Coburg
Innovation

Ein zweites Zuhause beim Nachbarn in Coburg

Wer seine Wohnung für pflegebedürftige Menschen öffnet, kann anderen, aber auch sich selbst etwas Gutes tun. Der Verein "Awo-Gemeinschaftswohnen in Coburg" macht's möglich.
Artikel drucken Artikel einbetten
Wenn Nachbarn ihre Wohnung für pflegebedürftige menschen öffenen, dann können viele davon profitieren.
Wenn Nachbarn ihre Wohnung für pflegebedürftige menschen öffenen, dann können viele davon profitieren.
Drei Gastfamilien gibt es schon in Coburg - in der Eupenstraße, am Pelzhügel und in der Hutstraße. Sie laden einmal in der Woche pflegebedürftige Menschen zu sich nach Hause ein. Qualitätsgesicherte Tagespflege nennt sich das Projekt, das der Verein "Awo-Gemeinschaftswohnen in Coburg" auf den Weg gebracht hat. Johanna Thomack von der Fachstelle für pflegende Angehörige erläutert den Mitgliedern des Sozialsenats, worum es dabei geht. "Wir wollen damit älteren und pflegebedürftigen Menschen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und gleichzeitig pflegende Angehörige entlasten."

Die Gastgeber bekommen mindestens einen ehrenamtlichen Helfer für maximal drei Teilnehmer von der Fachstelle für pflegende Angehörige zur Seite gestellt. Eine weitere Fachkraft des Trägers ist mit der Leitung des Angebots betraut, sichert die Qualität der Versorgung, betreut und begleitet die Ehrenamtlichen, Teilnehmer und deren Angehörige. "Unser Ziel ist es, den Heimaufenthalt so weit wie möglich hinauszuzögern", erläutert Johanna Thomack. Zu den Pflegebedürftigen rechnet sie nicht nur Demenzerkrankte, sondern auch solche, die einen Schlaganfall überstanden haben, Menschen mit Parkinson, von Depressionen Betroffene, die durchaus körperlich fit sein können, aber den Kontakt zu großen Menschengruppen meiden.

Wohnortnahe Betreuung

Die ehrenamtlichen Gastgeber öffnen für diese Menschen einmal wöchentlich ihren Privathaushalt und stellen ihn für die Betreuung zur Verfügung. Sowohl die gastgebende Familie als auch die Helfer werden nach gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien geschult und fortgebildet. Der Verein "Awo-Gemeinschaftswohnen in Coburg" übernimmt die Koordination und Organisation des Projekts, ebenso die Fachaufsicht und klärt die rechtlichen Rahmenbedingungen. "Mit diesem neuen Versorgungsangebot kann in verschiedenen Stadtteilen eine wohnortnahe, geschützte und individuelle Betreuung aufgebaut und eine bessere Versorgungsstruktur geschaffen werden", sagt Johanna Thomack.

Im Idealfall funktioniere das in unmittelbarer Nachbarschaft. Die pflegenden Angehörigen wissen ihr Familienmitglied in guten Händen, haben kurze Hol- und Bringwege und erfahren somit eine Entlastung im Pflegealltag. Die Gastgeber können Familien, aber auch alleinstehende Bürger oder selbst pflegende Angehörige sein. Sie gestalten ihren Wohnraum entsprechend um, stellen Getränke und eine Mahlzeit zur Verfügung und unterstützen die Helfer. Die Finanzierung dieser Form der Tagesbetreuung in Privathaushalten erfolgt einerseits über eine Förderung des Zentrums Bayern für Familie und Soziales, andererseits über einen Eigenanteil des Vereins, der durch zweckgebundene Spenden gesichert ist. Außerdem ist eine Teil nahmegebühr zu entrichten, die in der Regel von den Pflegekassen zurückerstattet wird.

Auch das Wohnprojekt "Wilna" in der Pettenkoferstraße öffnet sich für einen Tag drei pflegebedürftigen Nachbarn. "Wir stellen dafür einen Gemeinschaftsraum zur Verfügung", e rläutert Johanna Thomack.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren