Grub am Forst
Aufstieg

Eine blitzsaubere Karriere in Grub am Forst

Gabriele Deninski hat in den vergangenen Jahren ein kleines Reinigungs-Imperium mit 80 Mitarbeitern aufgebaut. Am Firmensitz in Zeickhorn soll es bald auch noch einen kleinen Shop geben. Eigene Reinigungsprodukte sind in Vorbereitung.
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Gabriele Deniniski im riesigen Material- und Gerätelager von "Lupenrein", das sich in der ehemaligen "Taco"-Immobilie in Zeickhorn (Gemeinde Grub am Forst) befindet. Foto: Oliver Schmidt
Gabriele Deniniski im riesigen Material- und Gerätelager von "Lupenrein", das sich in der ehemaligen "Taco"-Immobilie in Zeickhorn (Gemeinde Grub am Forst) befindet. Foto: Oliver Schmidt
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Es ist nicht nur ein täglicher Kampf gegen den Schmutz, sondern auch gegen die Vorurteile. "Wir putzen nicht", betont Gabriele Deninski, "wir reinigen!" Und das seit zwölf Jahren so erfolgreich, dass aus einem kleinen Reinigungsservice mit drei, vier Aushilfskräften inzwischen ein mittelständischer Betrieb mit rund 80 Mitarbeitern geworden ist.

Falsche Vorstellungen über das Berufsbild eines Gebäudereinigers gibt es aber immer noch. "Viele sagen abwertend, dass das doch kein Handwerk sei", ärgert sich Gabriele Deninski. Ebenso müsse sie immer wieder Aufklärungsarbeit leisten, wenn es darum geht, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen.
"Doch wenn ich erstmal aufgezeigt habe, was da alles dazugehört, ist das Interesse plötzlich doch sehr groß!" Zudem könne man gut auf dem Beruf aufbauen und nach der Ausbildung sogar ein Universitätsstudium im Bereich Ernährung, Hygiene und Facility Management absolvieren.

Aber beginnen wir die Geschichte über Gabriele Deninski, die man zweifelsohne als "Powerfrau" bezeichnen kann, ganz von vorne. Nachdem sie früher schon einmal in der Reiningungsbranche tätig war erfolgte 2001 die Gründung der Firma "Lupenrein" mit Sitz in Grub am Forst. "Wir hatten einige Aufträge, und ich habe auch von Anfang an selbst mitangepackt und mitgereinigt", erzählt sie. Schnell erfolgte eine Spezialisierung auf Gebäudereinigung. "Ich habe viel in Technik sowie in die Aus- und Weiterbildung investiert", erzählt Gabriele Deninski. Bald gab es keinen Wintergarten mehr, den "Lupenrein" nicht lupenrein bekam. "Wir haben uns sogar eine eigene Hubarbeitsbühne zugelegt, die auf bis zu zwölf Meter hochgefahren werden kann."

In der Reinigungsbranche, so erzählt die Geschäftsfrau, basiert der Konkurrenzkampf meist auf dem Preis. "Aber letztlich muss das Preis-Leistungs-Verhältnis passen", findet sie und setzt deshalb vor allem auf Qualität.
Inzwischen bekommt ihre Firma Aufträge aus ganz Deutschland. In Berlin verfügt "Lupenrein" sogar über ein eigenes Mitarbeiterteam, das demnächst sogar noch ausgebaut werden soll. Aber auch für die Zentrale, die sich seit dem Herbst 2012 im ehemaligen Bürogebäude der Firma Taco im Grüber Gemeindeteil Zeickhorn befindet, hat Gabriele Deninski ehrgeizige Pläne: Ein kleiner Shop soll integriert werden. Bislang verkauft "Lupenrein" lediglich übers Internet diverse Reiningungsprodukte an Großkunden. Gezielt sollen auch Privatkunden angesprochen werden, sobald es von "Lupenrein" eine eigene Reinigungsserie gibt. Diese werde zurzeit entwickelt. Außerdem will Gabriele Deninski den Schulungsbereich weiter ausbauen. Bereits jetzt bietet Lupenrein als qualifizierter Bildungsträger in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer für Oberfranken diverse Kurse zum Gebäudereiniger-Helfer an. Hierfür stellen die Agenturen und Job-Center Bildungsgutscheine zur Verfügung. Themen der zertifizierten Bildungsmaßnahmen sind etwa "Grundlagen der Reinigung mit Kennenlernen wichtiger Inhaltsstoffe" oder auch "Grundlagen der Hygiene". Junge Menschen, die sich für die Branche interessieren, kann Gabriele Deninski meist mit dem Technikbereich ansprechen und begeistern. Und spätestens, wenn Punkte wie "Einsatz von Hubarbeitsbühnen, Leitern, Gerüsten und Absturzsicherungen" oder "Maschinen pflegen", behandelt sind, weiß es auch der letzte Kursteilnehmer: Hier wird nicht bloß einfach geputzt, sondern aufwendig gereinigt.


INTERVIEW


Auszubildende stehen in der Reinigungsbranche nicht unbedingt Schlange. Obwohl es in dieser Branche viele Möglichkeiten gibt, wie die Geschäftsführerin der Firma "Lupenrein" erzählt.

Warum sollten es junge Menschen spannend finden, eine Ausbildung ausgerechnet in der Reinigungsbranche zu manchen?
Gabriele Deninski: Weil das eine sehr abwechslungsreiche Branche ist! Ein Gebäudereiniger-Geselle hat zum Beispiel auch immer sehr viel mit Technik und Organisation zu tun. Natürlich beim Einsatz selbst, wenn zum Beispiel die Hebebühne benötigt wird, aber auch schon vorher beim Planen, wenn es darum geht, mit welchen Geräten und Chemie was erledigt werden kann.

Welche Voraussetzungen sollte jemand haben, der in der Reinigungsbranche tätig werden will?
Er oder sie sollte schwindelfrei sowie körperlich fit sein.

Was war Ihr bislang kniffligster Fall?
Wir hatten einmal den Auftrag, eine über zehn Meter hohe Fabrikhalle zu entstauben. Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort musste unsere Hubarbeitsbühne mit einem Kranwagen in die Halle eingebracht werden. Und nicht nur, dass da alle Mitarbeiter Schutzausrüstungen anlegen mussten. Wir planten entsprechend auch wegen der Explosionsgefahr.
Ein anderer, immer wieder aufs Neue komplizierter Fall, ist die Reinigung aller Fenster in einem sehr hohen Treppenhaus mit Glasdach. Wir müssen da mit einem über 30-Meter-Steiger hinein - Problem ist aber, dass es nur eine kleine Türe zum Treppenhaus gibt, durch die wir hindurch müssen. Außerdem gilt es, stets auf die Statik zu achten. Denn der Steiger ist natürlich sehr schwer und der Boden nur bedingt belastbar.

Sie reinigen aber nicht nur Gebäude - wie in Coburg etwa alle Schulen - und Privathäuser, sondern können auch "Spezialaufträge" erfüllen.
Ja, ich habe mich zum einen auf Unfall- und Tatortreinigung spezialisiert - wir schrecken also vor nichts zurück!
Außerdem beherrschen wir zum Beispiel noch Brandreinigung und Gebäudereinigung in der Denkmalpflege. Des Weiteren sind wir im Bereich Sanierung beziehungsweise Aufbereitung von Materialien tätig, wenn es um Natursteinböden, spezielles Glas - etwa Sicherheits- oder Brandschutzglas - oder moderne Metallfassaden geht. Für die Handwerkskammer für Oberfranken bin ich zudem noch als öffentlich bestellte und vereidigte Gutachterin tätig, die Analysen darüber erstellt, wo eventuell Reinigungsfehler gemacht worden sind.

Wie sieht im Moment die Auftragslage aus?
Unsere Auftragsbücher sind voll. Durch den langen Winter und den bisher auch eher tristen Frühling starteten Glasreinigungsaufträge in diesem Jahr allerdings später als sonst.

Gibt es eine Art von Schmutz, über den Sie sich - sei es privat oder geschäftlich - besonders ärgern?
Ja, die Verschmutzung durch Streusalz! Nach wie vor wird das im Winter leider viel zu viel verwendet. Das ist nicht nur sehr schädlich für die Natur sondern auch für empfindliche Materialien wie etwa kalkhaltige Natursteinböden, die damit in Berührung kommen.

Das Gespräch füe OliverSchmidt.





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