Dietersdorf
Einweihung

Endlich genug Platz und Ruhe zum Arbeiten

Ein früheres landwirtschaftliches Anwesen in Dietersdorf baute die Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach zum neuen Stützpunkt um, ohne es außen zu verändern.
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In diesem ehemaligen Bauernhaus in der Schulstraße in Dietersdorf hat die Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach ihr neues Domizil gefunden. Am kommenden Sonntag soll ab 14 Uhr die Einweihung gefeiert werden. Während noch Restarbeiten laufen, klärten am Mittwoch Pflegedienstleiterin Silvia Schinkel, Planer Peter Eichhorn und Geschäftsführer Werner Hanke (von links) noch Details, z.B. wo genau das Schild am Haupteingang angebracht werden soll. Foto: Bettina Knauth
In diesem ehemaligen Bauernhaus in der Schulstraße in Dietersdorf hat die Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach ihr neues Domizil gefunden. Am kommenden Sonntag soll ab 14 Uhr die Einweihung gefeiert werden. Während noch Restarbeiten laufen, klärten am Mittwoch Pflegedienstleiterin Silvia Schinkel, Planer Peter Eichhorn und Geschäftsführer Werner Hanke (von links) noch Details, z.B. wo genau das Schild am Haupteingang angebracht werden soll. Foto: Bettina Knauth
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"Dieses Haus hat viel Flair, es passt zu unserer Philosophie!" Pflegedienstleiterin Silvia Schinkel strahlt fast mehr als der frisch sanierte und umgebaute ehemalige Bauernhof in Dietersdorf, der nun der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach als Domizil dient. Drei Mal mehr Platz, ausreichend Parkplätze, abgeschlossene Räume für Verwaltung und Leitungsteam sowie einen Spind für jeden Mitarbeiter: Diese Hauptvorteile biete der neue Stützpunkt in der Schulstraße 9 dem ambulanten Pflegedienst. Trotz aller Funktionalität, und das freut die Leiterin besonders, blieb das Flair des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs erhalten.

Bereits zum 1. Februar 2018 nahm die Diakoniestation ihren Betrieb im erworbenen Anwesen auf, in dem allein 300 Quadratmeter an Gebäude zur Verfügung stehen. Viele der Mitarbeiter hätten erst einmal ihren Platz finden müssen. Kein Wunder, mussten doch in den laut Schinkel "wahnsinnig beengten" angemieteten Räumlichkeiten in der Seßlacher Prälat-Fiedler-Straße statt der anfänglichen zehn zuletzt 52 Mitarbeiter sowie etliche Ehrenamtliche mit einem Drittel der Fläche zurechtkommen.


Nur wenige Schritte

Die Leiterin legte Wert darauf, dass einerseits für Schwestern, Pfleger und Verwaltungskräfte ein modernes und großzügiges Arbeitsumfeld geschaffen wurde, andererseits nun für die Patienten optimale Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Im Erdgeschoss des Haupthauses sind zwei Therapieräume entstanden, die auch als Seminarraum zu nutzen sind. Vom Empfang sind es nur wenige Schritte zum Büro von Pflegedienstleiterin Schinkel. "Lachen, Lieben, Lernen, Lesen, Laufen", steht an einer Wand. Schinkel: "Wer mit Demenzpatienten arbeitet, kennt diese fünf L's". Die ambulante Demenzbetreuung wird in Dietersdorf durch die Kombination aus eigenem Ruheraum, Therapieküche und Behinderten-WC mit Dusche erheblich erleichtert. "Wir verzeichnen gerade in diesem wichtigen Bereich zunehmenden Bedarf und werden zukünftig die Patienten noch besser nach ihren individuellen Bedürfnissen versorgen können", frohlockt die Chefin.

Im Obergeschoss wurden drei Büros und ein Schwesternarbeitsraum, Teeküche, Lagerraum für Medizin mit angrenzendem Arbeitsraum, Toilette sowie je ein Umkleideraum mit Dusche und Spinden errichtet. Statt in Durchgangszimmern zu sitzen, können die Mitarbeiter nun endlich die Türen der Büros - wenn nötig - hinter sich zu machen, um in Ruhe zu arbeiten. "Vorher ging es bei uns zu wie im Taubenschlag, da war es beispielsweise schwierig, einen Tourenplan zu erstellen", schildert Schinkel die bisherigen Bedingungen. Auch den Geräuschpegel in dem beengten Domizil im Seßlacher Wohngebiet hätten alle Betroffenen als "wahnsinnig belastend" empfunden. Die ehemalige Scheune bietet Platz für einen Hauswirtschaftsraum, Lager sowie Archiv und beherbergt die moderne Heizung mit Luft-Wasser-Wärme-Pumpe.

Zu dem erworbenen Anwesen gegenüber dem "Haus der Bäuerin" gehören neben drei Wohngebäuden (von denen eines derzeit vermietet ist) und Nebenbauten auch große Freiflächen. Auf einer sind 30 Parkplätze entstanden, für Schinkel nach den ausreichenden Büroräumen "der zweite Luxus". Dort waren am Mittwoch noch Arbeiter mit der Außengestaltung beschäftigt. Einige Beete rund um das Gebäude wurden bereits bepflanzt. Zwischen Parkplatz und Hauptgebäude befinden sich überdachte Sitzplätze, davor entsteht ein Beet mit Beerensträuchern für die Demenzarbeit, gegenüber ein mit Sandsteinen gestalteter kleiner Garten. "Alles, was während des Umbaus zutage kam, wie diese Steine, wurde irgendwie wiederverwendet", schildert die Leiterin.


Wirtschaftliche Risiken

Ursprünglich wollte die Diakoniestation an gleicher Stelle eine Demenz-WG einrichten; als neuer Standort der Diakoniestation war die ehemalige Neundorfer Schule geplant. Nachdem die Gesellschafter wegen wirtschaftlicher Risiken von der WG Abstand genommen hatten und die Schule nach dem Verzicht der Gemeinde Weitramsdorf auf deren Sanierung und Vermietung nicht mehr zur Verfügung stand, fiel der Beschluss, den Sitz nach Dietersdorf zu verlegen. Mit der Stadt Seßlach, der Gemeinde Weitramsdorf und dem Krankenpflegeverein sprachen sich alle drei Gesellschafter für den neuen Standort aus.

Die Baukosten liegen knapp über einer Million Euro, und damit rund ein Viertel über der anfänglichen Schätzung, bestätigt der stellvertretende Weitramsdorfer Bürgermeister Werner Hanke (ÜPWG), der sich die Geschäftsführung kommissarisch mit Seßlachs Bürgermeister Martin Mittag (CSU) teilt. Rüdiger Florschütz, früherer geschäftsleitender Beamter der Gemeinde Weitramsdorf, überwachte die Kosten und kümmerte sich um Zuschüsse. "Neben den 200.000 Euro vom Amt für Ländliche Entwicklung hoffen wir noch auf Fördermittel von der Landesstiftung", so Flohrschütz. Unterstützung zugesagt haben der Krankenpflegeverein, die Sparkasse Coburg-Lichtenfels und die Stadt Seßlach, außerdem stellten die Verantwortlichen über das Diakonische Werk einen Antrag bei der Glücksspirale.

Geplant war der Umzug bereits für Ende 2017, dies habe die "Baukonjunktur" verhindert, informierte Diplomingenieur Peter Eichhorn. Bis Juli 2017 wurde nur umgebaut, der eigentliche Ausbau begann erst im August. Wo lagen aus baulicher Sicht die größten Probleme? Planer Eichhorn verweist auf die deutliche Grundrissveränderung, die bei einem Fachwerkbau schwierig sei. Als "bauphysikalisch schwierig" habe sich dazu die Frage der Dämmung erwiesen: Um das Sicht-Fachwerk größtenteils erhalten zu können, musste dieses innen über einen "massiven Wandaufbau" erfolgen. Innen wurden Deckenbalken und Teile des alten Fachwerks freigelegt, so dass der Charme des ehemaligen fränkischen Bauernhauses aus dem 18. Jahrhundert ein Stück weit erhalten blieb. Dies sei Eichhorn zu verdanken, lobt Schinkel. Er habe mit seinen Ideen den ländlichen Charakter betont, so dass aus dem neuen Domizil "kein Fremdkörper im Ort" wurde.

"Jetzt sind wir langsam angekommen", atmete die Chefin am Mittwoch auf. Bevor nach Abschluss aller Arbeiten endgültig der Alltag einkehrt, soll am kommenden Sonntag der neue Standort eingeweiht werden, ein Mitarbeiterfest folgt. "Alle haben nun wirklich Grund zum Feiern", sagte Schinkel.

Der Festakt zur Einweihung beginnt am 27. Mai um 14 Uhr mit einem Gottesdienst in der Dietersdorfer Kirche St. Kilian. Anschließend wird der neue Stützpunkt in der Schulstraße ökumenisch gesegnet. Interessierte haben von 15.30 Uhr bis 17 Uhr Gelegenheit die Räumlichkeiten zu besichtigen.


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