Coburg
Landtagskandidat im Interview

Endlich die Selbstbedienung der Abgeordneten verhindern

Acht Kandidaten aus der Region bewerben sich bei bei den Landtagswahlen am 15. September um ein Direktmandat für 17. Legislaturperiode. Was sie in München für den Raum Coburg erreichen wollen, was sie an Politik prinzipiell fasziniert und was ihnen persönlich wichtig ist, verraten sie im Interview: Bernd Lauterbach (Grüne).
Artikel drucken Artikel einbetten
Bernd Lauterbach (Grüne)
Bernd Lauterbach (Grüne)
Der Großteil des Wahlkampfs findet/fand in den Ferien statt - ist das Fluch oder Segen?
Bernd Lauterbach: Es ist ein Segen für die Medien, die damit ihr Sommerloch füllen können und aufwendig für die "normalen Kandidaten", die nicht über die Kostenpauschalen, hohen Bezüge und Mitarbeiterpauschalen der Abgeordneten verfügen und Freunde bitten müssen, im Wahlkampf mitzuarbeiten.

Was wollen Sie in München für die Region erreichen?
Ich möchte für die Menschen im Coburger Land erreichen, dass die kurzfristigen und fehlerhaften Stoiberschen Schnellschüsse nachgebessert werden, sei es bei der Polizei, den Schulen oder im Forstbereich.
Die finanziellen Schäden der Bayerischen Landesbank und ihrer Verwaltungsräte werden noch unsere Kinder spüren und müssen rechtlich aufgearbeitet werden.
Ich werde mich für den Erhalt der Strukturen in unserer Region einsetzen, damit nicht die Schulen das gleiche Schicksal haben wie die Bauernhöfe, Läden und Gastwirtschaften in unseren Dörfern. Wo es keine Schule mehr gibt, die Listen gibt es bereits in der Schublade des Ministeriums, wird die Zukunft einer Gemeinde dunkler.
Ich möchte, dass die verantwortlichen Landespolitiker die ganze Wahlperiode in der Region präsent sind, um die Probleme der Menschen aufzugreifen und an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten, nicht nur kurz vor den Wahlen, mit großen Versprechungen und Bildern vor Ort.

Worin sehen Sie in der nächsten Legislaturperiode die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung sehe ich in der Geschäftsordnung des Landtags, die verabschiedet werden muss, damit in neuen Regelungen die Selbstbedienung der Abgeordneten verhindert wird, sei es durch die Beschäftigung von Verwandten, durch überzogene Technikpauschalen oder Mitarbeiterpauschalen, die dem Abgeordneten durch legale Tricks wieder zugute kommen.
Das Landtagsamt muss offensiver prüfen und jährlich die Ergebnisse, aber auch Nebeneinkünfte veröffentlichen. Es kann nicht sein, dass bayerische Staatssekretäre mit fast 20 000 Euro im Monat mehr verdienen als Ministerpräsidenten anderer großer Bundesländer und mehrere Pensionen beziehen. Während bei uns die WCs stündlich mit Namenszeichen kontrolliert werden und die Kontrollwut in allen Bereichen zu einer Monsterbürokratie führt, werden die Ausgaben der Abgeordneten nur lax oder gar nicht kontrolliert, obwohl es öffentliche Gelder sind. Das kann nicht sein und führt zu Politikverdrossenheit.

Was macht für Sie persönlich die "Faszination Politik" aus?
Aus meiner Sicht hat die Politik die demokratisch legitimierte Führungsaufgabe, nicht irgendwelche Banken oder Global Player, sie regelt den ordnungspolitischen Rahmen in unserem Land, damit die Bürgerinnen und Bürger in Frieden, Sicherheit und Ordnung leben können.
Da dies durch Mitbestimmung geschieht, bin ich gerne bereit, mich für unserer Gemeinwesen einzusetzen und ein klein wenig die Welt zu retten.

Wie schalten Sie nach einem langen Arbeitstag oder einer langen Arbeitswoche am besten ab?
Indem ich mal bewusst aus dem Auto aussteige und in einem "meiner" Wälder mit meinem Hund spazieren gehe, sei es im Lahm, im Bausenberg oder im Eichberg.
Die alten Bäume darin sagen mir, dass in der Natur eine andere Zeitrechnung gilt, dass jedes Jahr nur ein Ring am Stamm gebildet wird, auch wenn wir mehr nutzen sollten, dass nach dem Sommer immer der Herbst kommt und nach dem Winter der Frühling und im Leben alles seine Zeit hat. Mit fünfzig Jahren fühle ich mich erfahren und kompetent genug für unsere Region etwas zu erreichen, finde aber, dass mit Mitte sechzig Schluss sein sollte, um der nächsten Generation Platz zu machen und nicht an lukrativen Posten zu kleben.

Welche drei Dinge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Meine Dachsbracke Silva und ein Messer, damit komme ich überall durch, und zur geistigen Anregung die Bibel, weil dieses Buch nie langweilig wird. Am meisten vermisste ich unsere Kulturangebote und unsere sehr guten Bibliotheken, von der Landes- bis zur Gemeindebibliothek.




Die Fragen stellte
Oliver Schmidt.



Leben und politischer Werdegang


Bernd Lauterbach, 52 Jahre, lebt in Hassenberg, Kreis Coburg, verheiratet, vier Kinder; Diplom-Forstingenieur (FH), Forstamtsrat; Revierleiter des Forstreviers Hassenberg am Forstbetrieb Coburg (Forst- und Domänenamt) und Ausbilder für Förster.

Politische Ämter Verbandspolitisch aktiv seit 1980 in der Evangelischen Jugend, 1985 Vorsitzender des Studentischen Konvents der FH Weihenstephan-Triesdorf, Kampf um mehr Mittel für die Hochschulen und Promotionsrecht der FH Absolventen
Parteipolitisch 1992 Mitglied B 90/Grüne, 1994 bis 1996 Kreisvorsitz, seit 1996 Fraktionsvorsitz B90/Grüne im Kreistag zu Coburg, seit 2002 stellvertretender Fraktionsvorsitz Gemeinderat Sonnefeld, Vorsitz Rechnungsprüfungsausschuss, seit 2012 Bezirksvorsitz B90/Grüne.

Ehrenamtlich Personalratsvorsitzender am Forstbetrieb Coburg (Forst- und Domänenamt), Bezirksvorsitzender des Bundes deutscher Forstleute in Oberfranken, Mitglied im Vorstand des Angelvereins Wörlsdorf.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren