer zuständig sind. Hier gibt's auch Broschüren sowie Tipps zu Verfügung und Vollmacht.

Vereine Anerkannte Betreuungsvereine übernehmen die die Betreuung der bedürftigen Menschen und sind per Gesetz auch für die Beratung zuständig. Solche Vereine sind Wohlfahrtsorganisationen wie dem ASB, dem BRK, der Caritas oder dem Diakonischen Werk angegliedert und informieren kostenlos über Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und die grundlegenden Fragen einer Patientenverfügung.



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