97 Kilometer sind es von Coburg nach Gotha, wenn man nicht der Autobahn folgt, sondern der Strecke, die früher die Herzöge nahmen. Seit 1826 regierten die Herzöge von Sachsen-Coburg auch in Gotha; von 1830 bis 1832 ließ Herzog Ernst I. die sogenannte Kunststraße von Gotha nach Zella über Oberhof errichten. Das Königreich Preußen beteiligte sich an den Baukosten, um auf diese Weise einen bequemeren Weg zu seinen Exklaven Schleusingen und Schmalkalden zu erhalten. Ernst I. ging es um eine schnellere und bequemere Verbindung zwischen seinen beiden Residenzstädten Coburg und Gotha.

Noch heute führt die kürzeste Route nach Gotha über Oberhof, wenn auch nicht die für Radfahrer bequemste. Aber das schreckt Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha nicht ab, dort zu radeln. Vom 1. bis 5. Mai will er die Strecke mit dem E-Liegerad zurücklegen. "Ich würde die Strecke auch in kürzerer Zeit schaffen, aber ich will den Mund nicht zu voll nehmen", sagt der 75-Jährige mit einem Schmunzeln. Prinz Andreas ist an Parkinson erkrankt.

Doch das hält ihn nicht ab, sich immer wieder in neue Projekte zu stürzen: Er hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter seine Lebenserinnerungen, die seiner Mutter und das Manuskript seines Vaters über den letzten regierenden Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Carl Eduard.

Nun will er ein Zeichen setzen gegen Parkinson. Nicht allein: Die Rotary-Clubs Coburg und Gotha unterstützen ihn. Max Beyersdorf, ebenfalls Rotarier, der als Sportler und Mitglied der Turnerschaft viel Erfahrung mit Sportevents hat, unterstützt ihn. Beyersdorf ist es auch, der schon vorsorglich etwas auf die Bremse drückt: Wie lange die Etappen werden, richte sich nach der Tagesform von Prinz Andreas und den sonstigen Bedingungen, betont er. "Es ist eine Belastung von fünf Tagen in Folge. Da können viele ihre Leistungsfähigkeit im Vorfeld schlecht abschätzen."

Die zwei OB fahren mit

Fest stehen die erste und die letzte Etappe: Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) gibt am 1. Mai den Startschuss auf dem Coburger Marktplatz. Von dort geht es bis zum ehemaligen Grenzübergang Rottenbach. "Wer uns auf dieser Strecke begleiten will, ob zu Fuß oder mit dem Rad, kann das tun", sagt Beyersdorf. Die Teilnehmer müssen ihren Rückweg selbst organisieren.

Die zweite bis vierte Etappe wird Prinz Andreas ebenfalls nicht allein bewältigen, sondern wird "von einem kleinen, aber feinen Team" begleitet, sagt Beyersdorf. Er hat als Etappenziele den Kreisverkehr am Ortsausgang von Zella-Mehlis (noch vor Oberhof) und den Parkplatz Wegscheide bei Oberhof im Visier. Die vierte Etappe endet dann in Ohrdruf. Dort wird am Sonntag, 5. Mai, das letzte Wegstück bis Gotha in Angriff genommen. Dann sollen Bürger aus Gotha Prinz Andreas begleiten, an ihrer Spitze der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch und sein Coburger Kollege Tessmer. In Gotha wird die Truppe im Rahmen des Gothardusfests begrüßt.

Wo schon Albert reiste

Dass die Route so gewählt wurde, ist kein Zufall: "Auf diesem Weg ist auch Prinz Albert nach Gotha gereist", sagt Beyersdorf. Der spätere Prinzgemahl von Queen Victoria wurde am 26. August 1819 geboren und hatte zu seiner Stiefgroßmutter in Gotha, Herzogin Karoline-Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg, ein sehr inniges Verhältnis. Die Herzogin starb 1848 in Gotha.

"Zweck der Aktion ist es, Mut zu machen. Vom Dasitzen wird eine Krankheit nicht besser. Man muss permanent üben", sagt Prinz Andreas aus eigener Erfahrung. Er selbst bemüht sich um Sprachfähigkeit und die Kondition. "Ich fühle mich jetzt fitter als vor ein paar Jahren, vom Parkinson abgesehen", sagt er. Wenn es zum Radfahren draußen zu kalt ist, trainiert er im Haus mindestens zweimal 20 Minuten am Tag. Ansonsten führt seine Trainingsstrecke von Schloss Callenberg rund um den Goldbergsee und den Tiefen Grund wieder hinauf zum Schloss. "Da ist es steil!" Vorteil seines Sportprogramms sei, dass er inzwischen auf einige Medikamente verzichten könne und nur noch die Mittel gegen Parkinson brauche, sagt er.

Die Mutmacher-Botschaft ist es auch, die Max Beyersdorf an dem Vorhaben fasziniert: "Es geht darum, dass jemand sein Schicksal annimmt und was draus macht." Auch Flo Sitzmann, der "Mann ohne Beine", werde Prinz Andreas voraussichtlich eine oder mehrere Etappen im Rollstuhl begleiten, verrät Beyersdorf.

100 Euro für den Kilometer

Die Tour von Prinz Andreas wird nicht zuletzt einem guten Zweck dienen: Der Rotary Club Coburg sammelt Spenden - 100 Euro für jeden Kilometer, die ersten sind schon verkauft. Prinz Andreas will, dass der Spendenerlös der Geriatrischen Rehaklinik in Coburg unter Leitung von Professor Johannes Kraft zugute kommt. Laut Beyersdorf wird nun noch ein konkretes Projekt gesucht, das die Rotarier unterstützen können.