Seßlach
Bildung

Eine Chance für alle Schüler

Als sechste Schule der Region führt Seßlach die "Flexible Grundschule" ein. Ein passgenaues, individuelles Angebot soll jeden Schüler fördern.
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Nein, die Schulbank müssen Schulleiter Wolfgang Hoydem, Bürgermeister Martin Mittag und Schulamtsdirektor Uwe Dörfer (von links) nicht mehr drücken. Doch teilten sie die Freude der Erstklässler, die im nächsten Schuljahr mit den zukünftigen Schulanfängern gemeinsam in drei Klassen der "Flexiblen Grundschule" unterrichtet werden.  Foto: Bettina Knauth
Nein, die Schulbank müssen Schulleiter Wolfgang Hoydem, Bürgermeister Martin Mittag und Schulamtsdirektor Uwe Dörfer (von links) nicht mehr drücken. Doch teilten sie die Freude der Erstklässler, die im nächsten Schuljahr mit den zukünftigen Schulanfängern gemeinsam in drei Klassen der "Flexiblen Grundschule" unterrichtet werden. Foto: Bettina Knauth
Jungen und Mädchen, die nach den Sommerferien die erste und zweite Klasse an der Seßlacher Grundschule besuchen, werden gemeinsam in einer von drei "FleGS-Klassen" unterrichtet. Den entsprechenden Bescheid nahm Schulleiter Wolfgang Hoydem aus der Hand von Kultusminister Bernd Sibler in München entgegen. "In der Flexiblen Grundschule geben wir jedem Kind genau die Zeit, die es braucht, um sich den Zugang zu elementaren Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erschließen", sagte Sibler bei der Verleihung des Schulprofils an weitere 26 Schulen.


Aus Kombi wird FleGS

Nach den erfreulichen Erfahrungen, die Schulleiter und Lehrer an der Seßlacher Grundschule seit dem Schuljahr 2016/17 mit Kombi-Klassen gemacht hatten, bewarb sich die Schule um das Profil. Der Seßlacher Stadtrat gab dazu bereits im Februar grünes Licht. Nun erläuterte Hoydem, was sich hinter dem Prädikat genau verbirgt und wie das Konzept in Seßlach umgesetzt werden soll.
Im neuen Schuljahr ersetzen drei "FleGS-Klassen" die bisherigen Kombiklassen in den beiden ersten Jahrgangsstufen. Die Klassenstärke liegt zwischen 21 und 23 Schülern. Wichtigster Unterschied des neuen jahrgangsübergreifenden Modells ist die variable Verweildauer in der Eingangsklasse: Entwickelt sich ein Kind rasch, kann es bereits nach einem Jahr in die dritte Klasse wechseln. Braucht es länger Zeit, kann es sich drei Jahre bis zum Wechsel ins dritte Schuljahr nehmen, wobei das zusätzliche Jahr nicht als Wiederholungsjahr zählt. An den Eingangstest schließt sich nach einem halben Jahr ein zweiter Test an. "Wir holen die Schüler dort ab, wo sie stehen", sagte Hoydem.
Für die Lehrkräfte bedeutet dieses Konzept, dass sie die Unterrichtsplanung noch stärker differenzieren müssen. Außerdem ist ihre diagnostische Kompetenz gefragt, um zu erkennen, wo der jeweilige Schüler zusätzliche Hilfe benötigt. "Wir müssen uns ja sowieso immer wieder auf neue Schüler einstellen", sieht Lehrerin Sabine Flachsenberger der Herausforderung gelassen entgegen. "Es ist ein Weg, den man beschreitet", fügte sie hinzu. Angesichts des "tollen Zusammenhalts im Kollegium" und der guten Unterstützung durch das Schulamt erwartet Hoydem ebenfalls keine Probleme. Von Seiten des Schulamtsbezirks Coburg steht ein Beratertandem der Schule zur Seite.
Seßlach ist die sechste "Flexible Grundschule" in Stadt und Landkreis Coburg nach der Melchior-Franck-Grundschule und den Grundschulen Creidlitz, Rödental-Einberg, Sonnefeld und Weidhausen.
Nach einem turbulenten Start in die jahrgangskombinierten Klassen vor zwei Jahren sieht Hoydem die Bedenken der Eltern mittlerweile ausgeräumt. Mütter und Väter gaben dem Schulleiter recht: "Wir können nichts Negatives sagen", bestätigte Susann Jäckisch, deren Sohn Finnley die Kombiklasse besucht. Sie betrachtete selbst die Zweitklässler als ausreichend gefordert, weil sie sich ständig neue Aufgaben holen könnten.
Dass der Nachbar oft helfen kann, fand Erstklässler Florian Mayer gut. Für seinen Vater Achim erledigt sich mit dem kommenden Konzept dazu das Problem vieler Eltern, ob sie ihr Kind eventuell noch ein Jahr zurückstellen sollen: "Nun haben diese Eltern ja noch den Puffer von einem Jahr!"


Fast wie die "frühere Dorfschule"

Auch Bürgermeister Martin Mittag (CSU) begrüßte die Einführung der FleGS-Klassen: "Sie machen den Schritt vom Kindergarten zur Schule leichter." Neben dem Spaß am Unterricht gehe es ja um die frühe und bestmögliche Förderung der Kinder. Ein wenig erinnerte Mittag das neue Unterrichtsmodell an die frühere Dorfschule, in der oft mehrere Jahrgänge parallel unterrichtet wurden. Damals wie heute könnten Schulen im ländlichen Raum oft nur so überleben, meinte Hoydem.


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