Neustadt
Schicksal

Endlich wieder Freude am Leben

Nach der Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs zeigt Abbygale-Lee ihre neue Freude am Leben durch auffällige Kleidung, Perücken und Fingernägel.
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Abbygale zieht sich jeden Tag komplett anders an: Für ihren Ausflug nach Coburg hat sie pink-rote Haare und ein weißes Kleid ausgesucht. Foto: Saskia Nauer
Abbygale zieht sich jeden Tag komplett anders an: Für ihren Ausflug nach Coburg hat sie pink-rote Haare und ein weißes Kleid ausgesucht. Foto: Saskia Nauer
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"Ich habe 25 Perücken", sagt Abbygale stolz. Die 21-Jährige aus Neustadt hat durch eine Chemotherapie ihre Haare verloren. Davon lässt sie sich ihre gute Laune aber nicht verderben. Stattdessen nutzt sie ihren gesundheitlichen Zustand, um sich auffällig und lebensfroh anzuziehen.


Ein besonderer Kleidungsstil

An einem Tag trägt sie eine pinke Perücke mit Schleifen, ein weißes Kleidchen mit weißen Strumpfhosen, hohe Ballerinaschuhe und eine schwarze Umhängetasche. Dazu hat sie zwei Zentimeter lange Fingernägel, rot und schwarz lackiert und mit Strasssteinchen verziert, künstliche Wimpern, Piercings und zu guter letzt noch grün-rote Kontaktlinsen. Sie kann aber auch wieder ganz anders aussehen. "Ich bin jeden Tag ein komplett anderer Mensch", sagt Abbygale.
Sie besitzt viele unterschiedlicher Schmucksteine, die sie sich auf die Stirn klebt, und fünf Paare verschiedenfarbiger Kontaktlinsen. Vor dem Krebs besaß sie 18 Paar, die sie aber während der Chemo nicht mehr aufsetzen durfte und so weggeworfen werden mussten. Im Gesicht ist sie sechsmal gepierct, das erste ließ sie sich mit 14 Jahren stechen. Zwischenzeitlich musste sie die aber auch abnehmen, da sich die Stecker möglicherweise nicht mit der Chemotherapie vertragen hätten.
An ihre dekorativen Accessoires gelangt Abbygale meist über das Internet, aber auch auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden wird sie fündig. Wegen ihres schmalen Körperbaus passen die Kleider oft aber nicht, deshalb näht sich vieles selbst um.
Auch wenn Abbygale schon an normalen Tagen besonders aussieht, geht es noch außergewöhnlicher: Auf Conventions, einer Art Messe, kleidet sie sich wie fiktive Anime- oder Mangafiguren. Bei Anime und Manga handelt es sich um zeichentrick- und comicähnliche Bücher und Filme aus Japan. Das Verkleiden als eine solche Figur nennt sich Cosplay. Anime entdeckte Abbygale bereits vor ihrer ersten Krebserkrankung und war seitdem davon begeistert.
Mit 17 Jahren bekam sie die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. "Ich hatte wegen dem Krebs starke Rückenschmerzen", sagt Abbygale. Ihren Ärzten zufolge habe der Krebs in ihrem Körper seit sie elf Jahre alt war geschlummert. Trotz der Beeinträchtigungen schaffte sie ihren "Quali". Nach sechs Chemotherapien war sie zunächst gesund und auch ihr Haare wuchsen wieder nach. Letztes Jahr erkrankte sie erneut. "Die Rückenschmerzen kamen wieder und mir ging es einfach nicht mehr so gut", sagt Abbygale. Bis Februar unterzog sie sich nochmal einer Chemo, jetzt gilt sie als gesund. Ihre Haare sind aber erneut ausgefallen.


Abbygale in den sozialen Medien

Die 21-Jährige hat einen Youtube-Account unter dem Pseudonym Abby Amethyst, den sie fleißig mit Videos füttert. Der Name kommt von einem Stein, den sie von ihrem Bruder geschenkt bekam. Einem Amethysten werden Heilkräfte nachgesagt. "Dann war das mein Stein und so wurde das mein Name", sagt Abbygale. Ihr Videotagebuch fing sie ursprünglich an, um sich von ihrer Krankheit abzulenken und sich zu beschäftigen. Die Videos haben ihr über den Krebs hinweg geholfen, erzählt sie. Indem sie ihre Erfahrungen teilte, half sie auch anderen. Sie hat auf YouTube auch Erfolge zu verzeichnen: Beinahe 9000 Menschen haben ihren Kanal abonniert, und ihr Video "Ein ganz normaler Tag in der Psychiatrie" hat über 300 000 Aufrufe. Abby kann man auch auf anderen sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook finden.
Jetzt, nachdem die Krebstherapie überstanden ist, möchte Abbygale durch Deutschland reisen. Sie besuchte bereits Ludwigshafen. Mit ihrer Kamera filmt sie die Reisen und stellt die Aufnahmen dann ins Internet. "Ich war wegen dem Krebs die ganze Zeit so eingesperrt. Jetzt wo ich gesund bin, erkunde ich Deutschland und nehme meine Zuschauer mit", sagt Abby. Trotzdem möchte sie nicht lange aus ihrer Heimat fort: Im Augenblick sucht sie in Neustadt oder Coburg eine Wohnung.

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