Coburg
Landesausstellung

Eine Kette gegen die Gefahr auf der Veste Coburg

Das Heilige Römische Reich suchte im 16. Jahrhundert nach Möglichkeiten, innere Konflikte friedlich beizulegen. Kaiser Maximilian leitete Reformen ein.
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Eine Zwei-Euro-Münze dient als Größenvergleich: Die Sperrkette durch die Donau aus dem 16. Jahrhundert ist auch ein eindrucksvolles Beispiel der Schmiedekunst. Foto: Barbara Herbst
Eine Zwei-Euro-Münze dient als Größenvergleich: Die Sperrkette durch die Donau aus dem 16. Jahrhundert ist auch ein eindrucksvolles Beispiel der Schmiedekunst. Foto: Barbara Herbst
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Kann eine Kette ein Schiff aufhalten? Auf die Antwort wollten die Budapester im Jahr Mitte des 16. Jahrhunderts vermutlich gar nicht warten. Sie zogen eine Sperrkette quer über die Donau, um zu verhindern, dass die Türken weiter stromaufwärts gelangten. Das expandierende Osmanische Reich, das sich nach dem Fall Konstantinopels 1453 entwickelte, stellte für das christliche Mitteleuropa eine Bedrohung dar. Die Schlacht bei Mohács 1526 und die Belagerung von Wien 1529 durch die osmanischen Heere führten die Bedrohung deutlich vor Augen - und sie zeigen, dass die Kette in der Donau ihren Zweck wohl nicht erfüllt hatte.


Zeitgenössische Beschreibungen sprechen davon, dass die Kette auf Baumstämmen ruhend eine Pontonbrücke bildete. Sie war zwischen den beiden Städten Ofen (Obuda, rechts der Donau) und Pest (links der Donau) gespannt. "Im Jahr 1602 gelang es der kaiserlichen Donauflotte, die Pontonbrücke und damit das von den Türken besetzte Pest zurückzuerobern", heißt es im Katalog der Landesausstellung.


Die Kette kam danach ins Zeughaus nach Wien; das Teilstück, das nun in Coburg zu sehen ist, stammt aus dem ungarischen Nationalmuseum. Die ursprüngliche Kette war 590 Meter lang und bestand aus 2972 Gliedern, die ihrerseits 43 Teilstücke bildeten, jedes mit zwischen 40 und 82 Kettengliedern. Insgesamt wog die Kette rund 28 Tonnen.


Sie symbolisiert in der Landesausstellung die Bedrohungen von außen, denen sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu Ende des 15. und im 16. Jahrhundert ausgesetzt sah. Kaiser Maximilian (1459 - 1519) versuchte zwar, durch Reformen das Reich zu stabilisieren, und die Einrichtung des Reichskammergerichts machte es möglich, Konflikte friedlich zu lösen.


Aber die wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen jener Zeit waren damit allein nicht zu bewältigen. Der allen gemeinsame "Feind" - die Türken - half, die Verhältnisse insoweit zu klären, als dass sich das Reich ausdrücklich als "christlich" begriff. Doch gleichzeitig entbrannte ein Ringen darum, wer das "wahre" Christentum verkörpere. Neben Katholiken und Lutheranern meldeten Calvinisten und andere diesen Anspruch an. Daraus entwickelten sich dann wieder weltliche Machtansprüche, wie die Bauernkriege und später die Schmalkaldischen Religionskriege zeigen. sb



Landesausstellung 2017

Allgemein Das Haus der Bayerischen Geschichte veranstaltet alljährlich eine große Ausstellung. In diesem Jahr ist Coburg der Schauplatz; aus Anlass von 500 Jahren Reformation lautet das Thema "Ritter, Bauern, Lutheraner" mit einem Schwerpunkt auf den gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Organisatorisch Die Ausstellung auf der Veste Coburg und in der Coburger Morizkirche läuft noch bis 5. November und ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. In der Morizkirche ist der Eintritt frei, in der Veste zahlen Erwachsene 12 Euro fürs Ticket. Weitere Informationen zu Eintrittspreisen, Ermäßigungen und Führugnen unter www.hdbg.de.

Serie Bis zum Ende der Ausstellung zeigt das Tageblatt jede Woche ein "Schaustück der Woche".
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