Bad Rodach
Zusammenarbeit

Empfindsame Passionsmusik erklang als Wiederentdeckung in Bad Rodach

Ein selten gespieltes kirchenmusikalischen Werk erlebte seine Wiederaufführung in der Johanniskirche von Bad Rodach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sängervereinigung Bad Rodach und die Stadtkantorei Hildburghausen führten das Passionsoratorium "O Seele, deren Sehnen" in der Johanniskirche auf.Foto:  Achim Young
Die Sängervereinigung Bad Rodach und die Stadtkantorei Hildburghausen führten das Passionsoratorium "O Seele, deren Sehnen" in der Johanniskirche auf.Foto: Achim Young
+8 Bilder

Es handelte sich um das Passionsoratorium von Johann Ernst Bach (1722 bis 1777), der in Eisenach geboren wurde und seine Ausbildung an der Thomasschule in Leipzig von seinem Patenonkel Johann Sebastian Bach persönlich erhielt. Sein 1764 in Eisenach entstandenes Werk nach einem Libretto von Christlob Mylius ist im "empfindsamen" Stil der Vorklassik komponiert und daher vorwiegend lyrisch gehalten. Man vermisst doch im Laufe der gut einstündigen Komposition die Dramatik der barocken Passionen seines Patenonkels ein wenig.

Wie bei diesem wechseln Rezitative, Arien und Chöre einander ab, deren Texte aber allesamt nicht aus der Bibel stammen. Dabei hat der Dichter sich einer überaus blumenreichen Sprache bedient, wie zum Beispiel: "O Gegend, die du sonst von milden Lehren des Mittlers süß erklangst" oder "Er geht, und seine Tritte netzen Zähren des Mitleids hinter ihm".

Mit klarer Naturstimme

Die fränkisch-thüringische Aufführung wurde in schöner Zusammenarbeit von den Chören der Stadtkantorei Hildburghausen und der Sängervereinigung Bad Rodach mit circa 50 Sängerinnen und Sängern dargeboten, die gut vorbereitet waren und nur gelegentlich rhythmische oder intonatorische Unsicherheiten zeigten.

Eine nicht sehr große, aber dennoch wegen der nicht so zahlreichen Streicher tragfähige Sopranstimme ließ Julia Lucas erklingen, die relativ viel zu singen hatte, was sie mit ihrer schlanken Stimme und mühelosen Höhe gut bewältigte.

Die zahlreichen Bass-Rezitative sang der Dirigent Kirchenmusikdirektor Torsten Sterzik mit klarer Naturstimme und guter Textverständlichkeit selbst und hatte alles, auch das um sauberen Streicherklang bemühte Collegium musicum Hildburghausen mit dem zuverlässigen Markus Ewald am Orgelpositiv gut im Griff. Das Resultat war eine hörenswerte und anrührende Wiedergabe dieser Rarität.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren