Inzwischen wird gezählt: Eine Lichtschranke erfasst seit September, wie viele Besucher ins Palmenhaus kommen. Zwischen 70 und 80 pro Tag seien es bislang im Schnitt, sagt Bernhard Ledermann, der Leiter des Grünflächenamts. Die Lichtschranke ist so positioniert, dass sie nur die Besucher erfasst, die sich tatsächlich auf den Rundgang begeben - wer lediglich im Eingangsbereich bei den Vogelvolieren bleibt, zählt nicht.

Ledermann hat die Anlage installieren lassen, um überhaupt einmal eine Datengrundlage dafür zu haben, wie stark das Palmenhaus besucht wird. Da die Zählung erst seit September läuft, seien die ersten Zahlen noch keine verlässliche Basis, sagt er einschränkend. Seit Freitag läuft nun auch eine Umfrage: Besucher können Zettel ausfüllen, ob und wie sie sich den Weiterbetrieb des Palmenhauses wünschen. Denn das Glasgebäude am Südende des Rosengartens steht auf der Kippe.

Rund 73000 Euro kostet der Unterhalt des Palmenhauses durchschnittlich im Jahr, wenn man alles einrechnet - Vogelsand und Heizung, Reinigung und Pflege. Derzeit dürften die Kosten höher liegen, sagt Ledermann: Die Fenster wurden nur zum Teil ausgetauscht, Heizung und Lüftung (beide alt) sind nicht optimal aufeinander abgestimmt, "das ist technisch etwas behelfsmäßig". Der Austausch der Fenster hatte 2015 begonnen; zum zweiten Bauabschnitt mit Sanierung von Heizung und Lüftung kam es nicht mehr, weil das Palmenhaus auf den finanziellen Prüfstand kam. Das Haus fertig zu sanieren, würde nach einer Schätzung des Hochbauamts noch einmal 150000 bis 200000 Euro kosten.

Dann bliebe immer noch die Frage, was man damit anfangen will: Es weiter betreiben so wie jetzt, mit verschiedenen Klimazonen, Kakteen, Orchideen, großen Vogelvolieren, tagsüber frei und kostenlos zugänglich? Oder räumt man es lediglich aus und belässt es als Stützpunkt des Grünflächenamts, der im Rosengarten ohnehin gebraucht wird? Reißt man es ganz ab oder nur soweit, dass die notwendigen Pausen- und Sozialräume für die Mitarbeiter des Grünflächenamts vorhanden sind?

Die Projektgruppe der Verwaltung schlug den Komplettabriss vor; im Juni sollte der Stadtrat entscheiden. Doch der beschloss mit knapper Mehrheit, dem Haus noch eine Frist von sechs Monaten zu geben. In dieser Zeit soll mit Hilfe des Coburger Designforums Oberfranken und "interessierten Gruppen" nach Konzepten gesucht werden für den Weiterbetrieb.

Das soll nun geschehen, sagt Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD): Demnächst werde ein "amtsübergreifender Workshop mit vielen Teilnehmern" stattfinden. Ein Termin stehe noch nicht fest. Ein schon geplanter Bürgerworkshop sei abgesagt worden, bestätigt der OB: Das sei in der Referentenrunde so entschieden worden.

Tessmer macht kein Hehl daraus, dass sein Herz nicht am Palmenhaus hängt. "Man muss sich von Altem auch mal trennen können", sagt er. "Am Güterbahnhof entsteht Neues!" Er selbst besuche das Haus kaum.

Bernhard Ledermann hingegen macht geltend, dass auch der Rosengarten ein "zentraler und wichtiger Ort" und es schon von Bedeutung sei, ob die Stadt dort, zwischen Kongresshaus und Klinikum, Präsenz zeige oder nicht. Und wenn das Güterbahnhofsareal fertig sei, dann verlaufe der schönere Fußweg von der Innenstadt zum Güterbahnhof am Rosengarten entlang und durch die Karchestraße, die dann direkt zu einer Fußgängerbrücke über die Itz führen soll.

"Die Frage ist: Bringe ich für den Ort und das Haus eine Wertschätzung auf", sagt Ledermann. Wenn diese Wertschätzung bei den Kommunalpolitikern und den Bürgern fehle, "dann sind am Ende alle Kosten zu hoch".